Wechselkennzeichen (Archivversion)

Eines für alle

Ein Kennzeichen für mehrere Maschinen oder vielleicht sogar für Motorräder und Automobile im Wechsel? Was in anderen Ländern bereits funktioniert, ist in Deutschland rechtlich nicht möglich. Noch nicht.

Sonntagmorgen, die Sonne jagt das Quecksilber nach oben. Klasse, jetzt locker mit der Harley zum Baggerloch cruisen. Oder doch lieber mit der Super Moto im Schwarzwald durch die Kehren hetzen? Die Entscheidung fällt leicht, zu leicht, denn die Harley ist abgemeldet. Wegen Ebbe in der Kasse. Also bleibt die Badehose in der Schublade und der Cruiser in der Garage.Frei wählen zwischen den Mopeds, die in der Garage stehen, ganz nach Lust und Laune - Zweiradler aus den Alpenrepubliken Österreich und Schweiz können das. Mit einem einigenKennzeichen für maximal drei Maschinen. Vdersteht sich von selbst, dass immer nur ein Motorrad auf die Straße darf. Ausleihen an die Kumpels läuft nicht. 1999 haben die Österreicher die Kfz-Zulassung privatisiert. Seitdem sind die Zulassungsstellen der Versicherungsgesellschaften für die Anmeldung zuständig. Und die verlangen für ein Wechselkennzeichen rund 160 Euro. In der Schweiz sieht die Chose je nach Kanton unterschiedlich aus. Die Berner machen’s so: Moped auf die Waage, fürs Schwerste wird bezahlt, das Leichtere läuft gratis mit.Die »Mobilitätsgesellschaft Deutschland«, von Politikern in Sonntags- und Wahlreden liebend gern herbeigeredet, verdonnert dagegen Sammler und Liebhaber mit mehreren Fahrzeugen dazu, für jedes Fahrzeug brav, ordentlich und hübsch separat Versicherungsprämien und Steuern zu löhnen. Okay, da gibt’s spezielle Zulassungen für Oldtimer, die roten Nummern auf Dauer und Saisonkennzeichen (siehe Kasten) – aber an dem grundsätzlichen Dilemma – für jedes eins, statt eins für alle - ändert das nichts.Noch fehle die rechtliche Grundlage für eine solche Neuordnung, bemängelt der Industrie-Verband Motorrad Deutschland e.V. (IVM). »Doch prinzipiell spricht nichts gegen ein Wechselkennzeichen«, sagt Christoph Gatzweiler vom IVM. »Mit einer neuen Prämienpolitik der Versicherer und einem geringen administrativen Aufwand für die Biker könnte das Wechselkennzeichen den Fahrzeugmarkt beleben.« Bereits vor acht Jahren habe sich der IVM für die Einführung des Wechselkennzeichens eingesetzt: Resultat gleich null, die Politik stellte ihre Ohren auf Durchzug. Obwohl die Argumente der Wechselkennzeichen-Befürworter bestechend einfach und logisch sind: »Wenn mit einem Fahrzeug nicht gefahren wird, sollten dafür auch keine Kosten entstehen.« So Maximilian Maurer vom ADAC. Auch das in der Bikerszene oft diskutierte Problem, dass ein Kennzeichen nicht an jede Maschine passt, beeindruckt Maurer nicht. »Einfach nur die TÜV-Plakette wechseln, das wäre doch eine Lösung.« Weiterer Vorteil: Das Motorrad könnte auch auf öffentlichen Parkplätzen abgestellt werden. Anhand des Nummernschilds wäre sofort zu erkennen, dass es nicht abgemeldet ist, sondern zu einem Fuhrpark mit Wechselkennzeichen gehört. »Allerdings«, meint Maurer, »sollten die Mehrkosten für Versicherungsprämien und Steuern nicht allzu hoch sein.« Freiheit der Fahrzeugwahl: ja, aber nicht um jeden Preis.Laut Katrin Rüther vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) stellen sich bei der Diskussion um das Wechselkennzeichen noch zu viele Fragen. »Diese Problematik ist bisher innerhalb des GDV noch nicht thematisiert worden und wurde dadurch auch noch nicht erörtert.« Und weiter? »Die momentan gültige Tarifstruktur der Versicherungen sieht die Mehrfachnutzung eines Kennzeichens nicht vor.« Die Statistiker hätten viel Arbeit zu investieren, um ein neues Typenklassenverzeichnis zu berechnen. Fahrzeuge verschiedenster Kategorien müssten bei Einführung des Wechselkennzeichens in einer Mischkalkulation zusammengefasst werden. Doch diese Hausaufgaben seien noch nicht gemacht. Na dann: ran!Motorradler würden dieses Angebot garantiert nutzen. Geht bei vielen doch der Trend zur Zweit- und Drittmaschine. Und zum Oldtimer. Denn wer verscherbelt schon seine Alte für ein paar Euro? Da hängt einfach zu viel dran. Aber eben noch kein Wechselkennzeichen.Was ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Schreiben Sie uns – Kontaktadressen stehen rechts.
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Wechselkennzeichen: Reportage und Info zu Alternativen (Archivversion)

Die drei Alternativen zur regulären Zulassung
Oldtimer-KennzeichenNutzen:Das Oldtimer-Kennzeichen (mit einem »H« für »historisch« als Schlussbuchstabe) ist das ganze Jahr über gültig. Das Fahrzeug kann »ganz normal« bewegt werden.Eine Kombination mit dem Saisonkennzeichen ist nicht möglich.Eine Hauptuntersuchung wird wie üblich fällig – für Auto und Motorrad in der Regel also alle zwei Jahre.Der Jahressteuersatz liegt bei 46 Euro für Motorräder und 191 Euro für alle anderen Fahrzeuge. Um Steuern zu sparen, kann das Kraftfahrzeug vorübergehend stillgelegt werden.Kriterien:Mindestens 30 Jahre muss das Fahrzeug alt sein, damit es das Oldtimer-Kennzeichen bekommt – zudem muss es der »Pflege des Kfz-technischen Kulturguts« dienen.Es besteht Zulassungspflicht (§18 StVZO).Es muss eine gültige Betriebserlaubnis vorliegen (§20/21/21c StVZO).Bevor der Oldtimer auf die Straße darf, muss er noch von einem amtlich anerkannten Sachverständigen auf Originalität begutachtet werden (§21c StvZO).Rotes DauerkennzeichenNutzen:Das rote Dauerkennzeichen bietet sich an, wenn das Schmuckstück vor allem für Oldtimer-Veranstaltungen genutzt werden soll – also für Korsos, Schauen, Rallyes und Clubtreffen. Normale Freizeitfahrten dürfen nicht unternommen werden.Das Kennzeichen gilt auch bei Probe-, Überführungs- oder Prüfungsfahrten oder bei einer Fahrt zur Werkstatt.Ein Motorrad kostet pro Jahr 46 Euro Steuer, andere Fahrzeuge 191 Euro.Großer Vorteil: Mehrere Fahrzeuge können sich das rote Kennzeichen teilen – eine wechselweise Verwendung für mehrere Oldies ist erlaubt.Kriterien:Mindestens 20 Jahre muss der Oldie alt sein, damit er die Chance auf ein rotes Dauerkennzeichen hat. Und er muss »Kfz-technisches Kulturgut« sein.Weder eine amtliche Zulassung noch eine gültige Betriebserlaubnis werden verlangt. Veränderungen am Fahrzeug müssen genehmigt sein. Der Halter ist zudem verpflichtet, für einen verkehrssicheren Zustand des Gefährts zu sorgen.In Zweifelsfällen kann die Kfz-Zulassungsstelle verlangen, dass der Wagen von einem Sachverständigen begutachtet wird (§21 StVZO).Eine Hauptuntersuchung ist bei rotem Dauerkennzeichen nicht vorgeschrieben, sie empfiehlt sich aber auf freiwilliger Basis, damit in Sachen Verkehrssicherheit und bei einem Unfall ein entsprechenden Nachweis vorhanden ist.SaisonkennzeichenNutzen:Wenn das Motorrad nur in den schönsten Monaten des Jahres aus der Garage geholt werden soll, dann ist das Saisonkennzeichen gut geeignet.Das Saisonkennzeichen ist nicht an ein Mindestalter des Gefährts gebunden. Während der Geltungsdauer kann das Fahrzeug nach Belieben eingesetzt werden.Während der »Betriebsruhe« gilt das Fahrzeug nicht als stillgelegt. Vorteil: Das An- und Abmelden erübrigt sich – Kostenersparnis!Die Steuerpflicht bemisst sich nach der Gültigkeit des Kennzeichens.Kriterien:Das Fahrzeug ist regulär zugelassen: Dann kann für mindestens zwei und höchstens elf Monate im Jahr ein Saisonkennzeichen beantragt werden. Zerstückeln geht aber nicht!Generell besteht Zulassungs- und Betriebserlaubnispflicht (§18 bzw. 20/21 StVZO). Ein Sachverständigen-Gutachten kann in folgenden Fällen verlangt werden: Wenn das Gefährt länger als 18 Monate abgemeldet war oder wenn eine in Deutschland gültige Betriebserlaubnis nicht existiert.Während der »Betriebsruhe« darf der Wagen oder das Motorrad nicht auf öffentlichem Grund abgestellt werden.Wenn das Fahrzeug in der »Ruhephase« verkauft wird, dann ist dies der Zulassungsstelle mitzuteilen.Trotz Betriebsruhe: Probe-, Prüfungs- und Überführungsfahrten sind erlaubt, aber nur mit Kurzzeitkennzeichen oder rotem Kennzeichen.Die Hauptuntersuchung wird im selben Rhythmus wie bei normalen Fahrzeugen fällig. Für Auto und Motorrad in der Regel also alle zwei Jahre.Die Hauptuntersuchung fällt in die Winterpause? Dann ist sie nachzuholen, wenn das Kennzeichen wieder in Kraft tritt.Quelle: http://www.tuev-sued.de

Wechselkennzeichen: Reportage und Info zu Alternativen (Archivversion)

Redaktion MOTORRADOliver EbnerLeuschnerstr. 170174 Stuttgartoebner@motorpresse.de

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