Vom Schnellfahren und Langsamsein (Archivversion) Vom Schnellfahren und Langsamsein

In dieser Ausgabe von MOTORRAD finden Sie, liebe Leserinnen und Leser, Geschichten, die einen weiten Bogen schlagen. Die Titelstory befasst sich mit der immer wieder diskutierten Frage, mit welcher Maschine man auf der Autobahn am schnellsten vorankommt. Mit sechs ganz unterschiedlichen Zweirädern, vom 34-PS-Einsteigermodell bis zu einem der schnellsten Serienmotorräder der Welt, der Suzuki GSX 1300 R Hayabusa, fuhr die Testmannschaft von Stuttgart nach Berlin und zurück.Da treten ganz erstaunliche Ergebnisse zutage. Ich will keine Details vorneweg nehmen. Nur so viel sei an dieser Stelle verraten: Die Unterschiede sind kleiner als erwartet. Kein Motorrad kommt im Schnitt über 140 km/h hinaus. Selbst die beherzt gefahrene Suzuki Hayabusa macht da keine Ausnahme. Auch wenn die Tachonadel öfters mal über 250 km/h klettert, ist auf Dauer gesehen bei langen Strecken wenig Zeitgewinn drin.So betrachtet ist Motorradfahren nicht unbedingt die schnellste Art der Fortbewegung. Ein entsprechend gefahrener Diesel-Pkw wird vermutlich keineswegs langsamer sein. Aber schließlich heißt die Autobahn ja auch Autobahn. Von ganz anderen Natur ist eine Geschichte im Unterwegsteil von MOTORRAD. Redakteurin Monika Schulz erlebt auf einer NSU Lux Kilometer für Kilometer ihre Heimat neu. Der Oldie rollt mit 8,6 PS durch die Landschaft und lässt Zeit für Gedanken und Erlebnisse der besinnlichen Art. Für den Spaß an der Fortbewegung auf zwei Rädern reicht auch ein Zwanzigstel an Leistung der dicken Suzuki. Entscheidend dafür ist nicht unbedingt, wie schnell, sondern auf welche Art man unterwegs ist. Mit offenen Augen und Ohren, mit den Düften der Umgebung in der Nase und dem Spiel der Kurven unter den Rädern erlebt der Motorradfahrer wesentlich mehr als beim Bahnbraten mit Ohrenstöpsel. Ich selbst benutze die Autobahn höchstens als Verbindungsetappe. Wenn es die Zeit zulässt, fahre ich manchmal ganz bewusst nach dem »Hauptstraßen-Abbiegeverfahren«. Sobald ich auf eine Hauptstraße komme, biege ich schnellstmöglichst wieder ab. Äußerst spannend, und für die neuen Welten, die sich einem auftun, lohnt sich das Langsamsein. Aber sicher hat jeder sein eigenes Rezept, das ihm am meisten Spaß verschafft beim Motorradfahren. Und deshalb finden sich in MOTORRAD solch unterschiedliche Geschichten. Von Hayabusa bis Lux, von Autobahn bis Holperstrecke, von 175 PS bis 8,6 PS – vom Schnellfahren bis zum Langsamsein.

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