Wenn die Gabel klemmt (Archivversion) Wo klemmt´s denn ?

MOTORRAD zeigt, wie sich mit ein paar Handgriffen Verklemmungen und Verspannungen in der Gabel lösen lassen.

Stuckernd hüpft das Vorderrad über jede Bodenwelle oder Querfuge, ungerührt gibt die Gabel Erschütterungen an die Fahrerhände weiter. Bei hohen Geschwindigkeiten verstärken sich die Probleme noch, das Motorrad beginnt mit lästigem Pendeln oder gar unangenehmem Lenkerschlagen. Der Grund für derart unziemliches Verhalten ist oft eine schlecht ansprechende Gabel. Ein Verdacht läßt sich im Stand leicht überprüfen: Vordere Bremse ziehen und einfach ein paarmal leicht einfedern, darauf achten, ob die Gabel schon auf geringen Druck sensibel reagiert. Für hohe Losbrechkraft und schlechtes Ansprechverhalten können verschiedene Ursachen verantwortlich sein: verspannte, verbogene Bauteile oder schlechte Passungen und Fertigungstoleranzen. Am einfachsten läßt sich eine simple Verspannung beheben (siehe Kasten Seite 187). Das heißt, die Einzelteile der Lenkpartie sind noch in Ordnung sind, stehen aber irgendwie krumm und verdreht zueinander. Wie kommt es dazu? Gabelholme, Steuerrohr, Gabelbrücken und Achse sind miteinander verschraubt und verklemmt. Löst man die Klemmschrauben, lassen sich die Bauteile, also letztlich das Rad gegenüber dem Lenker, gegeneinander verdrehen. Bei genügend großer Gewalteinwirkung - prinzipiell reicht ein harmloser Ausrutscher oder auch ein achtlos überfahrener Bordstein - verdreht sich die Gabel auch bei odnungsgemäß angezogenen Klemmschrauben, denn Rad oder Lenker setzen einen großen Hebel an. Oft tritt die Verspannung aber nicht im Fahrbetrieb auf, sondern infolge einer falschen Montage zum Beispiel nach einem Reifenwechsel. Problematischer ist es, verbogenen Teilen auf die Schliche zu kommen. Ist zum Beispiel die Vorderrad-Achse verbogen, läßt sich die Gabel unter Umständen zwar schön gerade ausrichten, ist im Fahrbetrieb aber schon nach der ersten Bremsung wieder verzogen.Manchmal treten hohe Losbrechkräfte schon bei neuen Gabeln auf. Das deutet auf Fertigungsungenauigkeiten wie zu große Oberflächen-Rauhigkeit an Standrohren oder zu strammen Sitzen für Gleitbuchsen und Simmerringe hin. In solchen Fällen können nur Spezialisten helfen, die Einzelteile der Gabel zu optimieren. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, daß neuen Gabeln wie auch Motoren eine gewisse Einlaufzeit zugestanden werden muß. Machmal verschwindet das schlechte Ansprechen nach einiger Zeit von selbst.

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