Werksmaschine von Pit Beirer––––– (Archivversion)

Nobelhobel–––––

Endlich. Deutschlands Edel-Crosser Pit Beirer sitzt in der kommenden WM-Saison auf einer Werks-Honda.

Beaucaire nahe Avignon. Das Zeittraining zum internationalen Moto Cross-Saisonauftakt ist vorüber. Pit Beirer setzt Bestzeit. Obwohl der 25jährige allen Grund zum Strahlen hätte, ist dem Profi-Crosser offensichtlich nicht ganz wohl in seiner Haut. Denn statt seiner vertrauten Betreuer-Crew umringen ihn eine ganze Reihe Fahrwerks- und Motoren-Techniker mit bohrenden Fragen. Wie fühlt sich die neue Vorderradgabel-Abstimmung an? Läßt sich der Motor auch auf der vom Regen schlüpfrigen Piste gut dosieren? Und und und. Obwohl ihm der Schweiß noch in Strömen von der Stirn rinnt, gibt Pit konzentriert Auskunft. Das Los eines Werkspiloten. Für Pit Beirer dennoch die Erfüllung eines Traums. Mit seinem dritten Platz in der letztjährigen 250er Moto Cross-WM hat sich der ehrgeizige Blondschopf neben Weltmeister Stefan Everts das begehrteste Material im Off Road-Zirkus gesichert: eine Werks-Honda. Auch wenn der erste Blick auf den edlen Renner zunächst ernüchternd wirkt. Nur der Karbon-Schalldämpfer und die durch die friktionsarme Titan-Nitrit-Beschichtung golden schimmernden Gabelgleitrohre zeugen vom noblen Status des Beirerschen Untersatzes. Die wahren Werte liegen indes eher im Verborgenen.Denn nachdem moderne Serien-Cross-Maschinen längst für nationale Titelehren und eindrucksvolle WM-Plazierungen gut sind, dürfen die Flitzer von der Stange durchaus als Basis für die neue Generation der Werksmaschinen dienen. Statt Revolution eine Evolution, welche die Rolle des Fahrers als wichtigstes Element auf der Suche nach dem Erfolg anerkennt - und die Technik an dessen Bedürfnissen ausrichtet. Was für den frischgebackenen Werksfahrer aus Ludwigshafen derzeit im wesentlichen eins bedeutet: Testen, testen und nochmals testen. Denn die Auswahl an Teilen, welche die Ingenieure der Honda Racing Corporation samt Federungsspezialist Showa für den Deutschen mitgebracht haben, ist gigantisch. Bereits die Variationsmöglichkeiten der Vorderradgabel-Position grenzt an technischen Overkill. Mit entsprechenden Lagerschalen im Lenkkopf kann allein der Lenkwinkel in Schritten von 0,25 Grad um insgesamt ein Grad variiert werden. Drei verschiedene Gabelbrücken ändern den Gabelversatz und damit das Lenkverhalten des Motorrades, zusätzlich läßt sich der Lenker in drei verschiedenen Stellungen auf der oberen Gabelbrücke montieren. Das selbe gilt für Schalthebel, Fußbremshebel oder die übrigens aus Titan hergestellten Fußrasten samt Lenkerarmaturen - alles liegt zumindest in dreifacher Ausfertigung bei denen sich Länge, Anbaulage oder Kröpfung jeweils unterscheiden in den Transportkisten. Selbst beim Alu-Rahmenheck werden zwei Varianten für eine Sitzposition nach Wahl angeboten.Waschechte Einzelanfertigungen liefert auch Showa. Gabel und Federbein werden mit höchster Präzision handgefertigt. Von deren Ansprech- und Durchschlageverhalten dürfen Hobby-Crosser nicht mal träumen. Erst recht nicht von deren penibler Abstimmung. Wenigstens sechs Tage mit insgesamt gut 30 Demontagen dauert es, bis das richtige Set-up für die fünf Werksgabeln und ebensovieler Monoshocks endlich ausgetüftelt ist. Überraschend wenige Änderungen am Motor. Eine leichtere Kurbelwelle, eine Zündanlage, die höhere Drehzahlreserven verleihen soll und ein handbearbeiteter Zylinder reichen für mehr Power. Im Gegenteil. Zum Starten dient auf schlüpfrigem Untergrund eine per Drucktaste am Lenker einschaltbare Traktionskontrolle, die über die Änderung des Zündzeitpunkts übermäßiges Durchdrehen des Hinterrads verhindern soll. Beim ersten Herunterschalten vor der Startkurve deaktiviert ein Sensor an der Schaltwalze das System automatisch.Die Summe der Verbesserungen spürt Pit Beirer bereits. »Bislang erschien es mir nicht vorstellbar, daß sich mit so vielen Detailänderungen quasi ein völlig verwandeltes Motorrad auf die Räder stellen läßt. Federung und Lenkpräzision sind jetzt schon so überragend, daß ich meine gewohnten fahrerischen Grenzbereiche einfach neu nach oben justieren muß«, sprachs und holte sich in Beaucaire Platz zwei - übrigens einen Rang vor Titelverteidiger Stefan Everts.
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Wo gehobelt wird, fallen Späne––––– (Archivversion) - Soviel Material verbraucht Pit Beirer pro Saison–––––

Moto Cross ist ein hartes Geschäft. Schlaglöcher, schmirgelnder Dreck und vor allem die harten Landungen nach den gigantischen Sprüngen moderner Pisten setzen Mensch und Material gewaltig zu. Obwohl aktuelle Cross-Maschinen gehörig Schläge wegstecken können, gehen Profi-Piloten wie Pit Beirer auf Nummer sicher. Um das Ausfallrisiko zu minimieren, wandert so manches Teil auf den Müll.100 Hinterradreifen50 Vorderradreifen30 Kolben30 Ketten30 Satz Kettenräder20 Satz Kunststoffteile (Kotflügel, Seitenverkleidungen)20 Satz Kupplungsbeläge20 Satz Bremsbeläge15 Räder15 Auspuffanlagen7 Kurbelwellen6 Rahmen

Moto Cross Beaucaire/Frankreich––––– (Archivversion) - Neues vom Saisonauftakt–––––

Längst gilt das Moto Cross im südfranzösischen Beaucaire als der Auftakt zur internationalen Moto Cross-Saison schlechthin. Also, was gibt´s Neues von der Stollen-High society?Viertakt-YamahaNach erfolgreichem WM-Einstand im letzten Jahr hat Yamaha die Werks-YZ 400 F? weiterentwickelt. Auffälligste Änderungen: Eine Upside-down-Gabel von Öhlins, Monocoque-Rahmenheck aus Carbon und Tank aus Carbon-Kevlar-Mix. Mehr Leistung im unteren Drehzahlbereich durch eine, auch bei den Yamaha-Straßenmaschinen verwendete Drosselklappe im Auspuff, das sogenannte Exup-System. Wahl der Leistungscharakteristik durch insgesamt sieben, vom Piloten manuell wählbare Kennlinien der Zündung.Nicoll hört aufBei einem Trainingssturz zog sich KTM-Werksfahrer Kurt Nicoll einen sechsfachen Ellbogenbruch zu. Da die Genesung mindestens sechs Monate in Anspruch nehmen wird, entschloß sich der 34jährige Brite, seine Karriere zu beenden. Nicoll wird der Stollenszene als Testfahrer von KTM jedoch erhalten bleiben.Everts rauchtIn Zeiten, in denen sich die Sponsoren aus der Tabakbranche zusehends aus dem Motorradsport verabschieden, darf sich Weltmeister Stefan Everts über einen Neuzugang freuen. Das Team um den 25jährigen Belgier wird 1998 von der Zigarettenmarke L&M unterstützt. Gesamtergebnis nach drei Läufen:1. Joel Smets (B) Husaberg (Platz 3, Platz 1, Platz 3), 2. Pit Beirer (D) Honda (5, 2, 1), 3. Stefan Everts (B) Honda (4, 6, 6).

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