Werkstatt-Test 1999: Kawasaki (Archivversion)

Alles wird gut

Einige Wehwehchen plagen noch, aber das Schlimmste hat der Patient offensichtlich überstanden, so das Ergebnis der Visite von Kawasaki-Werkstätten. Weitere Rehabilitations-Maßnahmen scheinen aber ratsam.

Entlarvt? Das war der erste Gedanke bei der Auswertung der Prüfprotokolle durch die DEKRA. Viermal »gut«, einmal »sehr gut«, damit hätte Kawasaki nach eher dürftigen Leistungen in der Vergangenheit in der diesjährigen Runde ein Spitzenergebnis erzielt - würde nicht ein negativer Ausrutscher den Schnitt senken. Doch die genauere Analyse schloß aus, daß die Kawasaki-Händler Wind vom MOTORRAD-Werkstatt-Test bekommen hatten. Jede der vier guten Werkstätten übersah gravierende oder offensichtliche Fehler, die einer zuvor getesteten Niederlassung schon aufgefallen waren. Wäre die Händlerschaft vorgewarnt gewesen, wäre derartiges kaum passiert.Die Kawasaki-Händler der Testrunde arbeiteten also tatsächlich relativ sorgfältig, von einer unrühmlichen Ausnahme abgesehen. Die groben Mängel wurden fast immer zuverlässig behoben, trotzdem sind viele kleine Nachlässigkeiten ärgerlich. So wurde des öfteren der Reifenluftdruck nicht überprüft, nur zwei Mechaniker arbeiteten hier ganz korrekt. Der grotesk verdrehte Scheinwerfer fiel viermal überhaupt nicht auf, ebenso der lose Spritzschutz am Hinterrad. Bei der Preisgestaltung gab es keine großen Differenzen, offensichtlich orientierten sich die Werkstätten stark an den vorgegebenen Richtzeiten. Zwischen 488 und 639 Mark wechselten für eine Inspektion den Besitzer, wobei für die beste Leistung am wenigsten verlangt wurde. Erfreulich ist, daß hier nach oben kein Ausreißer zu vermelden ist. Ärgerlich sind hier ebenfalls die Kleinigkeiten, die erst beim genauerem Studium der Rechnungen auffallen. Motorrad Huster und Zweirad Domian etwa berechneten für den Ölwechsel 3,5 Liter, obwohl nur drei benötigt werden. Beide Werkstätten tauschten zudem die intakte Ventildeckeldichtung, Preis: jedesmal über 80 Mark.
Anzeige

Die Mängel am Testmotorrad (Archivversion)

Alle Kawasaki-Mechaniker bekamen den gleichen Auftrag. Sie hatten an einer ER-5, Baujahr 1997, den bei Kilometerstand 24000 fälligen großen Kundendienst durchzuführen. Zuvor wurde die Kawasaki bei einer DEKRA-Niederlassung jeweils mit exakt den gleichen Mängeln präpariert, die ein Mechaniker, der nach Wartungsplan arbeitet und etwas Sorgfalt walten läßt, zwangsläufig finden muß.Außerdem war das rechte hintere Blinkerglas zu ersetzen, um die Ersatzteilversorgung des jeweiligen Händlers zu prüfen. Der Inspektionspreis wurde nicht bewertet, da es regional starke Unterschiede bei den Stundenlöhnen gibt. Die angegebenen Preise beziehen sich nur auf die Inspektion. Zusätzliche Arbeiten wurden herausgerechnet, damit die Preise vergleichbar bleiben. Folgende Fehler waren zu finden:Bremssattel vorn: Die untere Schraube am Bremssattel war gelockert. Beim vorschriftsmäßigen Check sicherheitsrelevanter Schraubverbindungen muß dieser Mangel entdeckt werden.Bremslichtschalter: Die Feder am Bremslichtschalter der Fußbremse war ausgehängt. Ohne funktionierendes Bremslicht besteht erhöhte Gefahr, in einen Auffahrunfall verwickelt zu werden.Lenkkopflager: Die Einstellmutter des Lenkkopflagers wurde viel zu stramm angezogen, so daß das Lager regelrecht klemmte. Dadurch kommt es zu Fahrwerksunruhen und äußerst problematischem Kurvenverhalten, außerdem wird das Lager binnen kurzer Zeit zerstört.Zugstrebe Hinterradbremse: Die Verschraubung zwischen der hinteren Bremstrommel und dem Bremsanker wurde gelöst, der Sicherungssplint entfernt. Geht die Schraube verloren, kann das Hinterrad blockieren.Reifenluftdruck: Der Druck in den Pneus war weit unter die Toleranzgrenze abgesenkt. Dadurch verschlechtert sich die Fahrstabilität dramatisch, auch Unfälle durch Laufflächenablösung können die Folge sein.Scheinwerfereinstellung: Der Scheinwerfer strahlte weit in Richtung Gegenfahrbahn und nach oben. Der Gegenverkehr wird geblendet, die Sicht bei Nachtfahrten ist stark eingeschränkt.Tachobeleuchtung: Die Lämpchen im Tachometer waren defekt. Bei Dunkelheit ist die Fahrgeschwindigkeit kaum abzulesen. Krümmerschrauben: Die Schrauben am Flansch des linken Krümmers waren lose. Im Rahmen des großen Kundendiensts muß dieser Mangel auffallen, bei einer Probefahrt ist er sogar hörbar.Zündkerzen: Der Zustand der Zündkerzen war schlecht, bei einer Kerze wich der Elektrodenabstand stark vom vorgeschriebenen Wert ab. Das führt zu unsauberem Motorlauf und erschwertem Anspringen.Kupplungsspiel: Das Spiel am Kupplungshebel wurde auf Null reduziert. Bereits beim Anfahren ist zu merken, daß der Hebel keinen Leerweg hat. Im Fahrbetrieb kann die Kupplung schleifen, es kommt zu übermäßigem Verschleiß.Spritzschutz hinten: Die rechte Schraube fehlte, die linke war gelöst. Das Verlängerungsteil am hinteren Kotflügel kann abfallen.Öl-/Filterwechsel: In den Motor wurde vor jedem Werkstattbesuch altes Öl eingefüllt, der Ölstand war außerhalb des Toleranzbereichs. Die Tester prüften, ob das Öl gewechselt wurde und ob die Werkstatt die korrekte Menge eingefüllt hatte. Auch der bei der Inspektion vorgeschriebene Wechsel des Ölfilters wurde geprüft.

Zusatzauftrag––––– (Archivversion)

Beim Zusatzauftrag beschreiben die Tester ein bestimmtes Symptom und beauftragen die Werkstatt mit der Ursachenforschung. Bei der Kawasaki hatte ein Stecker zum elektrischen Lüftermotor einen Wackelkontakt. Der Motor läuft bei hohen Wassertemperaturen, etwa im Ampelstau, nicht an, das Kühlwasser wird zu heiß. Die Folge kann ein Schaden im Motor sein, etwa an der Zylinderkopfdichtung. Die Tester gaben bei der Fahrzeugabgabe an, daß das Warnlämpchen manchmal aufleuchtet. Theoretisch sind dafür viele Ursachen möglich. Etwa ein defekter Thermostat, zu wenig Flüssigkeit im Kühlmittelkreislauf, womöglich durch ein Leck im Kühler. Für eine unkorrekte Werkstatt eine gute Gelegenheit, durch die Berechnung überflüssiger Arbeiten oder unnötiger Ersatzteile zusätzlich Geld zu kassieren.

Werkstatt-Test: Kawasaki (Archivversion) - Bewertung der Werkstätten

0
MOTORRAD hatte die Test-Kawasaki mit zwölf Fehlern präpariert, die im Rahmen eines nach Herstellervorschrift durchgeführten Kundendiensts hätten auffallen müssen. Der Wartungsplan führt natürlich noch eine Reihe weiterer Arbeiten auf, diese flossen aber nicht in die Bewertung ein.Da viele Mängel erst beim Fahren entdeckt werden können, achteten die Tester auch darauf, ob eine ausreichend lange Probefahrt durchgeführt wurde. Ab einer Fahrstrecke von vier Kilometern gab es die maximale Punktzahl. Und um die Ersatzteilversorgung zu prüfen, wurde jeweils vier Tage vor dem Kundendiensttermin ein Blinkerglas bestellt. Auch die Termintreue bewertete MOTORRAD. Zeitüberschreitungen ergaben Punktabzüge. Übersehene, sicherheitsrelevante Mängel müssen stärker auf das Ergebnis durchschlagen. Das führt zu folgendem Bewertungsschema:ZusatzauftragTemperatzuranzeige 20 PunkteSicherheitsrelevante MängelBremssattelschrauben 20 PunkteBremslichtschalter 20 PunkteLenkkopflager 20 PunkteZugstrebe Hinterradbremse 20 PunkteReifenluftdruck 20 PunktePotentiell riskante MängelTachobeleuchtung 10 PunkteScheinwerfereinstellung 10 PunkteWeitere MängelKrümmerschrauben 5 PunkteZündkerzen 5 PunkteKupplunsspiel 5 PunkteSpritzschutz hinten 5 PunkteÖl-/Filterwechsel 5 PunkteZusätzliche BewertungskriterienProbefahrt 20 PunkteTerminverläßlichkeit 10 PunkteErsatzteilversorgung (Blinkerglas) 5 PunkteErreichbare Gesamtpunktzahl: 200 PunkteEine Werkstatt, die einen sicherheitsrelevanten Mangel übersieht, kann maximal 180 Punke und damit kein »sehr gut« mehr erreichen. Andererseits sollte eine Werkstatt als ungenügend bewertet werden, wenn die Mechaniker zwar die sicherheitsrelevanten Mängel entdeckten, die weniger gefährlichen jedoch allesamt übersahen, keine Probefahrt machten und obendrein den abgesprochenen Termin nicht einhielten. So ergibt sich folgendes Benotungsschema. bis 100 Punkte: ungenügend101 bis 120 Punkte mangelhaft121 bis 140 Punkte ausreichend141 bis 160 Punkte befriedigend161 bis 180 Punkte gut181 bis 200 Punkte sehr gutWie repräsentativ ist der Werkstatt-Test?Das Bewertungsschema ist von der Redaktion festgelegt. Es dient zur Beurteilung des Händlers im geschilderten Einzelfall. Eine generelle Aussage darüber, ob dieser Händler bei anderen Kundendienstaufträgen ebenso gut oder schlecht arbeitet, läßt ein stichprobenartiger Test nicht zu. Ebensowenig kann von den Leistungen einzelner Werkstätten auf die Qualität des gesamten Service-Netzes geschlossen werden. Dennoch: Für nicht behobene sicherheitsrelevante Mängel gibt es keine Entschuldigung.

Tip––––– (Archivversion) - Kontrolle ist besser–––––

Oft ist es so, daß jemand sein Motorrad zum Kundendienst bringt und schon vorher weiß, daß bestimmte Arbeiten gemacht werden müssen. Vielleicht ist irgendein Lämpchen kaputt, das Spiel am Kupplungshebel stimmt nicht mehr, oder beim Bremsen knackt es immer im Lenkkopf. Checken Sie Ihr Motorrad vor dem Termin so gut Sie können selbst durch und notieren Sie, was Ihnen alles auffällt. Der Werkstatt sollten diese Punkte bei der Fahrzeugübergabe mitgeteilt werden, das spart oft Zeit und somit Geld.Bei der Abholung kontrollieren Sie zunächst, ob alle genannten Mängel behoben wurden. Wer gleich vor Ort oder nach einer kurzen Probefahrt reklamieren kann, hat die größten Chancen, daß die Werkstatt unbürokratisch nachbessert. Wer Wochen später reklamiert, hat in jedem Fall schlechtere Karten.

Kommentar––––– (Archivversion) - Kleinvieh macht auch Mist–––––

Zwar fallen die Inspektionspreise in dieser Runde recht homogen aus, bei näherer Betrachtung finden sich aber im Detail interessante Unterschiede in der Zusammensetzung. So kostete etwa der Liter Öl bei den getesteten Kawasaki-Werkstätten zwischen 11,96 Mark (Schnock) und 19,16 Mark (Eder), für eine Zündkerze wurden zwischen 7,15 Mark (Schnock) und 15,59 Mark (Huster) fällig, beim Ölfilter lag die Spanne zwischen 13,96 Mark (Popko) und 19,23 Mark (Eder). Domian und Huster berechneten zudem 3,4 beziehungsweise 3,5 Liter Motoröl, bei den vier anderen begnügte sich das Kawasaki-Triebwerk mit drei Litern. Drei Werkstätten betrachten »Fette, Dichtmittel, Kleinmaterialien« als laufende Betriebskosten einer Werkstatt und berechnen dies daher nicht extra. Bei Matthes, Popko und Domian taucht der Posten jedoch mit 3,90 bis 6,96 Mark auf der Rechnung auf. Domian verlangt happige 4,95 Mark für Kettenspray, das zudem wegen der gut gefetteten Kette überflüssig war. Matthes in Tuttlingen schießt den Vogel ab: Für »Reststoff-Entsorgung« verlangen die reinlichen Schwaben vier Mark extra. Womöglich müssen wir eines Tages auch »Werkstatt fegen, anteilig« oder »Druckkosten der Rechnung« bezahlen, so wir eine haben wollen. Kleinvieh macht halt auch Mist.

Motorrad Huster 08124 Cainsdorf––––– (Archivversion) - Stramme Sache–––––

Fehler Punkte
Bremssattel vorn 20
Bremslichtschalter 20
Lenkkopflager 0
Zugstange Hinterradbremse 0
Temperaturanzeige 0
Probefahrt 5
Reifenluftdruck 20
Scheinwerfereinstellung 0
Tachobeleuchtung 10
Terminverläßlichkeit 10
Krümmerschrauben 5
Zündkerzen 5
Kupplungsspiel 5
Spritzschutz hinten 0
Öl-/Filterwechsel 5
Blinkerglas 5

Summe 105

mangelhaft
Mitten in einer Wohnsiedlung am Rand von Zwickau findet sich das Auto- und Motorradhaus Huster, eine Kawasaki- und Daihatsu-Werkstatt. Der Herr im Büro nimmt den Auftrag für den nächsten Tag an und kommt mit raus, um das Motorrad anzuschauen - eher ein flüchtiger Blick. Am nächsten Morgen klingelt beim Tester bereits früh das Telefon. »Ihr rechter Heizgriff ist kaputt, sollen wir das im Rahmen der Inspektion auch gleich machen?« Der ER-5-Fahrer lehnt ab. Am nächsten Tag kann er sein Motorrad abholen. Er wird zum Kundendienstleiter geschickt, dieser geht mit ihm zum Motorrad. Einsam steht die Kawa in der kleinen Werkstatt auf der Hebebühne. »Den Lenker haben wir etwas hochgedreht, den Heizgriff gelötet, und außerdem war die Tacholampe kaputt und das Lenkkopflager zu stramm«, erklärt er. »Und die Ventildeckeldichtung mußte ersetzt werden, leider kostet die 86 Mark.«Ob der Tausch nötig war, sei dahingestellt, die Werkstatt, in der die Kawasaki vorher war, befand die Dichtung jedenfalls noch für gut. Das stramme Lenkkopflager, das der Kundendienstleiter angesprochen hatte, wurde nicht justiert. Auch sonst arbeitete die Werkstatt sehr nachlässig. Der Spritzschutz, die Bremsstrebe und die Krümmerschrauben waren nach der Inspektion noch lose, der Lüftermotor funktionierte nicht, und der Scheinwerfer war nicht ausgerichtet. Ob dem Mechaniker wohl eine längere Probefahrt als die ermittelten 900 Meter geholfen hätte?

Zweirad Domian 19234 Wittenburg––––– (Archivversion) - Falsches Spiel–––––

Fehler Punkte
Bremssattel vorn 20
Bremslichtschalter 20
Lenkkopflager 20
Zugstange Hinterradbremse 20
Temperaturanzeige 20
Probefahrt 20
Reifenluftdruck 5
Scheinwerfereinstellung 0
Tachobeleuchtung 10
Terminverläßlichkeit 10
Krümmerschrauben 0
Zündkerzen 5
Kupplungsspiel 5
Spritzschutz hinten 5
Öl-/Filterwechsel 5
Blinkerglas 5

Summe 170

gut
Auf eine Eingangsbesichtigung der ER-5 verzichtet der Kawa-Laden im Wittenburger Industriegebiet, und sehr kommunikativ ist man auch nicht. Nur mit Mühe kann der Tester dem Mitarbeiter des Ladens ein paar Worte entlocken. Auf die Leistung wirkt sich die mangelnde Gesprächsbereitschaft jedoch nicht aus, es reicht am Ende immerhin zu einer guten Bewertung. Lediglich den verstellten Scheinwerfer und die losen Krümmerschrauben übersah die Werkstatt, außerdem wurden die Reifen nur halbherzig aufgepumpt. Doch leider trübt ein Punkt das passable Bild, der zum Inspektionsumfang, allerdings nicht zum Testprogramm gehört und daher nicht in die Bewertung einfließen kann. Bereits beim ersten Anlassen registrierte der Tester, daß die kleine Kawa ungesund klang. Während der kurzen Fahrt zum Transporter klapperte der Motor herzerweichend. Unglaublich, daß den Mechanikern während der Probefahrt nichts aufgefallen war. Beim DEKRA-Check fand sich schnell die Ursache für die beängstigenden Geräusche. An einem Einlaßventile hatte die Werkstatt ein Spiel von über einem halben Millimeter eingestellt.Der Inspektionspreis lag im üblichen Rahmen - obwohl unnötigerweise die noch nagelneue Ventildeckeldichtung (Preis immerhin 81,55 Mark) gewechselt wurde. Daß die Rechnung zudem den Posten »Kettenspray« mit 4,95 Mark aufführt, riecht vollends nach Geldmacherei: Die Kette war nagelneu und dick geschmiert.

Popko Motorradsport 38122 Braunschweig––––– (Archivversion) - Ob das geht ?–––––

Fehler Punkte
Bremssattel vorn 20
Bremslichtschalter 20
Lenkkopflager 20
Zugstange Hinterradbremse 20
Temperaturanzeige 20
Probefahrt 20
Reifenluftdruck 0
Scheinwerfereinstellung 0
Tachobeleuchtung 10
Terminverläßlichkeit 10
Krümmerschrauben 5
Zündkerzen 5
Kupplungsspiel 5
Spritzschutz hinten 0
Öl-/Filterwechsel 5
Blinkerglas 3

Summe 163

gut
Die Atmosphäre in dem Braunschweiger Laden wirkt sympathisch. Zwischen den Neumaschinen wuselt friedlich ein großer Hund auf der Jagd nach seinem Bällchen herum. Die nette Dame hinterm Tresen weckt mit ihrem Kommentar zum Zusatzauftrag allerdings zunächst wenig Vertrauen in die Werkstattleistung: »Ja, mit Ihrer Temperaturanzeige - ich weiß nicht. Da muß ich unsere Jungs erst mal fragen, ob die das jetzt im Winter überhaupt rauskriegen.« Immerhin macht sie sich auf dem Auftragszettel entsprechende Notitzen.Bei der Fahrzeugabholung steht der Chef selbst hinterm Tresen. Man redet über das Wetter: »Früher bin ich im Winter auch immer gefahren. Ja, man wird doch bequem«, sinniert er und kommt schließlich zum Thema. »Unser Mechaniker fährt gleich das Motorrad auf den Hof. Der kann Ihnen genauer sagen, was alles gemacht wurde.«Dessen Aufzählung klingt vielversprechend: »Am Bremssattel vorn war eine Schraube lose, das Lenkkopflager zu stramm und die Tachobeleuchtung kaputt.« Und die Ursache der zu hohen Kühlwassertemperatur hat er trotz winterlicher Temperaturen gefunden. Den verstellten Scheinwerfer und die lose Spritzschutzverlängerung übersah er allerdings. Zwei weitere Nachlässigkeiten fielen beim DEKRA-Check auf: Der Druck in den Pneus war immer noch zu niedrig, und eine der beiden Befestigungsschrauben des erneuerten Blinkerglases war viel zu kurz.

Schnock Motorradsport 59494 Soest––––– (Archivversion) - Advent, Advent ...–––––

Fehler Punkte
Bremssattel vorn 20
Bremslichtschalter 20
Lenkkopflager 20
Zugstange Hinterradbremse 20
Temperaturanzeige 20
Probefahrt 20
Reifenluftdruck 10
Scheinwerfereinstellung 0
Tachobeleuchtung 0
Terminverläßlichkeit 10
Krümmerschrauben 5
Zündkerzen 5
Kupplungsspiel 5
Spritzschutz hinten 0
Öl-/Filterwechsel 5
Blinkerglas 5

Summe 165

gut
Es weihnachtet sehr, als MOTORRAD mit der schwarzen ER-5 im westfälischen Soest auftaucht. Wider Erwarten hat der Weihnachtsrummel auch auf die Kawasaki-Niederlassung übergegriffen. »Die Leute haben jetzt alle viel Zeit. Und da sind nicht wenige, die jetzt schon nach ihrem neuen Modell für die nächste Saison suchen. Sehr viele gucken aber einfach nur beim Zubehör, die suchen ganz normal ihre Weihnachtsgeschenke zusammen«, erklärt der Schnock-Mitarbeiter dem Twister-Fahrer die rege Geschäftigkeit im Verkaufsraum.Trotz der allgemeinen Hektik arbeitete die Werkstatt aber gründlich. Daß sich der ursprünglich vereinbarte Abholtermin ins neue Jahr verschiebt, liegt nicht an der Werkstatt. Das Testmotorrad bekam nämlich im Rahmen der Inspektion auf Kulanz von Kawasaki Deutschland einen neuen Tank verpaßt, der alte barg die Gefahr des Überlaufens. Als der ER-5-Fahrer schließlich wieder bei Schnock in der Werkstatt steht und sich mit dem Mechaniker unterhält, wird schnell klar, daß dieser wohl fast alle Fehler beseitigt haben muß.Lediglich den Check der Beleuchtungseinrichtung des Motorrads hat er offensichtlich vergessen. Der Scheinwerfer ist nach wie vor falsch eingestellt, und im Tacho brennt nach dem Werkstattbesuch auch noch kein Lämpchen. Zudem wurde der Reifenluftdruck zwar erhöht, aber nicht ausreichend. Und der hintere Spritzschutz wackelte immer noch fröhlich vor sich hin.

Motorrad Matthes 78532 Tuttlingen––––– (Archivversion) - Etwas tuttelig–––––

Fehler Punkte
Bremssattel vorn 20
Bremslichtschalter 20
Lenkkopflager 20
Zugstange Hinterradbremse 20
Temperaturanzeige 0
Probefahrt 15
Reifenluftdruck 20
Scheinwerfereinstellung 10
Tachobeleuchtung 0
Terminverläßlichkeit 10
Krümmerschrauben 5
Zündkerzen 5
Kupplungsspiel 5
Spritzschutz hinten 5
Öl-/Filterwechsel 5
Blinkerglas 5

Summe 165

gut
Nichts ist unmöglich, so lehrt ein Besuch bei Motorrad Matthes: Kawasaki und Harley-Davidson einträchtig unter einem Dach vereint - im schwäbischen Tuttlingen offensichtlich kein Problem. Allerdings sehen sich die Chopper beider Marken, die im Eingangsbereich des Ladens stehen, ohnehin recht ähnlich. Der Fahrer der schwarzen ER-5 muß zunächst eine Weile warten, bis er an die Reihe kommt. Der Papierkram ist dann schnell erledigt, die Fahrzeugübergabe gestaltet sich erfreulich. Der Mechaniker geht gleich mit dem Kunden nach draußen, um das Motorrad durchzuchecken. Ein Blick auf Kette, Reifen, Bremsklötze: »Alles klar, sieht gut aus.« Nach dem Hinweis auf die mitunter erhöhte Kühlmitteltemperatur schaut er kurz nach dem Vorratsbehälter. »Okay, bis morgen ist sie fertig«, verspricht er und hält dies dann auch tatsächlich ein. Und obwohl die Probefahrt etwas knapp ausfiel, wurden fast alle Mängel gefunden. Das bei Dunkelheit unsichtbare Zifferblatt des Tachos fiel allerdings nicht auf, und auch bei der manchmal zu hohen Kühlmitteltemperatur war der Mechaniker etwas oberflächlich: »Wir haben sie mal laufen lassen«, erfährt der Twister-Fahrer, »da war alles okay. Es war ein bißchen zu wenig Kühlmittel drin, das haben wir aufgefüllt. Achten Sie mal drauf, wenn es wieder wärmer ist, jetzt dürfte eigentlich alles in Ordnung sein.“

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote