Werkstatt-Test: Resümee (Archivversion)

Dipl.-Ing. Rüdiger Dahl, 39, Prüfingenieur bei der DEKRA-Niederlassung DortmundHerr Dahl, wie ist Ihr Verhältnis zum Motorrad ?- !: Seit 1974 fahre ich aktiv und begeistert Motorrad und habe mich dann bei der DEKRA auch beruflich diesem Thema verschrieben. Seit 1988 habe ich einen Lehrauftrag für die interne Aus- und Weiterbildung unserer Prüfingenieure im Fachgebiet Motorrad. Die in Einzelfällen nicht durchweg positiven Ergebnisse des TÜV-/DEKRA-Tests, den Ihre Zeitschrift 19xx durchführte, haben übrigens zu verstärktem Interesse an meinen Kursen geführt. Seit 1995 mache ich auch Werkstatt-Tests für Auftraggeber aus der Motorradindustrie, die ich hier aber nicht nennen möchte.Wir wissen, daß Sie für BMW arbeiten. Was genau tun Sie?- !: Wir sollen die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Vertragswerkstätten prüfen. Ähnlich wie bei Ihren Tests werden dazu Motorräder mit Mängeln präpariert und zur Inspektion abgegeben. Die Tests helfen, Schwachstellen aufzudecken, die dann etwa in Schulungen gezielt beseitigt werden können.Warum läßt Ihr Auftraggeber solche internen Tests durchführen?- !: Ich glaube, daß der Hersteller erkannt hat, daß er seine Marktposition nur dann langfristig sichern kann, wenn nach dem Verkauf eines Motorrads auch der Service stimmt. Wenn die Veröffentlichungen in der Fachpresse Auslöser für solche internen Werkstattrevisionen waren, ist dies nur zu begrüßen. Wie sind die Ergebnisse bei Ihren Tests ?Es wurden immer wieder Schwachstellen aufgedeckt. Aus meinen persönlichen Erfahrungen heraus läßt sich jedoch insgesamt ein positiver Trend ausmachen. Möglicherweise haben ja Ihre und unsere internen Tests dazu geführt, daß jetzt allgemein sorgfältiger gearbeitet wird. Auffallend sind übrigens die guten Serviceleistungen und die freundliche Behandlung der Kunden in den neuen Bundesländern.- ?: Die MOTORRAD-Tester bezahlten bisweilen für Leistungen, die gar nicht erbracht wurden, so etwa einmal den Austausch eines Gasschiebers an einer Test-Kawasaki. Der spätere Check ergab aber zweifelsfrei, daß keine derartige Arbeit durchgeführt wurde. Sind bei Ihnen auch solche Dinge vorgefallen ?- !: Sie spielen auf einen Händler in Dortmund an. So direkt habe ich derartiges noch nicht erlebt. Einmal wurde mir aber nahegelegt, eine aufwendige Motorreparatur durchführen zu lassen. Ich lehnte die teure und aus Sachverständigensicht unnötige Auftragserweiterung ab. Der Motor läuft heute noch einwandfrei - 8000 Kilometer später.Kann man sich als Kunde gegen so etwas schützen ? Für den technischen Laien ist dies sicherlich nicht einfach. Ich kann nur die Ratschläge unterstützen, die auch Sie immer geben. Also alles schriftlich fixieren, eine Telefonnummer für Rückfragen hinterlassen und sich nach Reparaturen die Altteile zeigen lassen. Am besten wäre es natürlich, wenn Kunden ihren Werkstätten voll vertrauen könnten. Es wäre wünschenswert, wenn Ihre und unsere Tests dazu beitragen, daß wir diesem Ideal näherkommen.

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