Weltrekord Globe of Speed (Archivversion) Kugelsichere Beste

Sechsismus allerorten: Sechs Artisten geben sich die Kugel, sechs Meter hoch, versteht sich, um darin nimmermüde ihre Kreise - 6 x 60 Grad - zu ziehen.

Och, mein Gott«, stöhnte Piotrs Mama, als sie ihren Sohn im heim nach Polen geschickten Video sah. Zitternd beäugte sie, dass Filius nunmehr Motorrad fährt. Kess im Kreisverkehr. Denn Piotr und seine akrobatischen Freunde, die Falcos, haben eine neue Nummer einstudiert: auf Enduros kreuz und quer in ‘ner Kugel, genannt »Globe of Speed«.Jetzt kann Piotr eine neue Kassette, einen Sechsfilm gar, gen Mama expedieren. »Zu sechst in dem Eisending«, grient er, »das haben wir noch nie probiert.« Okay, für den schlimmsten aller Fälle hatten die Fünf, die bisher den Parforceritt im perforierten Rundling wagten, einen Sechsten als Ersatzdrifter trainiert. Weil das für Unruhe in der Truppe sorgt - einer muss draußen bleiben -, machen sie eben das halbe Dutzend voll. Wäre übrigens Weltrekord und ‘nen Vermerk in einem der dämlichsten Druckwerke dieser Welt, dem »Guinness-Buch der Rekorde«, wert.Deshalb stehen, während die Falcos am Nachmittag des 2. Mai in der Kölner Südstadt ihre fünf achtellitrigen Hyosung nebst Suzuki DR 125 checken, die Kabelträger von WDR, RTL, SAT1, Stern TV und Pro Sieben sich mit bewundernswerter Penetranz auf den Füßen rum. Der Medienauftrieb geht den Jungs völlig an den Protektoren vorbei. Piotr und Kumpel Pavel schwelgen lieber. In Erinnerungen. Wie sie damals vor zwei Jahren, als sie beim Zirkus Flicflac (MOTORRAD 11/2000) anheuerten, um formidable menschlichen Pyramiden zu bauen und mit ihren Fliegengewichten nur so um sich zu schmeißen, fünf Typen beneideten. Zu deren Privileg es gehörte, sich allabendlich die Kugel zu geben. Um dann überraschend den Abgang zu machen. Weil Flicflac ein gnadenvoll krawallierender Zirkus ist - eine Rockband lärmt ebenso groovy wie ausdauernd alle Nummern zu - und Motorradler seit Menschengedenken die Vorstellung eröffnen, suchte der um Dramaturgie wie Tradition seines Unternehmens besorgte Herr Direktor subito Ersatz. Und fand willige Falcos. Die erst mal Motorradfahren lernten. Führerschein - Fehlanzeige! Dann nichts wie rein in die Kugel. Üben, üben, üben. Jeden Tag zwei Stunden, mindestens. Anfahren - immer am Berg. optimale Geschwindigkeit finden. 40 km/h sollten’s sein. Sonst geht’s bergab. »Kleine Stürze, kleine Schmerzen.« Piotr memoriert ein neues deutsches Wort: Bluterguss. »Eine Sekunde Reaktionszeit habe ich«, schwört Pavel. Schön, wer solchen Glauben hat. Und ein Credo. Das da heißt: »Immer Gas, Gas, Gas, niemals bremsen.« Langsame Maschinen, die Falcos haben’s erlitten, trudeln ins Nirgendwo ab. 21 Uhr. Vier kurven die obere Kugelhälfte zu, für die Zwei draußen heißt’s jetzt rezent anpacen, Globe entern, nix wie rauf, aber bloß nicht zu hoch hinaus, um die Kreise der anderen zu stören. Klappt. Wie am Schnürchen - und von nun an jeden Tag. Wer Rekorde bricht, muss lernen, damit zu leben. Also ‘nen Siebten für die Kugel zu präparieren.Termine: www.flicflac.de

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