Werkstatt-Test: BMW (Archivversion) Die Mängel am Testmotorrad

Der Auftrag für die BMW-Mechaniker war stets gleich: Sie hatten an einer F 650, Baujahr 1994, Kilometerstand knapp unter 10000, den fälligen großen Kundendienst durchzuführen. Zuvor wurde die BMW bei einer DEKRA-Niederlassung jeweils mit exakt den gleichen Mängel präpariert, die ein Mechaniker, der nach Wartungsplan arbeitet und etwas Sorgfalt walten läßt, zwangsläufig finden muß.Ein Novum gegenüber früheren Werkstatt-Tests ist der sogenannte »Zusatzauftrag«. Bei einer normalen Inspektion ist der dazu installierte Fehler nicht unbedingt zu finden, deshalb schilderten die Tester bei der Fahrzeugabgabe grob bestimmte Symptome, deren Ursache gefunden werden sollte. Außerdem war das rechte hintere Blinkerglas zu ersetzen, um die Ersatzteilversorgung des jeweiligen Händlers zu prüfen. Der Inspektionspreis wurde nicht bewertet, da es regional starke Unterschiede bei den Stundenlöhnen gibt. Die angegebenen Preise beziehen sich nur auf die Inspektion. Zusätzliche Arbeiten wurden herausgerechnet, damit die Preise vergleichbar bleiben. Folgende Fehler waren zu finden:Bremsflüssigkeit: Der Flüssigkeitsstand im vorderen Hydraulikbehälter wurde bis unter die Minimum-Markierung abgesenkt. Der Boden des Bremsflüssigkeitsbehälters war nur noch wenige Millimeter hoch bedeckt. Im Extremfall kann es zum völligen Versagen der Bremse kommen. Bremslichtlampe: Die Glühwendel in der Lampe waren durchgebrannt. Wenn das Bremslicht nicht funktioniert, besteht erhöhte Gefahr, in einen Auffallunfall verwickelt zu werden.Vorderachsklemmung: Zwei Klemmschrauben an der Vorderachse wurden gelöst. Sicherheitsrelevante Schraubverbindungen müssen überprüft werden.Lenkkopflager: Die Kontermutter des Lenkkopflagers wurde viel zu stramm angezogen, so daß das Lager regelrecht klemmte. Dadurch kommt es zu Fahrwerksunruhen und äußerst problematischem Kurvenverhalten, außerdem wird das Lager in kurzer Zeit zerstört.Kettenspannung: Die Kette wurde viel zu stark gespannt, der Durchhang im belasteten Zustand war gleich Null. Im Fahrbetrieb werden Getriebeausgangs- und Radlager extrem stark belastet. Ein Riß der Antriebskette ist nicht auszuschließen. Ventilspiel: Bei einem Auslaßventil des Motors wurde das Ventilspiel auf nahezu Null reduziert. Zu enges Ventilspiel kann zu einem kapitalen Motorschaden führen.Krümmerschrauben: Die Schrauben am Auslaßflansch des linken Krümmers waren locker. Im Rahmen des großen Kundendienstes muß dieser Mangel auffallen, bei einer Probefahrt ist er sogar hörbar.Zündkerzen: Der Zustand der Zündkerzen war schlecht, bei einer Kerze wich der Elektrodenabstand stark vom vorgeschriebenen Wert ab. Das führt zu unsauberem Motorlauf und erschwertem Anspringen.Batteriesäure: Der Säurestand in der Batterie wurde in einer Zelle bis unter die Minimum-Marke abgesenkt. Normalerweise sollte der Flüssigkeitsstand jeden Monat kontrolliert werden, im Rahmen einer Inspektion aber auf jeden Fall.Kupplungsspiel: Das Spiel am Kupplungshebel wurde auf Null reduziert. Bereits beim Anfahren ist zu merken, daß der Hebel keinen Leerweg hat. Im Fahrbetrieb kann die Kupplung schleifen, es kommt zu übermäßigem Verschleiß.Öl-/Filterwechsel: In den Motor wurde vor jedem Test altes Öl eingefüllt, der Ölstand war außerhalb des Toleranzbereichs. Die Tester prüften, ob das Öl gewechselt wurde und ob die Werkstatt die korrekte Menge eingefüllt hatte. Auch der vorgeschriebene Wechsel des Ölfilters wurde geprüft.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote