Werksangaben (Archivversion) Werte-Verfall

Was der Hersteller verspricht, muss er auch halten – nicht zuletzt rechtlich gesehen. Da bilden Angaben zu Leistung, Höchstgeschwindigkeit oder Verbrauch keine Ausnahme. Wobei in jedem Fall natürlich ein gewisser Toleranzbereich zu berücksichtigen ist.
In den USA reagieren Konsumenten bekanntermaßen besonders empfindlich. Das musste jüngst Yamaha erfahren, die dort offensiv mit den extremen Drehzahlen der neuen YZF-R6 warben. 17500 Umdrehungen versprachen die Japaner lauthals, und der Drehzahlmesser zeigt tatsächlich diesen Wert in der Praxis an. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass die R6 in Wirklichkeit »nur« rund 16000/min schafft (siehe Test in MOTORRAD 2/2006), also etwa neun Prozent unter der Werksangabe bleibt. Eine peinliche Geschichte, nachdem man sich so weit aus dem Fenster gelehnt hatte.
Kürzlich folgte konsequenterweise der freiwillige Rückzieher: Yamaha USA bot allen Käufern einer neuen R6 die Rücknahme der Maschine an, im Gegenzug die Erstattung des vollen Kaufpreises und aller mit dem Kauf zusammenhängenden Kosten. Ob überhaupt und wie viele Käufer von diesem Angebot Gebrauch machten,
ist nicht bekannt. In dem Schreiben, das an alle US-
amerikanischen R6-Kunden ging, entschuldigt sich der Hersteller für den »Fehler«.
Bei der neuen Triumph Daytona 675 klafft ebenfalls eine Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Opti-
mistische 272 km/h zeigte der Tacho der Testmaschine
bei Topspeed. Effektiv waren das aber gerade einmal
250 km/h, also immerhin rund acht Prozent weniger. Mehr ist selbst bei Sturm von hinten nicht drin, weil der Drehzahlbegrenzer bei dieser Geschwindigkeit ein Limit setzt. Da fragt man sich, wie die Engländer auf einen
homologierten Wert von 260 km/h kommen? gt

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote