Werkstatt-Test: BMW (Archivversion) Mit diesen Mängeln war die BMW präpariert

Alle BMW-Händler hatten die gleiche Vorgabe: An der Testmaschine, einer BMW K 75 vom Baujahr 1987, war eine 45 000-Kilometer-Inspektion zu machen. Außerdem sollte der beschädigte Rückspiegel ausgewechselt werden, um die Ersatzteilversorgung zu testen. Kein Hexenwerk, sondern Routinearbeit. Wer den Wartungsplan nicht aus den Augen verlor und etwas Sorgfalt walten ließ, hatte also alle Chancen, ein »sehr gutes” Testurteil zu erreichen. Die Preiswürdigkeit wurde nicht bewertet, da es regional starke Unterschiede in den Stundenlöhnen gibt. Zur Kontrolle der Kundendienstarbeiten hatte ein DEKRA-Ingenieur der BMW K 75 folgende Fehler eingebaut: Bremsflüssigkeit: Der Flüssigkeitsstand im vorderen Hydraulikbehälter wurde bis unter die Minimum-Marke abgesenkt. Der Boden des Bremsflüssigkeitsbehälters war nur noch wenige Millimeter hoch bedeckt. Ein gefährliches Bremsversagen kann die Folge sein.Bremslicht: Die Glühlampe wurde durch ein defektes Exemplar ersetzt. Wenn das Bremslicht nicht funktioniert, steigt die Gefahr eines Auffahrunfalls erheblich.Reifenluftdruck: Der Luftdruck in den Pneus wurde auf Werte weit unter der Toleranzgrenze abgesenkt. Dadurch verschlechtert sich die Fahrstabilität der Maschine dramatisch. Auch Laufflächenablösungen können die Folge sein.Lenkkopflager: Die Kontermutter des Lenkkopflagers wurde so stark angezogen, daß das Lager kein Spiel mehr hatte. Dadurch kann es zu Fahrwerksunruhen und problematischem Kurvenverhalten kommen. Das Lager wird zudem sehr hoch belastet.Vorderachsschrauben: An der Vorderachse wurden beide linken Klemmschrauben gelöst. Bei der Kontrolle aller sicherheitsrelevanten Schraubverbindungen müßte dieser Mangel entdeckt werden.Scheinwerfereinstellung: Der Scheinwerfer wurde total verstellt. Ein Mangel, der bereits beim ersten Gang um das Motorrad auffallen müßte.Hinterradbremse: Der Leerweg des Hinterradbremshebels war entschieden zu groß. Das fällt auf den ersten Metern einer Probefahrt auf. Die Bremswirkung verschlechtet sich, ein Unfall kann die Folge sein.Ventileinstellung: Bei einem Auslaßventil des Motors wurde das Ventilspiel auf nahezu null Millimeter reduziert. Zu enges Ventilspiel kann zu einem kapitalen Motorschaden führen.Krümmerschrauben: Zwischen Endschalldämpfer und Krümmerrohren wurde eine Schraube gelöst. Bei sorgfältiger Arbeit müßte dieser Mangel entdeckt werden, bei der Probefahrt ist der laute Auspuffton sofort hörbar.Kupplungsspiel: Das Spiel am Kupplungsseil wurde auf Null reduziert. Bereits beim Anfahren ist zu merken, daß der Hebel keinen Leerweg hat. Im Fahrbetrieb kann die Kupplung schleifen, es kommt zu übermäßigem Verschleiß.Batteriesäure: Der Säurestand in der Batterie wurde abgesenkt, bei einer Zelle bis unter die Minimum-Marke. Normalerweise sollte der Flüssigkeitsstand jeden Monat, im Rahmen einer Inspektion auf jeden Fall kontrolliert werden. Ein zu geringer Säurestand schwächt den Akku, seine Lebenserwartung sinkt.Motoröl/Ölfilter: Die Tester füllten Altöl in den Motor ein, der Ölstand wurde aus dem Toleranzbereich gebracht. Die Tester kontrollierten, ob die Werkstatt das Öl gewechselt hatte und ob die korrekte Menge eingefüllt war. Auch der vorschriftsmäßige Wechsel des (gekennzeichneten) Ölfilters wurde überprüft.Getriebe-/Hinterachsölwechsel: Im Wartungsplan der BMW soll bei 45 000 Kilometern Laufleistung das Getriebe- Kardan- und Hinterachsöl gewechselt werden. Wird dies vergessen, können teure Langzeitschäden auftreten.Hupe: Das Massekabel zur Hupe wurde unterbrochen. Ein Fehler, der beim Check der elektrischen Anlage sofort auffallen müßte.Zündkerzen: Der Elektrodenabstand wurde auf nahezu die Hälfte reduziert. Das führt zu einem unsauberen Motorlauf und zu erschwertem Anspringen.

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