Vorschau Superbike-WM (Archivversion)

Aufstiegshilfe

Nicht nur John Kocinski verspricht sich von seinem Engagement im Ducati-Werksteam den Wiederaufstieg in den Rennsport-Olymp. Auch die Superbike-WM selbst wird mit dem neuen Superstar im Niveau zulegen können.

Virginio Ferrari hat sich - nicht ganz freiwillig - sehr lange Zeit gelassen mit der Fahrerauswahl für sein Ducati Corse-Superbike-Werksteam. Und sah nach dem Weggang von Doppelweltmeister Carl Fogarty zu Honda schon aus wie der große Verlierer des winterlichen Transferkarussells. Während die »feindlichen« Brüder vom österreichischen Promotor-Power Horse-Team mit Vizeweltmeister Troy Corser und dem US-Superbike-Vizemeister Mike Hale ein ebenso schlagkräftiges wie angriffslustiges Duo aufzubieten haben wie die neuformierte Castrol-Honda-Werksmannschaft mit Titelverteidiger Fogarty und dem bisher besten Vierzylinder-Superbiker Aaron Slight, sah das Team von Virginio Ferrari mit der britischen Nachwuchshoffnung Neil Hodgson als einzigem Fahrer recht traurig aus.Bis Ferrari unter tatkräftiger Mitwirkung von Cagivas Konzern-Boß Claudio Castiglioni schließlich den früheren Außerirdischen aus dem Hut zauberte. Was zunächst den Ruch einer Koalition der Verdammten hatte - John Kocinski war nach seinen zahlreichen Eskapaden (siehe Kasten Seite 254) über ein Jahr arbeitslos, Virginio Ferrari sah mit wachsender Besorgnis dem Abstieg seines zweifachen Weltmeisterteams in die Bedeutungslosigkeit entgegen, und Signore Castiglioni kämpft leidenschaftlich ums Überleben des gesamten Motorrad-Komplexes seines Industrie-Imperiums -, stieg bei den ersten Testfahrten in Malaysia, Indonesien und Australien auf wie das Kreuz des Südens in einer klaren ozeanischen Nacht.John Kocinski hinterließ während seiner Testtour rund um die Welt auf jeder Strecke Bestzeiten. Nur auf heimischen Boden im australischen Phillip Island war Troy Corser für einmal schneller. »Es ist unglaublich«, staunt Teamchef Ferrari auch noch nach den letzten Vorsaisontests im italienischen Misano, »John fährt raus, und die erste fliegende Runde ist oft schon Rundenrekord. Aber dann kommen zwei noch schnellere.«In Zusammenhang mit den erzielten Rundenzeiten stieg die Stimmung im Team stetig. Vor allem der neue alte Held selber ist fast schon unglaublich guter Laune. »In den früheren Jahren ist vieles falsch gelaufen, hauptsächlich in meinem Umfeld. Aber ich hatte 1995 sehr viel Zeit, entscheidende Dinge in meinem Leben und meiner Karriere neu zu organisieren. Es ist vieles anders und besser als früher, und dafür habe ich die richtigen Leute um mich«, erklärt ein sichtlich und erfolgreich um Freundlichkeit und gute Manieren bemühter John Kocinski, »und noch was: Ich will nicht um alles in der Welt wieder 500er fahren. Hauptsache, es macht wieder Spaß.«Trotz Kocinskis überraschend gereifter Persönlichkeit ist die Konkurrenz wenig beeindruckt. »Der Kocinski war schon früher Wintertest-Weltmeister und hat seine Leistung nie übers Jahr konservieren können«, erinnert Promotor-Ducati-Teambesitzer Alfred Inzinger, der im Winter seinen Sponsor »Power Horse-Energy Drink« kurzerhand aufgekauft hat, »laß ihn ein bis zweimal die erwarteten Ergebnisse verfehlen, dann brummt’s im Team. Einen kleinen Vorgeschmack haben wir in Phillip Island schon erlebt, als Troy schneller war.«Bezüglich seines eigenen Team strahlt Inzinger große Zuversicht aus. »Wir sind in unserem ersten Jahr als Ducati-Werksteam Vizeweltmeister geworden. Daß wir 1996 einen Schritt weiter wollen, ist logisch. Und mit Corser und unserem Neuzugang Mike Hale haben wir die richtigen Fahrer dafür.«Auch der Dämpfer in Daytona, wo die beiden favorisierten Promotor-Reiter ausfielen, soll die Aufbruchsstimmung im Team nicht bremsen. Denn neben den neuen, stark überarbeiteten 999-cm³-Werksmotoren für die Ducati 916 haben die Österreicher noch ein gewichtiges Argument aufzubieten. Bei der offiziellen Team-Präsentation im Salzburger Casino bekamen die jugendlichen Helden der Straße Unterstützung aus den höheren Sphären der Kultur. Startenor Placido Domingo erfreute die Promotor-Crew und ihre Gäste mit seiner Sangeskunst. Und so wie sich die Musikszene uneins ist, welcher der drei häufig gemeinsam auftretenden Supertenöre Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras im brüderlichen Sängerstreit die wahre Nummer eins ist, so schwanken die Superbike-Auguren zwischen den ungleichen Ducati-Brüdern Kocinski und Corser sowie dem explosiven Honda-Duo mit Titelverteidiger Carl Fogarty und Aaron Slight, dem bislang erfolreichsten Bändiger der kapriziösen Honda RC 45.Während zumindest Honda-Wiedereinsteiger Fogarty noch gewisse Eingewöhnungsprobleme hat (siehe Kasten Seite 256), setzen Kawasaki und Yamaha eher auf Kontinuität. Bei den Grünen wurde die durch Scott Russells Abgang 1995 freie Stelle wieder besetzt. Der Australier Anthony Gobert erhält im Kawasaki-Werksteam von Rob Muzzy Unterstützung und Konkurrenz vom Neuseeländer Simon Crafar, der sich gegen Ende der vergangenen Saison mit aufsehenerregenden Vorstellungen auf der Ex-Doug Polen-Werks-Honda empfohlen hatte.Die neue Kawasaki ZX-7R unterscheidet sich zwar optisch deutlich vom Vorgängermodell, erweist sich aber in der Rennversion technisch eher als eine weitere Evolutionsstufe der bewährten ZXR 750. So dürfen die Fans des Team Green auch in diesem Jahr bärenstarke Motoren erwarten und ebensolche Auftritte sowohl der beiden Muzzy-Reiter wie natürlich auch des deutschen Meisters Jochen Schmid, der sich nicht nur beim deutschen WM-Gastspiel am 12. Mai in Hockenheim (siehe Kasten Seite 257) viel vorgenommen hat.Im nun komplett beim italienischen Importeur Belgarda einquartierten Yamaha-Superbike-Werksteam stand in der Off Season Reorganisation auf dem Programm. Das Team hatte sich ja nach dem Todessturz von Yasutomo Nagai im Vorjahr in Assen pietätvoll aus der WM zurückgezogen. Jetzt tritt Yamaha wieder an. Der Amerikaner Colin Edwards bleibt als Fahrer, dazu kommt der japanische Nachwuchsmann Wataru Yoshikawa. Auch strukturell wurde das Team leicht verändert. Teamchef Christian Sarron ist nicht mehr dabei. Sein Nachfolger ist der bisherige PR-Manager Davide Brivio. Und der geniale Cheftechniker Beppe Russo ist Garant dafür, daß niemand mehr überrascht sein darf, wenn die oft unterschätzte YZF 750 auch 1996 auf den Topspeedlisten ganz oben steht.Eher schwer einzuschätzen ist die völlig neue Suzuki GSX-R 750, in der Superbike-WM offiziell eingesetzt vom GP-erfahrenen britischen Harris-Team. Die Vorschußlorbeeren für das Serienbike mußten nach den 200 Meilen in Daytona zumindest teilweise relativiert werden, als nur die Lucky Strike-GSX-R des Daytona-Helden Scott Russell im Vorderfeld zu sehen war. Offenbar gibt es noch einiges an Entwicklungsarbeit für die neue Crew um Teammanager Lester Harris und beiden Fahrer John Reynolds und Kirk McCarthy.Aber noch ist etwas Zeit bis zu den ersten beiden WM-Rennen am 14. April in Misano und am 28. April in Donington Park. Und dann, so freut sich John Kocinski, »sehen wir uns in Hockenheim - auf ein Schnitzel.“
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Superbike-WM 1996: Vorschau (Archivversion) - Der Rohdiamant

Bei den Fans beliebt, bei den Teams gefürchtet: »Little« John Kocinski steht nach einem Jahr ungewollter Rennsport-Abstinenz als Ducati-Werksfahrer nun wieder im Mittelpunkt des Interesses. Sein fulminanter Einstieg ins GP-Geschäft brachte ihm 1989 den Spitznamen »Der Außerirdische« ein. 1990 holte der damals 22jährige auf einer 250er Werks-Yamaha den Weltmeistertitel. Im Folgejahr stieg er in das Yamaha 500er Team von Kenny Roberts auf und zeigte sich beim GP in Laguna Seca von seiner schlechtesten Seite: Beim Versuch, seinem Teamkollegen Wayne Rainey zu beweisen, wer Herr im Haus ist, fiel er nach einem Highsider auf den Kopf und flüchtete stinksauer im Auto aus dem Fahrerlager. Einem Streifenpolizisten, der seine rasante Fahrt stoppte, kam Kocinski derart frech, daß ihn der Gesetzeshüter kurzerhand über Nacht ins Gefängnis steckte.1992 belegte er den dritten Gesamtplatz in der 500er WM, erhielt aber keinen neuen Vertrag mehr: Teamchef Kenny Roberts war des Rohdiamanten überdrüssig geworden. Zähneknirschend setzte dieser sich auf die 250er Werks-Suzuki, um sich von Beginn der Saison 1993 an über mangelnde Leistung gegenüber seiner letztjährigen 500er Yamaha zu beklagen: »Der Unterschied ist, daß ich eine Tasse Kaffee brauche, um auf den Geraden nicht einzuschlafen.« Den unrühmlichen Höhepunkt seiner Karriere leistete er sich beim GP in Assen. Statt sich über seinen dritten Platz zu freuen, schlachtete er in der Auslaufrunde den Motor der Suzuki. Das Wrack ließ er achtlos auf der Strecke liegen und glänzte bei der Siegerehrung und Pressekonferenz mit Abwesenheit. Das in seiner Ehre verletzte Suzuki-Team schickt ihm daraufhin die fristlose Kündigung. Was Cagiva nicht daran hinderte, ihn 1994 für das 500er Team zu engagieren. Nachdem er die sicher geglaubte Vize-Weltmeisterschaft an Luca Cadalora verlor, monierte der beinahe neurotisch sauberkeitsversessene Kocinski, es sei zuwenig für die Entwicklung der Halblitermaschinen getanworden. ms

Castrol-Honda-Team (Archivversion) - Steuerschulden

Auch ihren neuen Top-Fahrer empfing die Honda RC 45 mit dem alten Trick. Wie im vergangenen Jahr Aaron Slight, Simon Crafar und anfangs Ex-Weltmeister Doug Polen mußte sich Superbike-Titelverteidiger Carl Fogarty bei seinen ersten Tests mit Werks-RC 45 aus dem Castrol-Honda-Team ebenfalls mit unwilligem Einlenkverhalten herumschlagen. »Es ist ein großer Unterschied zur Ducati«, schildert Fogarty seine Eindrücke, »weil die Honda genau dort Probleme macht, wo ich mit der Ducati besonders schnell war. So muß ich, solange wir das noch nicht hundertprozentig im Griff haben, meinen Fahrstil gewaltig umstellen.« Dies könnte auch erklären, warum Teamkollege Aaron Slight, mittlerweile im dritten Honda-Jahr, bei allen Tests die Nase vorn hat. Trotzdem stellt sich Slight, der klar ausgedrückt hat, daß er sich nicht als Nummer zwei hinter Fogarty fühlt, vor den Champ: »Die Zeiten darf man nicht überbewerten. Wir sind noch in der Entwicklungsphase.« Aber natürlich ist auch im Castrol-Honda-Team von Manager Neil Tuxworth der Teamkollege der härteste Gegner. Und Aaron Slight möchte nach drei Jahren endlich seinen dritten WM-Rang verbessern, auf jeden Fall aber bester Vierzylinder-Pilot bleiben. Bei beiden Vorhaben steht Carl Fogarty im Weg. Eine vielversprechende Konstellation.

Superbike-WM in Hockenheim (Archivversion) - Die drei S

Sonnenschein, Spargelzeit, Superbike-WM. Vom 10. bis 12. Mai gibt es traditionsgemäß mehr als einen Grund, nach Hockenheim zu kommen. Die Superbike-WM in Hockenheim hat beste Vorausetzungen für den Auftakt der internationalen Rennsaison in Deutschland. Besonders gespannt dürfen die Fans wieder auf die Konfrontation der von Meister Jochen Schmid angeführten Pro Superbike-Cracks mit dem WM-Establishment sein. Schmids Galafahrten auf die Plätze zwei und drei 1995 sind noch in bester Erinnerung. Die Superbike-Läufe starten um 12 und 15 Uhr. Dazu gibt es, allerdings noch ohne exakte Anfangszeiten, ein Rennen zur Supersport 600-Interkontinentalmeisterschaft, den SoS-Europa-Cup, die Deutschland-Premiere der neuen Superstock-Klasse (Serienbikes ohne Hubraumlimit), Yamaha- und Harley-Cup sowie als ganz spezielle Attraktion die internationale Super Moto-DM. Genaue Eintrittspreise liegen zwar noch nicht vor, aber die Zusicherung der Veranstalter, daß es erstmals bei der Superbike-WM käufliche Fahrerlagerkarten geben soll. Näheres beim Badischen Motorsportclub, Telefon 06205/101816.

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