Was wurde aus Freddie Spencer (Archivversion) Schulmeister

In den frühen 80er Jahren Zeit holte er drei Weltmeistertitel mit neuartigem Fahrstil; heute gibt Freddie Spencer sein Herrschaftswissen an den interessierten Nachwuchs weiter.

Es gibt eherne Leitsätze im Rennsport wie etwa: »Versuche nie, ein Rennen in der ersten Kurve zu gewinnen.« Freddie Spencer, 500er Weltmeister von 1983 sowie 1985 Doppelweltmeister in der 250er und 500er Klasse und trotz der weniger rühmlichen Endphase seiner Karriere einer der talentiertesten Fahrer aller Zeiten, ist ganz anderer Meinung.»Du mußt das Rennen vom Start weg bestimmen«, doziert der mit 35 Jahren noch recht junge Alt-Star, »denn nur an der Spitze und mit einem gewissen Vorsprung kannst du nach deinem Plan schnell fahren und das Material schonen. Viele Fahrer drehen ihre schnellsten Runden gegen Rennende. Das ist nicht logisch. Wenn du am Schluß schnell fährst, kannst du es am Anfang, mit frischeren Reifen, noch besser.«Hatte Spencer die Geheimnisse seiner Erfolge früher nur seinen Opfern auf der Strecke demonstriert, ist er heute gern bereit, diese weiterzugeben. Auf dem brandneuen Las Vegas International Speedway am Rande des glitzernden Spielermekkas im US-Staat Nevada startete er Ende März »Freddie Spencer’s High Performance Riding School«. Auf Honda CBR 600 F gibt es zweitägige Kurse in zwei Kategorien. »Wir sprechen ganz bewußt nicht nur den Renn-Nachwuchs an, sondern geben auch normalen Motorradfahrern die Chance, unter sicheren Bedingungen ihr Fahrkönnen zu verbessern«, erläutert der Ex-Weltmeister.Erste Schülerin war die deutsche Rennfahrerin Elli Bindrum, wenn sie auch aufgrund etwas mißverständlicher Terminplanung des großen Meisters nur ein - allerdings sehr ausführliches - Trockenseminar zu Rennstrategie und mentaler Präparation genießen durfte.Die schnelle Lady aus Franken kam direkt vom SoS-Rennen in Daytona Beach, wo sie nach völlig mißratenem Start auf der Werks-MuZ eine heroische Aufholjagd gezeigt hatte, und war somit besonders aufnahmefähig für Freddies Schnellstart-Tips. »Entscheidend ist, möglichst schnell sein Renntempo zu finden«, erfuhr Elli von ihm, »dazu muß man sehr aggressiv in die ersten Kurven gehen und genug Selbstvertrauen haben, in einer Kampfgruppe zu fahren und sich dort auch durchzusetzen.«Weitere Lehrsätze gelten der exakten Planung eines Rennens sowie der Fähigkeit und Bereitschaft, wechselnde Bedingungen während des Rennens sofort zu erfassen und positiv zu verarbeiten. »Direkte Gegner oder Überrundete wie natürlich auch nachlassende Reifen können dich zwingen, deine Linienwahl, deine gesamte Strategie zu ändern«, predigt der Champion, »dazu mußt du sofort in der Lage sein, was nur klappt, wenn du auf solche Dinge gefaßt bist und sie schon vorher Bestandteil deines Plans sind.«Die Zwei-Tages-Kurse kosten 1150 US-Dollar für Sportfahrer und 1750 Dollar für Rennfahrer inklusive zwei Hotelübernachtungen, Verpflegung, Benutzung der Motorräder, Versicherung sowie nach Bedarf die komplette Fahrerausrüstung (nähere Infos unter der Faxnummer 001/702/6399257). Mit seiner fast schon wissenschaftlichen Vorgehensweise paßt Freddies Schule hervorragend in die »University of Motor Sports«, wie sich der Verbund aller Rennfahrschulen in Las Vegas höchst bescheiden nennt. Dazu gehören noch die Moto Cross Academy des früheren US-Supercross-Stars Jeff Ward (Telefon 001/714/2485882) sowie zehn weitere Motorsport-Angebote, zum Beispiel Kurse von Autostars wie der NASCAR-Legende Richard Petty oder dem Ex-Formel 1-Fahrer Derek Daly.Die Frage ist eigentlich nur noch, ob man sich direkt in der Motorsport-Uni einschriebt, oder vorher noch schnell die Kursgebühr in einem der örtlichen Casinos gewinnen will. Dort aber muß man die letzte Runde rechtzeitig erkennen.

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