Vorh. (Archivversion) Vorh.

Wie beim Essen - ein guter Schluß ziert alles. Nach Carl, Aaron und John gefallen Boris, Gilles und Meik um so mehr.

Selbst Linda de Mol, der ehemaligen Berufskupplerin im sentimentalen RTL-Schinken Traumhochzeit, wären im Hockenheimer Motodrom mit Sicherheit die künstlichen Wimpern feucht geworden. Auch wenn der öffentliche Heiratsantrag, der Super Moto-Star Meik Appel von Freundin Claudia vor der imposanten Kulisse von gut und gerne 27 000 Fans gemacht wurde, in der heilen TV-Welt noch einer kleinen, aber entscheidenden Korrektur bedurft hätte. Denn statt einem medienwirksamen »Ja« rang sich der Kawasaki-Pilot nur zu einem »Wahrscheinlich, aber später« durch - typisch Meik eben: ruhig, schüchtern und vor allem ehrlich.Eigenschaften, die der 27jährige Wolfsburger gemeinsam mit knapp 40 anderen Kollegen geflissentlich zu kaschieren weiß - sofern sie sich denn auf slickbereifte Moto Cross-Maschinen niedergelassen haben. Und Hockenheim, das hat sich in der Szene längst herumgesprochen, gilt seit dem ersten Super Moto-Rennen im Badischen vor gerade mal vier Jahren gewissermaßen als Woodstock der Drifterzunft. Hier, zwischen Dragstrip, Sachs- und Opelkurve, schufen sich die Asphalt-Schotter-Drifter ihren Ruf als die wilden Jungs des Motorradsports. Und dort harrten die Fans - nach einem äußerst unglücklich gewählten Zeitplan - auch zwei Stunden nach der Siegerehrung der WM-Superbiker der Super Moto-Dinge, die sie überkommen sollten. Richtig: überkommen. Denn Planung und Selbstbeherrschung verloren sich in der 1997er Ausgabe des Spektakels auf beiden Seiten der Arena. Gleich ob Wheelies, Stoppies, Burnouts oder der Power-Drift durchs Kiesbett, noch nie glühten die Temperamente der Piloten und der Enthusiasmus der Fans stärker.Nur an einem einzigen Piloten schien die Jubelstimmung abzugleiten wie ein nasses Stück Seife auf der Haut - Gilles Salvador. Unbeeindruckt saß der französische Super Moto-Meister des Jahres 1995 auf der Leitplanke. Nur er allein schien den Kontakt zur Realität nicht verloren zu haben. Warum auch? Wenige Sekunden zuvor hatte der Mann aus dem grenznahen Belfort seinen sicher geglaubten Sieg verloren. Ein Frühstart, wegen dessen er von der Jury um fünf Plätze degradiert wurde, machte ihm unmißverständlich klar: Die Kür macht zwar Spaß, doch wegen der Pflicht war er gekommen.Diese Pflicht hieß internationale deutsche Super Moto-Meisterschaft. Und nur dafür engagiert sich sein Arbeitgeber KTM nicht zu knapp. Als einer der wenigen Hersteller, die mit der Duke ein serienmäßiges Super Moto-Bike im Angebot haben, gaben die Mannen aus Mattighofen ihrem gräflichen Gefährt in dieser Saison ordentlich die Sporen - und setzten mit Routinier Salvador auch den richtigen Mann auf ihr Rennpferd. Nach einem Doppelsieg beim Inter-DM-Auftakt in Schaafheim führt die gallisch-österreichische Kooperation trotz des Hockenheimer Fauxpas die Meisterschaftstabelle an.Was neben besagtem Herrn Appel vor allem auch Harald Ott ärgerte. Denn der Super Moto-Dauerregent und Meister des letzten Jahres läßt sich nur höchst ungern die Suppe versalzen. Wobei der 27jährige aus dem schwäbischen Heidenheim, vor Jahren mit vier Hallencross- und einer Freilandcross-Meisterschaft bereits hochdekoriert, dem außersportlichen Teil des Super Moto nicht allzuviel abgewinnen kann. Beim Après-Rennen um die Publikumsgunst läßt der Schwabe gern anderen den Vortritt - sofern sie ihm beim Punktesammeln nicht zuvorkommen. Und dies mußte dem Ex-Crosser zumindest in Hockenheim ausgerechnet auf dem sandigen Off Road-Teil im Innenfeld der Opelkurve passieren. Während sich Konkurrent Meik Appel mit Platz drei im ersten Lauf am Samstag noch von Harald Ott auf Platz zwei geschlagen geben mußte, wischte das Fahrtalent aus Wolfsburg seinem Initimfeind am Sonntag in Heat zwei im Kampf um den Sieg dummerweise in den hochaufgetürmten Sandanliegern unten durch.Wenigstens mußte die gute Claudia in Hockenheim zu guter Letzt ihr Schicksal doch nicht ganz allein tragen. Denn auch der französische Husqvarna-Starpilot Boris Chambon sah sich nach seinem samstäglichen Triumph am Sonntag an aussichtsreicher Position liegend durch eine defekte Zündkerze auf die Wartebank verdammt. Und somit gilt auch für künftige Laufsiege des winzigen hochtalentierten Franzosen Meik Appels Rat: Wahrscheinlich, aber eben nicht gleich.

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