Was Biker essen (Archivversion)

Hau wech

Wo gegessen wird, da fallen Brösel. MOTORRAD verrät, wie man in drei Wochen garantiert sechs Kilo zunimmt.

Früher war alles einfacher. Ungewaschene Rocker schoben dicke Bäuche vor sich her, tranken entsetzlich viel Bier, rülpsten anständigen jungen Damen ins Gesicht und verschlangen fetttriefendes Fleisch vom Grill. Um sich anschließend die Flossen an ihren verspeckten Jeans abzuwischen. Das wusste schon Tante Frieda.Dann gab´s da noch Motorradfahrer, die nur ein Vergnügen kannten. Um Kurven tanzen. Essen? Unwichtig. Abends in der Garage feilten sie um Zehntel Gramm. Bohrten Radachsen hohl, frästen Löcher in Bremsscheiben und Fußrasten. Das Ziel: eine um fünf Hundertstel schnellere Rundenzeit.Heute ist das Leben komplizierter. Auch widersprüchlicher. Statt Bauch zeigt der Rocker solariumsgebräunten Bizeps. Anständige junge Damen fahren Harley. Die, die damals feilten, tragen jetzt Speckröllchen um die Hüften. Dafür sind ihre Supersportler ab Werk leichter.Der Mensch ist, was er isst. Behaupten diverse Ratgeber. Was früher niemand kümmerte. Heute schon. Wie sich Biker ernähren sollten, klärt Kirsten Thieme, Redakteurin der Männerzeitschrift Men´s Health, auf Seite 110. Was sie tatsächlich wegspachteln, sagt MOTORRAD schon hier und jetzt. »Ich hatte so richtig Kohldampf.« Michael Otto wischt sich Mayonnaise von allen zehn Fingern, wirft die Serviette auf den leer geschleckten Teller und streicht sich über den Bauch. »Satt.« Kein Wunder. Die Mayo macht´s: 100 Gramm enthalten 748 Kalorien. Bombastisch viel. Sogar mehr als Mousse au Chocolat (332). Was auch noch köstlich schmeckt. Empfehlenswerter zu Pommes: Ketchup. Hat nur 107 Kalorien.Aber zurück zur Mayo. Otto, der Ludwigsburger, der just 260 Kilometer mit seiner Kawasaki ER-5 durch den Schwarzwald tourte, riss sich den ganzen Tag am Riemen. Während der Fahrpausen biss er in Äpfel und Bananen. Trank Mineralwasser. Absolut vorbildlich. »Mit Völlegefühl im Magen bin ich zu unkonzentriert.« Klar. Aber warum überfällt den 39-Jährigen plötzlich Heißhunger auf fettige Fritten? Unterzuckerung. Gepaart mit blanker Gier. »Ich hatte einfach Lust«, meint der drahtige Bürokaufmann und leckt sich die Lippen. Aber das schlechte Gewissen ruft: »Pommes sind ungesund.«Trotz AOK und Gesundheitsaposteln - auf Fast Food fährt der Biker ab. Sagt der Wirt vom Biergarten am Bikertreff Glemseck nahe Stuttgart: »Motorradfahrer wollen Currywurst und Pommes. Wir haben schon fast alles angeboten von Hähnchen bis Maultaschen«, so Hans Scheytt. »Das läuft nicht.« Grässlich, aber wahr: Die Deutschen verschlingen 800 Millionen Currywürste im Jahr. Auch im Schwarzwald. Für den kleinen Hunger zwischendurch reicht´s Melanie Müller und Andreas Maisenbacher, mit Honda CB 500 unterwegs. »An der B 500 sind so viele Imbissbuden. Da bietet sich das an.« Ein kurzer Genuss. Denn die Wurst hat ein Ende. Und 432 Kalorien sowie 35 Gramm Fett pro Portion - ein Drittel des täglichen Bedarfs. Nur an Fett.Mathias Eichinger schert das nicht. Der 22-Jährige Bankangestellte isst zum Schrecken aller Wirte fast nie auswärts. »Dafür bin ich zu geizig«, sagt der Yamaha YZF-R1-Pilot, der kürzlich 280 Euro in Reifen investierte. Mit dem Geld ließe sich fürstlich speisen. Oder 112 Currywürste kaufen. »So rechne ich nicht. Die Gummis brauche ich. Wurst nicht.«Fleischlichen Genüssen und finanziellen Aderlässen weniger abgeneigt sind die Harley-Fahrer Jürgen Juchner und Nicole Weiler aus Wiesbaden. Auf der Autobahnraststätte in Baden-Baden essen sie zwar nur Brötchen und trinken absolut kalorienfreies Mineralwasser, aber abends dinieren sie in einem kleinen aber feinen Restaurant. »Auch wenn wir mit unserem Chapter touren, wird lecker gegessen«, betont Nicole Weiler.Ohne was im Bauch. Nie. Das sagt einer, der es wissen müsste. Richard Kvasnica, von Beruf Koch, empfiehlt Motorradfahrern: »Vor allem Kohlenhydrate. Spaghetti.« Was vertilgt er am Bikertreff? »Wurstsalat.« Blick nach unten. »Macht höchstens einen fetten Ranzen. Aber ich hatte Hunger, und das Putenschnitzel war mir zu teuer.« Hat der Suzuki GSX-R 750-Besitzer etwa Gewichtsprobleme?. »Bei 1,88 und 95 Kilo. Niemals. Das ist alles gut verteilt.« Sagt´s, grinst charmant. Und fügt etwas Wahres gelassen hinzu: »Trinken ist viel wichtiger als Essen.« Zwei Liter Wasser pro Tag braucht der Mensch. Für Christoph Hajduk und Peter Glomb kein Thema. »Wenn ich aggressiver fahre, muss ich mehr trinken, weil ich dann mehr...« Der 22jährige Maschinenbaustudent Hajduk, der eine Honda Hornet 600 hat, bricht ab. »Weil du dann Schweißausbrüche hast«, lästert sein Kumpel Peter Glomb und schleckt genüsslich am Eis. Hat übrigens 145 Kalorien pro 100 Gramm. Wenn´s aus Milch besteht. Was besser mundet als schlabbriges Wassereis. »Auf der Tour bleibt´s beim Imbiss. Wir haben fünf Kinder und wissen nie, wie schnell wir wieder daheim sein müssen.« Astrid Corbe, 44 Jahre jung und Kawasaki Zephyr 750-Lenkerin, schmaust Currywurst. Ihr Lieblingsessen? »Salat. Klar. Als Frau. Und dann noch: mmmh .. Jägerschnitzel.« Die Kalorienzählerei stinkt Bernd Seebacher. Der Lastwagenfahrer verdrückt schnell noch die Bratkartoffeln mit Spiegeleiern, die sein Sohn in Unterstmatt nicht schafft. »Ein Feinkosttempel ist das nicht. Aber es schmeckt. Ich weiß, dass ich viel zu fett esse.« Momentan wiegt der 42-Jährige unter 100 Kilogramm. Für ihn die Schmerzgrenze. »Da muss dann was passieren.« Meint auch sein Sohn. Der Neunjährige will aufs Motorrad. Sein größter Wunsch: »Ich kauf eine R1 und versäg´ meinen Vadder.« Der Bub achtet eben auf sein Leistungsgewicht.
Anzeige

Essen: Biker und ihre Ernährung (Archivversion) - Hau rein

Kirsten Thieme, Redakteurin für Gesundheit und Ernährung bei der Zeitschrift Men´s Health, gibt Tipps. Was sollten Motorradfahrer essen?
Gesunde Ernährung besteht aus möglichst viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten sowie Vollkornprodukten. Wer sich für längere Zeit auf sein Motorrad schwingt, vergisst das besser. Denn einer der großen Vorteile dieser Lebensmittel – ein voller Bauch für wenig Kalorien – wird in der gebeugten Haltung auf der Maschine zu einem unangenehmen Nachteil. Voluminöse Mahlzeiten können dann fieses Sodbrennen und bei starken Vibrationen des Motorrads sogar schmerzhafte Seitenstiche auslösen. Eine Möglichkeit: die gesunden Sachen in kleinen Portionen futtern. Aber dann verbringen Sie wahrscheinlich mehr Zeit in der Kassenschlange an Rastplätzen als auf dem Motorrad. Das ist deshalb nur etwas für »Heimwerker«, die sich ihre Verpflegung von zu Hause mitnehmen und häufige kleine Pausen nicht scheuen. Packen Sie aber nicht nur Äpfel oder anderes Obst in Ihre Taschen, die machen alleine nicht besonders satt. Was aber dann? Lecker, gut vorzubereiten und unfallfrei zu essen sind Doppeldecker aus Vollkornbrot. Bestreichen Sie die Schreiben mit halbfettem Frischkäse, belegen Sie sie mit Schinken, Bratenaufschnitt oder Käse und packen Sie ein großes Salatblatt dazwischen – das hält das Ganze frisch. Wenn Sie so einen Burger jetzt noch mit Cherry-Tomaten (die sind aromatischer und mit einem Happs ohne triefende Hände im Mund verschwunden), Gurkenstückchen, Paprikastreifen und Obst ergänzen, ist es perfekt. Für diesen Zweck sollten Sie sich unbedingt fest verschließbare Frischeboxen anschaffen.Wählen Sie am besten Roggenschrotbrot mit Sauerteig, denn es ist verträglicher und »kerniger« als feines Brot. Vorteil: Die Kohlenhydrate werden nur langsam vom Körper aufgeschlossen, wodurch der Blutzuckerspiegel lange konstant gehalten wird, anstatt – wie bei Weißbrot oder feinem Vollkornbrot – erst in die Höhe zu schießen und dann gleich wieder in den Keller zu fallen. Ein konstanter Blutzuckerspiegel hält satt und lässt die Konzentration nicht drastisch sinken – für Motorradfahrer, die immer auch für die anderen Verkehrsteilnehmer mitdenken müssen, eine lebenswichtige Sache. Deshalb sollten Sie auch bei Kuchen und Süßigkeiten aufpassen, das sind die schlimmsten Blutzucker-»Pusher«. Gegen zwei Stücke Schokolade zum Nachtisch ist aber nichts zu sagen. Sie möchten lieber an einer Raststätte auftanken? Dann aber Finger weg von Pommes, Currywurst und Pizza – wer so schwer Verdauliches futtert, lockt den Sekundenschlaf an. Die Quadratur des Kreises zwischen leicht, aber nicht zu voluminös ist ein Steak mit Salat. Denn es sind vor allem proteinreiche Nahrungsmittel, die schnell und lange satt machen. Wenn Ihnen das zu teuer ist (Raststätten sind Wegelagerer!), können Sie auch Nudeln mit Tomatensauce wählen und einen Joghurt oder ein anderes Milchprodukt zum Nachtisch essen.Zwei Fliegen mit einer Klappe würden Sie mit (Frucht-)Buttermilch schlagen – wenig Kalorien, viel Protein und gleichzeitig bekommen Sie dringend benötigte Flüssigkeit. Ja, Sie müssen öfter anhalten und was loswerden, wenn Sie viel trinken – aber wer sein Gehirn austrocknen lässt, geht möglicherweise bald auf seine letzte Reise. Zwei Liter sollten´s täglich mindestens sein, aber wer unter dem Helm und in einer Lederkombi vor sich hin gart, braucht durchaus auch deutlich mehr, um die grauen Zellen so zu wässern, dass sie wach bleiben. Viele Motorradfahrer scheinen die gesamte Menge in Form von Kaffee in sich hineinzuschütten. Dabei müssen sie dadurch nur noch öfter aufs Klo, denn Koffein wirkt harntreibend. So verlieren sie mehr Flüssigkeit als sie durch den Kaffee zugeführt haben. Allerdings muss man nicht befürchten, am Ende der Fahrt wie eine Rosine auszusehen, denn irgendwann ist die Wirkung des Koffeins erschöpft und ein weitere Tasse verstärkt die harntreibende Wirkung nicht mehr. Das gilt allerdings auch für das »Hallo wach!« Nur die erste Tasse macht munter, der Rest verpufft. Wenn Sie Kaffee optimal nutzen wollen, sollten Sie eine Tasse trinken und dann eine Nickerchen von einer Viertelstunde machen. Das Koffein braucht eine halbe Stunde, um zu wirken – und in der Kombination mit dem Nickerchen verstärken sich beide gegenseitig. Keine Wiese für kurze Träume in Sicht? Lehnen Sie sich einfach in irgendeinem Stuhl in der »Kutscherstellung« vor (Ellenbogen auf Knie, Hände baumeln dazwischen, Kopf hängt locker) und zählen Sie in Gedanken langsam von 100 bis null. Das entspannt messbar die Gehirnwellen und ist deshalb fast so gut wie ein Schläfchen. Nach so einer Pause kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen – einen Stau brauchen Sie schließlich nicht fürchten.

Essen: Biker und ihre Ernährung (Archivversion) - Zähl mal

Neben Geschmacks- und Aromastoffen, Wasser, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen enthalten Lebensmittel auch Kalorien.
Ein knapp 80 Kilogramm schwerer Mann, der im Büro seinen Hintern platt drückt, sollte als Faustregel täglich nur 2400 Kalorien aufnehmen. Mehr mampfen dürfen Schwerstarbeiter. Die energiehaltigen Nährstoffe in Lebensmitteln sind Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße und Alkohol. Inzwischen vollkommen out: Angaben, wie viel von welchem Nährstoff gesund sein soll, die Verteufelung von (tierischem) Fett und die Heiligsprechung stärkehaltiger Kohlenhydrate. Als entscheidend gilt jetzt die Wirkung der Kohlenhydrate auf den Blutzuckerspiegel. Da sehen stärkehaltige Produkte wie Weißbrot, Kuchen, Süßigkeiten und Limos alt aus, während Gemüse und Hülsenfrüchte gut abschneiden. Kohlenhydratreiche Kost wie Vollkornbrot, Nudeln, Reis und Kartoffeln am besten mit Gemüse kombinieren. Liegt viel Grünzeug auf dem Teller, darf ruhig etwas Fett (Butter oder Soße) dabei sein – so schmeckt´s den Meisten besser. Auch der Proteingehalt (Fleisch, Ei- und Milchprodukte) darf hoch sein, wenn man mindestens 1,5 Liter pro Tag trinkt. Wer jeden Bissen rundum genießt und ganz bewusst isst, stopft sich nicht voll und wird auch nicht dick.

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote