Voll daneben (Archivversion)

Voll daneben

Die Gemeinde Ludwigsau in Hessen bestand im Juni 1996 auf der Maximalforderung: Vollsperrung der »Stockstraße« in Hessen nur für Biker. Schwere Unfälle, aber auch Lärmbelästigung wurden als Argumente fürs anvisierte Fahrverbot auf der L 3336 genannt. Jetzt hat das Landratsamt in Bad Hersfeld den Antrag abgelehnt. Begründung: An der Strecke selbst wohnt niemand, aus der Stadt Rotenburg lagen keine Beschwerden über Lärm vor. Und die Polizeidirektion Bad Hersfeld nahm 1994 zwei, 1995 vier und 1996 wiederum nur zwei Motorradunfälle auf. Fazit: Das subjektive Empfinden mancher Sperrungsbefürworter hat mit der Realität wenig zu tun. Gegen das Fahrverbot kämpfte die Motorradinitiative Hersfeld-Rotenburg, die sich erst im Juni 1996 gegründet hatte, inzwischen aber 32 Mitglieder zählt, die jetzt die Strecke mit Leitplankenprotektoren ausrüsten wollen. Wertvolle Tips für Motorradinitiativen liefert die Broschüre »Gemeinsam gegen Streckensperrungen«, die es beim IFZ, Gladbeckerstr. 425, 45326 Essen, gibt.
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Interview (Archivversion) - «Man muß am Ball bleiben“

Andreas Maus, 28, Sprecher der Motorradinitiative Hersfeld-Rotenburg, über die beantragte Sperrung des »Stock“
?Der Antrag auf Vollsperrung der Stockstraße in Hessen wurde abgelehnt. Welchen Beitrag hat die Motorradinitiative Hersfeld-Rotenburg geleistet?Wir haben mit dafür gesorgt, daß keine Sperrung an Wochenenden als Kompromiß durchkommt, weil wir Einspruch bei der Straßenverkehrsbehörde einlegten. ?Warum habt Ihr Euch gegen die geplante Sperrung gewehrt?Die Argumente waren an den Haaren herbeigezogen. Der Parlamentspräsident von Ludwigsau, Peter Schütrumpf, der die Sache ins Rollen gebracht hatte, sprach von übermäßigen Unfallzahlen. Das war übertrieben. Der Stock ist auch kein Treffpunkt für Motorradfahrer zwischen Nürnberg und Hannover. Und es gibt keine Wettfahrten dort. Wir glauben, daß Peter Schütrumpf sich aufgrund der bevorstehenden Kommunalwahl profilieren wollte. Auf Kosten von uns Motorradfahrern.?Was habt Ihr außer dem Einspruch bei der Straßenverkehrsbehörde unternommen?Wir haben uns Material von der Bundesarbeitsgemeinschaft Motorrad (BAGMO) besorgt, Unterschriften gegen die Sperrung gesammelt und die örtliche Presse darüber informiert, wer wir sind und was wir wollen. Bei einem Fahrverbot wären wir bis zum Oberverwaltungsgericht gegangen. Wir haben Flugblätter ausgehängt und Sponsoren an Land gezogen: zwei der ortsansässigen Motorradhändler, zwei Versicherungen, eine Gaststätte.?Könnt Ihr die Loseblattsammlung der BAGMO »Gemeinsam gegen Streckensperrungen« empfehlen?Auf jeden Fall. Das Ding ist einmalig. Mit Musterbriefen, Argumenten, Erklärung der Paragraphen. Wenn man so etwas noch nie gemacht hat, hilft das unglaublich viel. Und man muß am Ball bleiben, sonst kann man irgendwann nur noch auf der Autobahn Motorradfahren.

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