Vorschau: Speedway-GP Deutschland (Archivversion)

Rutschparty

Der Speedway GP Deutschland ist das Driftspektakel des Jahres. MOTORRAD erklärt, auf was es bei der Hatz auf dem Oval ankommt.

Michael Doohan macht`s. Anthony Gobert macht`s. Und eine Handvoll weiterer GP- und Superbike-Stars machen`s auch manchmal. Aber der überwältigende motorradfahrende Rest versucht`s möglichst zu vermeiden, und wenn`s doch passiert - Hand aufs Herz -, rutscht einem das Herz in die Hose. Die Rede ist vom Driften, also wenn das Hinterrad nicht mehr der Spur des vorderen folgt, sondern versetzt dazu über die Fahrbahn radiert.Speedway-Fahrer dagegen machen`s grundsätzlich: Am Ende jeder Geraden, bei über 100 km/h, stellen sie das Heck an und fahren im Drift durch die Kurven. Dabei ist nicht das Driften an sich die eigentliche Schwierigkeit - halbwegs talentierte Anfänger können diese Technik innerhalb weniger Tage auf einer Speedway-Maschine erlernen. Vielmehr gilt es auf den glatten, zwischen 300 und 400 Meter langen Bahnen, die zirka 60 PS der mit Methanol befeuerten 500er Einzylinder trotz durchdrehendem Hinterrad möglichst effektiv in Vortrieb umzusetzen.Da die einzelnen Läufe während eines Speedway-Rennens nur über vier Runden gehen, ist ein gewonnener Start schon die halbe Miete. Otto Lantenhammer, einer der bekanntesten Motorentuner in der Szene, ist daher überzeugt: »Erfolgreiche Tuner im Bahnsport müssen vor allem gute Psychiater sein, denn die nervliche Anspannung am Startband ist enorm groß.« Für die Verfolger nach dem Start ist taktisches Fahren tabu. Die Devise lautet stets: Angriff aus allen Lagen in den verbleibenden acht Kurven bis ins Ziel.Das größte Driftspektakel dieser Art findet dieses Jahr auf dem niederbayerischen Oval bei Landshut statt. Dort trifft sich am 5. Juli die Speedway-Weltelite zum Grand Prix Deutschland. Es ist das dritte von insgesamt sechs zur Weltmeisterschaft zählenden Rennen.Auf knallharte Duelle der 17 weltbesten Drifter dürfen sich die Fans also freuen. Die deutsche Wildcard bekommt voraussichtlich Gerd Riss - eigentlich eher Langbahnspezialist und amtierender Weltmeister in dieser Disziplin - zugesprochen. Als einziger deutscher Starter wird er wie in den vergangenen Jahren wieder versuchen, unter den Topdriftern zu bestehen. 1995 sprang immerhin ein vierter Platz für ihn beim heimischen GP heraus. Das Gros des Fahrerfeldes stammt aus Schweden, Dänemark - darunter Multi-Weltmeister Hans Nielsen -, Polen und England mit Publikumsliebling Simon Wigg. Auch Titelverteidiger Billy Hamill aus den USA wird sich nicht kampflos geschlagen geben und bis ins Finale der insgesamt 24 Läufe vorstossen wollen.Der Grand Prix findet am Samstag unter Flutlicht statt, Beginn 19 Uhr. Wer noch einen Tribünenplatz ergattern möchte, sollte Tickets im Vorverkauf ordern (Telefon 0871/89707). Stehplätze gibt`s an der Tageskasse für 40 Mark oder ebenfalls im Vorverkauf für 35 Mark. Das Oval ist über die Autobahnausfahrt Landshut-West der A92 München-Deggendorf einfach zu erreichen.
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1. (Archivversion)

Ein gewonnener Start garantiert in der Regel eine Zielankunft in den Punkterängen. Doch dazu müssen Gewichtsverteilung und Motordrehzahl optimal auf die jeweiligen Bahnverhältnissen abgestimmt sein - abhängig von Startplatz und vergangener Zeit seit dem letzten Bahndienst. Meist stellen die Piloten ihre Maschine in eine Startrille, die zuvor mit dem Stiefel von losem Sand befreit und deren Grund mit der Stiefelspitze auf Griffigkeit hin untersucht wird. Mit der Sitzposition wird sozusagen die Grundabstimmung für Schwerpunktsverteilung festgelegt. Ist der Start erfolgt, federn die Arme ein eventuell steigendes Vorderrad ab, während Oberkörper und Beine als Balance-Gewichte dienen.

2. (Archivversion)

Auf der Gegengeraden nach dem Start erreichen die Fahrer kurz vor dem Kurveneingang das erste mal die Höchstgeschwindigkeit von etwa 110 km/h. Ohne das Gas wegzunehmen, wird die Maschine quergestellt und der Drift eingeleitet. Dabei rutscht das Motorrad über beide Räder und wird dadurch stark abgebremst. Wegen der heranfliegenden Barriere braucht es eine gehörige Portion Mut und Erfahrung, an dieser Stelle außen eine Attacke zu reiten und an einem Gegner vorbeizugehen.

3. (Archivversion)

Am Kurvenscheitelpunkt ist die Geschwindigkeit auf zirka 50 km/h gesunken. An dieser Schlüsselstelle werden wichtige Meter gewonnen oder verloren, hier trennt sich die Spreu vom Weizen im Fahrerfeld. Mit dem Popometer und einer feinen Gashand suchen die Drifter nach dem optimalen Kompromiß zwischen Schlupf und Traktion am Hinterrad, um möglichst rasch wieder Geschwindigkeit aufzubauen. Das linke Bein dient zum Balance halten über Bodenwellen und unterschiedlich griffige Stellen des Bahnbelags.

4. (Archivversion)

Am Kurvenausgang gilt es, möglichst viel Gewicht auf das durchrutschende Hinterrad zu bringen (selbst am Ende der Geraden haben die Hinterradreifen noch Schlupf, sie drehen also immer noch durch). Dabei bleibt der Oberkörper aber nach vorn gebeugt, um auf ein ungewolltes Wheelie noch reagieren und Gewicht nach vorn verlagern zu können. Wer in der nächsten Kurve einen Angriff plant, sollte spätestens hier - bei etwa Tempo 70 km/h - bereits am Hinterrad des Gegners sein.

Speedway-GP Deutschland: Vorschau (Archivversion)

Ein mit Stellit beschichteter Stahlschuh über dem linken Stiefel hilft den Bahnsportlern speziell am Kurveneingang, über den Sand zu gleiten. Die Sohle ist wie bei einem Ski vorn aufgebogen, damit der Fuß nicht in einer Bodenwellen hängen bleibt.Vor die Brille klemmen sich die Speedwayfahrer bis zu acht Abreißscheiben, um auf jeder Geraden während der insgesamt vier Runden für klare Sicht sorgen zu können. Diese Plexiglasscheiben werden am Helmschild leicht gekrümmt befestigt, um Lichtspiegelungen vorzubeugen.

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