Video-Motorrad (Archivversion)

»Wespe 51/51”

Sie sieht aus wie eine urgemütliche BMW mit Stereoanlage und Übersee-Koffern. Doch Obacht: Die dramatisch besturzbügelte R 1150 RT der Kreispolizeibehörde Wesel ist das erste Videoüberwachungs-Motorrad der Republik.

Werner Holz gibt alles, wringt den 1150er-Boxermotor bis aufs letzte PS aus, die schwarze Suzuki eisern im Visier. 150, 160, 170 km/h. Tatort Landstraße, Landkreis Wesel – nordrhein-westfälisches Kurvenrevier. Kurze Gerade: Der Supersportler beschleunigt auf 200 Sachen, Holz hat Mühe, dran zu bleiben. Doch an der nächsten Kreuzung ist der Suzuki-Pilot fällig. Gekonnt setzt der Mann mit dem weißen Klapphelm seinen blauen Brummer vor das schwarze Schaf und knipst die Zusatzleuchte am BMW-Heck an: »STOPP POLIZEI.«Schlecht gelaufen für den Hobby-Racer. Statt einer kreuzbraven Gummikuh hatte er »Wespe 51/51« – so der Funkruf – im Nacken. Ein 40000 Euro teures Verkehrsüberwachungs-Motorrad der nordrhein-westfälischen Polizei. Bestückt mit modernster Video- und Messtechnik, liefert Wespe bestechende Ergebnisse: Allein in den ersten beiden Monaten des Testbetriebs spielte sie 100 Führerscheine ein – das Doppelte von dem, was durch Tempoüberwachung im Kreis Wesel ansonsten per anno gezogen wird.Auch der engagierte Suzuki-Fahrer gibt seinen Lappen ab, und zwar an Ort und Stelle. »Ein typischer Fall von Ignoranz«, kommentiert Polizeioberkommissar Holz. Und genau auf solche Typen ziele der Einsatz der Video-BMW ab. Es gehe nicht darum, einzelne Geschwindigkeitsüberschreitungen zu ahnden, sondern potentielle Raser aus dem Verkehr zu ziehen, die durch ihr rücksichtsloses Verhalten das Leben anderer gefährden.Dass man es dabei primär auf Biker abgesehen habe, weisen die Video-Beamten von sich. Ausschlaggebend für die Anschaffung der R 1150 RT sei viel mehr ihre »perfekte Tarnung« gewesen, erläutert Bernd Störmer, Leiter des Verkehrsdienstes bei der Kreispolizeibehörde Wesel. »Wer rechnet schon damit, dass wir auf ein Motorrad setzen, bei dem äußerlich nichts auf die teure Messtechnik hinweist?« Für Tierfreunde dürfte Wespe allerdings leicht zu entlarven sein: An ihren großen Ohren werdet Ihr sie erkennen.
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Video-Motorrad der Polizei zur Verkehrsüberwachung (Archivversion) - ProViDa!

Die Abkürzung ProViDa steht nicht etwa für ein neues humanitäres Hilfswerk, sondern für »Proof Video Data System« – ein mobiles Verkehrsüberwachungssystem der Polizei. Aus den Messwerten für Weg und Zeit berechnet ProViDa beispielsweise die Durchschnittsgeschwindigkeit des Tatfahrzeugs. Im Pkw hat sich die Technik bei der Verfolgung von Temposündern bereits bewährt, auf dem Motorrad kommt sie jetzt erstmals zum Einsatz. »Wir haben uns für diesen Aufwand entschieden, weil ein Motorrad auf Landstraßen jedem Auto überlegen ist«, erklärt Bernd Störmer, Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizeibehörde Wesel. Bei der R 1150 RT sitzt das magische Auge vorne links in der Verkleidung – klitzeklein und kaum zu erkennen. Das aufwendige Messequipement versteckt sich im Topcase, und allenfalls die auffällig lange Antenne lässt auf die inneren Werte der dunkelblauen BMW schließen.

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