Werkstatt-Test: Kawasaki (Archivversion)

Mit diesen Mängeln war die Kawasaki präpariert:Alle Kawasaki-Händler hatten die gleiche Vorgabe: Es sollte die 40 000-Kilometer-Inspektion durchgeführt werden. Zudem galt es, die Blendschutzabdeckung der Kennzeichenbeleuchtung zu ersetzen, um die Ersatzteilversorgung zu prüfen. Wurde der vorgeschriebene Wartungsplan der Reihe nach abgearbeitet, war es kein Problem, ein «sehr gutes” Testurteil zu erreichen. Die Preiswürdigkeit wurde wegen deutlicher regionaler Unterschiede in den Stundenlöhnen nicht bewertet. Zur Kontrolle der Kundendienstarbeiten ließ MOTORRAD die Testmaschine durch einen Ingenieur der DEKRA präparieren. In diesem Falle handelte es sich um einer Kawasaki GPZ 1000 RX, Baujahr 1985, Kilometerstand knapp über 40 000, der folgende Fehler eingebaut wurden: Bremsflüssigkeit: Der Flüssigkeitsstand im vorderen Hydraulikbehälter wurde bis unter die Minimum-Marke abgesenkt. Der Boden des Bremsflüssigkeitsbehälters war nur noch wenige Millimeter hoch bedeckt. Ein gefährliches Bremsversagen kann die Folge sein.Bremslicht: Die Feder am Bremslichtschalter des Fußbremspedals wurde durchtrennt. Wenn das Bremslicht nicht richtig funktioniert, steigt die Gefahr eines Auffahrunfalls erheblich.Reifenluftdruck: Der Luftdruck in den Pneus wurde auf Werte weit unter der Toleranzgrenze abgesenkt. Dadurch verschlechtert sich die Fahrstabilität der Maschine dramatisch. Auch Laufflächenablösungen können die Folge sein.Lenkkopflager: Die Einstellmutter des Lenkkopflagers wurde so stark angezogen, daß das Lager zu stark vorgespannt war. Dadurch kann es zu Fahrwerksunruhen und problematischem Kurvenverhalten kommen. Das Lager wird außerdem sehr hoch belastet.Hinterachssicherung: Beide Sicherungssplinte an der Hinterachse wurden entfernt. Dieser Mangel sollte spätestens bei der Kontrolle der sicherheitsrelevanten Schraubverbindungen auffallen.Scheinwerfereinstellung: Der Scheinwerfer wurde total verstellt, er blendete den Gegenverkehr. Ein Mangel, der bereits beim ersten Gang um das Motorrad unbedingt auffallen müßte.Vergasersynchronisation: Zwei der vier Zylinder der Kawasaki wurden stark verstellt. Eine schlechte Vergasersynchronisation führt zu unsauberem Motorlauf, höherem Benzinverbrauch und erschwertem Anspringen.Ventileinstellung: Bei den Einlaßventilen des linken Zylinders wurde das Ventilspiel auf nahezu null Millimeter reduziert. Zu enges Ventilspiel kann zu einem kapitalen Motorschaden führen.Ölverlust Telegabel: Die Standrohre wurden an den Dichtringen mit Öl und Schmutz versetzt. Ölverlust an der Telegabel beeinträchtigt deren Funktion, das Fahrverhalten der Maschine verschlechtert sich. Ein gewissenhafter Mechaniker müßte zumindest auf die Notwendigkeit einer Reparatur hinweisen. Krümmerschrauben: Vier Krümmerschrauben an den Zylindern wurden gelöst. Bei sorgfältiger Arbeit müßte dieser Mangel entdeckt werden, bei einer ausreichenden Probefahrt ist er sogar hörbar.Hupe: Beide Hupen der GPZ 1000 RX wurden außer Funktion gesetzt. Ein Fehler, der beim Check der elektrischen Anlage sofort auffallen müßte.Batteriesäure: Der Säurestand in der Batterie wurde in einer Zelle bis unter die Minimum-Marke abgesenkt. Normalerweise sollte der Flüssigkeitsstand jeden Monat, im Rahmen einer Inspektion aber auf jeden Fall kontrolliert werden. Ein zu geringer Säurepegel schwächt den Akku, seine Lebenserwartung sinkt.Zündkerzen: Der Elektrodenabstand wurde auf nahezu die Hälfte reduziert. Das führt zu einem unsauberen Motorlauf und zu schlechtem Startverhalten.Motoröl/Ölfilter: Die Tester füllten Altöl in den Motor ein, der Ölstand wurde aus dem Toleranzbereich gebracht. Die Tester kontrollierten, ob die Werkstatt das Öl gewechselt hatte und ob die korrekte Menge eingefüllt war. Auch der vorschriftsmäßige Wechsel des (gekennzeichneten) Ölfilters wurde überprüft.

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