Werkstatt-Test: Suzuki (Archivversion)

Nicht baden gegangen

Kalt erwischt hatte es so manche Werkstatt, die MOTORRAD in den letzten drei Jahren besuchte. Darunter auch einige Händler der Marke Suzuki. Doch diesmal brachten sie ihre Schäfchen ins trockene.

Der Werkstatt-Test geht in seine vorläufig letzte Runde. Während der dreijährigen Aktion gab es viel Wehklagen, denn mancher Händler kratzte am sauber polierten Image seiner Marke und an seiner eigenen Reputation, indem er miserable Arbeit leistete. Tadellose Inspektionen und eine Kundenbetreung, die diesen Namen verdient hätte, blieben eher die Ausnahme. Das wird sich wohl in Zukunft so mancher nicht mehr leisten können. Denn der Motorradmarkt wird nicht endlos weiterwachsen, sondern eher auf hohem Niveau stagnieren, und die Motorradfahrer werden zu Recht mehr auf ihr Geld gucken und dafür anständige Leistungen verlangen. Branchenkennern ist klar, daß der Händlerschaft ein Gesundschrumpfungsprozeß bevorsteht. Suzuki etwa, bis heute noch mit 21,4 Prozent Marktanteil an der Spitze der Neuzulassungen, vertreibt seine Modellpalette über derzeit 420 Händler. Im Schnitt verkauft also jeder zirka 90 Motorräder, zu wenig, um allein damit einen rentablen Betrieb auf Dauer aufrechtzuerhalten. Dazu gehört auch eine funktionierende Werkstatt. Die fünf von MOTORRAD besuchten Händler zeigten diesmal, daß sie durchaus in der Lage sind, gute Arbeit zu machen und sich damit einen zufriedenen Kundenstamm zu halten.
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Werkstatt-Test: Suzuki (Archivversion)

Mit diesen Mängeln war die Suzuki präpariert:
Alle Suzuki-Händler hatten die gleiche Vorgabe: Inspektion bei 10 000 Kilometern und Ersetzen der fehlenden linken hinteren Fußraste, um die Ersatzteilversorgung zu testen. Wer den Wartungsplan nicht aus den Augen verlor und etwas Sorgfalt walten ließ, hatte alle Chancen, ein »sehr gutes” Testurteil zu erreichen. Die Preiswürdigkeit wurde nicht bewertet, da es regional starke Unterschiede in den Stundenlöhnen gibt. Zur Kontrolle der Kundendienstarbeiten hatte ein DEKRA-Ingenieur der Testmaschine, einer Suzuki GN 250, Baujahr 1993, Kilometerstand knapp über 10 000, folgende Fehler eingebaut: Bremsflüssigkeit: Der Flüssigkeitsstand im vorderen Hydraulikbehälter wurde bis weit unter die Minimum-Marke abgesenkt. Der Boden des Bremsflüssigkeitsbehälters war gerade noch bedeckt. Ein gefährliches Bremsversagen kann die Folge sein.Bremslichtschalter hinten: Die Feder des Bremslichtschalters war gebrochen. Wenn das Bremslicht nicht funktioniert, steigt die Gefahr eines Auffahrunfalls erheblich.Lenkkopflager: DieEinstellmutter des Lenkkopflagers wurde so stark angezogen, daß das Lager zu stark vorgespannt war. Es kann zu Fahrwerksunruhen und problematischem Kurvenverhalten kommen. Das Lager wird sehr hoch belastet. Ein sauberer Geradeauslauf war praktisch nicht mehr vorhanden.Reifenluftdruck: Der Luftdruck in den Pneus wurde auf Werte weit unter der Toleranzgrenze abgesenkt. Dadurch verschlechtert sich die Fahrstabilität der Maschine dramatisch. Auch gefährliche Laufflächenablösungen können die Folge sein.Bremssattel vorn: Die untere Befestigungsschraube am Bremssattel wurde gelöst. Dieser Mangel muß bei der Kontrolle aller sicherheitsrelevanten Schraubenverbindungen entdeckt werden. Scheinwerfereinstellung: Der Scheinwerfer wurde total verstellt, er blendete den Gegenverkehr. Ein Mangel, der bereits beim ersten Gang um das Motorrad auffallen müßte.Antriebskette: Die Kette der Suzuki wurde viel zu stark gespannt, der Durchhang im belasteten Zustand war gleich Null. Im Fahrbetrieb werden das Getriebeausgangs- und das Lager des Kettenradträgers extrem belastet. Das Motorgehäuse kann Schaden nehmen, ein Kettenriß ist nicht auszuschließen.Ventileinstellung: Das Spiel der Auslaßventile wurde auf nahezu null Millimeter reduziert. Zu enges Ventilspiel kann zu kapitalen Motorschäden führen.Kupplungsspiel: Das Spiel am Kupplungshebel wurde auf nahezu null reduziert. Bereits beim Anfahren ist zu merken, daß der Hebel keinen Leerweg hat. Im Fahrbetrieb kann die Kupplung schleifen, es kommt zu übermäßigem Verschleiß.Krümmerschrauben: An einem der beiden Krümmer der Suzuki wurde die Verschraubung am Zylinder gelöst. Bei sorgfältiger Arbeit müßte dieser Mangel entdeckt werden, bei einer ausreichenden Probefahrt ist er sogar hörbar.Motoraufhängung: Vorn am Motor wurde die obere Befestigungsschraube gelöst. Ein Mangel, der beim routinemäßigen Check der Schraubverbindungen sofort auffallen müßte.Batteriesäure: Der Säurestand wurde in einer Zelle bis unter die Minimum-Marke abgesenkt. Ein zu geringer Batteriesäurestand schwächt den Akku, seine Lebenserwartung sinkt.Zündkerze: Der Elektrodenabstand wurde stark reduziert. Ein schlechter Zündkerzenzustand führt zu einem unsauberen Motorlauf und zu erschwertem Anspringen.Motoröl/Ölfilter: Die Tester füllten Altöl in den Motor ein, der Ölstand wurde aus dem Toleranzbereich gebracht. Die Tester kontrollierten, ob die Werkstatt das Öl gewechselt hatte und ob die korrekte Menge eingefüllt war. Auch der vorschriftsmäßige Wechsel des Ölfilters wurde überprüft.

Werkstatt-Test: Suzuki (Archivversion)

So wurden die Werkstätten bewertet
MOTORRAD baute in die Test-Suzuki 14 Fehler ein, die im Rahmen eines nach Herstellervorschrift durchgeführten Kundendienstes hätten auffallen müssen. Bei der 10 000-Kilometer-Inspektion waren laut Wartungsplan zwar noch weitere Arbeiten zu erledigen, diese wurden aber nicht bewertet. Eine Vergleichbarkeit mit den Arbeiten der Werkstätten anderer Marken wäre sonst nicht gegeben. Ferner achteten die Tester darauf, ob eine Probefahrt durchgeführt wurde - viele Mängel lassen sich schließlich erst während einer ausreichend langen Probefahrt entdecken. Ab einer Fahrstrecke von vier Kilometern gab es die maximale Punktzahl. Um die Ersatzteilversorgung zu prüfen, wurde jeweils vier Tage vor dem Kundendiensttermin telefonisch eine Fußraste bestellt. Auch die Termintreue bewertete MOTORRAD. Wer zum vereinbarten Zeitpunkt nicht fertig war, mußte mit Punktabzügen rechnen.Die eingebauten Mängel unterteilen sich in schwer, leicht und weniger sicherheitsrelevante - entsprechend staffeln sich, wie nachfolgend aufgelistet, die vergebenen Punkte. Schwer sicherheitsrelevante MängelBremsflüssigkeit 20 PunkteBremslichtschalter hinten 20 PunkteLenkkopflager 20 PunkteReifenluftdruck 20 PunkteBremssattel vorn 20 PunkteLeicht sicherheitsrelevante MängelScheinwerfereinstellung 10 PunkteAntriebskette 10 PunkteVentileinstellung 10 PunkteWeniger sicherheitsrelevante Mängel Kupplungsspiel 5 PunkteKrümmerschrauben 5 PunkteMotoraufhängung 5 PunkteBatteriesäure 5 Punkte Zündkerzen 5 PunkteLeerweg Hinterradbremse 5 PunkteMotoröl-/Filterwechsel 5 PunkteWeitere BewertungskriterienProbefahrt 20 PunkteTermingerechtigkeit 10 PunkteErsatzteilversorgung Beifahrerfußraste 5 PunkteMaximale Gesamtpunktzahl 200 Eine Werkstatt, die einen schwer sicherheitsrelevanten Mangel nicht behebt, kann maximal 180 Punkte und damit kein »sehr gut« mehr erreichen. Andererseits sollte eine Werkstatt als ungenügend bewertet werden, wenn die Mechaniker zwar alle schwer sicherheitsrelevanten Mängel entdeckten, die leicht oder weniger gefährlichen jedoch allesamt übersahen, keine Probefahrt machten und zudem die abgesprochenen Termine nicht einhielten. So ergibt sich folgendes Benotungsschema:bis 100 Punkte ungenügend101 bis 120 Punkte mangelhaft121 bis 140 Punkte ausreichend141 bis 160 Punkte befriedigend161 bis 180 Punkte gut181 bis 200 Punkte sehr gutWie repräsentativ ist der Werkstatt-Test?Das Bewertungsschema ist von der Redaktion festgelegt. Eine generelle Aussage, ob der Händler bei anderen Kundendienstaufträgen dasselbe Ergebnis erzielen würde, läßt der Test nicht zu. Ebenso wenig kann von den Leistungen einzelner Werkstätten auf die Qualität des gesamten Servicenetzes geschlossen werden. Dennoch: Bei nicht behobenen sicherheitsrelevanten Mängeln gibt es keine Entschuldigung. Der Kunde muß sich darauf verlassen können, daß sein Motorrad die Werkstatt ordnungsgemäß gewartet und verkehrssicher verläßt, dafür bezahlt er schließlich.

Biker-Treff an der B 88, 07745 Jena (Archivversion) - Zeit zum Fahren

Bremsflüssigkeit 20 Punkte
Bremslichtschalter hinten 20 Punkte
Lenkkopflager 0 Punkte
Reifenluftdruck 5 Punkte
Bremssattel vorn 20 Punkte
Probefahrt 5 Punkte
Terminverläßlichkeit 10 Punkte
Scheinwerfereinstellung 10 Punkte
Antriebskette 10 Punkte
Ventileinstellung 10 Punkte
Kupplungsspiel 5 Punkte
Krümmerschrauben 5 Punkte
Motoraufhängung vorn 5 Punkte
Bateriesäure 5 Punkte
Zündkerze 0 Punkte
Leerweg Hinterradbremse 5 Punkte
Motoröl-/Filterwechsel 5 Punkte
Beifahrerfußraste 5 Punkte

Gesamturteil: 145 Punkte
befriedigend
Mutterseelenallein steht der MOTORRAD-Mann in dem gähnend leeren Laden des Suzuki-Händlers, draußen vor den Toren von Jena. Nach einer halben Stunde taucht der Kundendienstmann auf: »Die Suzuki ist noch nicht fertig, gehen Sie doch rauf, einen Kaffee trinken.« Nach einer weiteren halben Stunde im Café geht’s zurück in den Laden. Endlich taucht der Suzuki-Mann wieder auf und tröstet den Wartenden: »Bis Ihr Motorrad fertig ist, können Sie ja unsere VS 600 probefahren.« Ein freundliches Angebot, das gern angenommen wird. Nachher ist die Inspektion gemacht, wenngleich das stramme Lenkkopflager wegen wohl zu kurzer Probefahrt nicht auffiel, die Kerze nicht getauscht und der Luftdruck nicht geprüft wurde. Kostenpunkt: 263 Mark inklusive gebrauchter Fußraste.

Motorradcenter Köster & Söhne, 18528 Bergen (Archivversion) - Klima gut


Bremsflüssigkeit 20 Punkte
Bremslichtschalter hinten 20 Punkte
Lenkkopflager 20 Punkte
Reifenluftdruck 15 Punkte
Bremssattel vorn 20 Punkte
Probefahrt 20 Punkte
Terminverläßlichkeit 10 Punkte
Scheinwerfereinstellung 10 Punkte
Antriebskette 10 Punkte
Ventileinstellung 8 Punkte
Kupplungsspiel 5 Punkte
Krümmerschrauben 5 Punkte
Motoraufhängung vorn 5 Punkte
Bateriesäure 5 Punkte
Zündkerze 5 Punkte
Leerweg Hinterradbremse 5 Punkte
Motoröl-/Filterwechsel 5 Punkte
Beifahrerfußraste 0 Punkte

Gesamturteil: 188 Punkte
sehr gut
Offenbar wirkt sich das angenehme Klima auf der Ostseeinsel Rügen positiv auf die Arbeitsmoral aus. Für 315 Mark erledigte der Suzuki-Händler Köster & Söhne jedenfalls die Inspektion besser als alle anderen Händler. Nach fast zehn Kilometern Probefahrt blickten die Ossis voll durch: Sogar der Reifenluftdruck wurde halbwegs korrekt eingestellt. Der Hinweis auf den abgefahrenen Hinterreifen erfolgt mit Nachdruck: »Zu DDR-Zeiten hätten wir Ihnen die so gar nicht zurückgeben dürfen.« Daß der Mechaniker zwar die Ventile einstellte, aber vergaß, die Ventildeckelschrauben anzuziehen, ist ein Flüchtigkeitsfehler. Und es sei verziehen, daß Motorradcenter Köster & Söhne auf die schnelle keine Fußraste auftreiben konnte. Rügen liegt eben weitab vom Schuß.

Hyper-Sports Rohrer, 82256 Fürstenfeldbruck (Archivversion) - Regen bringt Segen


Bremsflüssigkeit 20 Punkte
Bremslichtschalter hinten 20 Punkte
Lenkkopflager 20 Punkte
Reifenluftdruck 10 Punkte
Bremssattel vorn 20 Punkte
Probefahrt 20 Punkte
Terminverläßlichkeit 10 Punkte
Scheinwerfereinstellung 10 Punkte
Antriebskette 0 Punkte
Ventileinstellung 10 Punkte
Kupplungsspiel 5 Punkte
Krümmerschrauben 5 Punkte
Motoraufhängung vorn 5 Punkte
Bateriesäure 5 Punkte
Zündkerze 5 Punkte
Leerweg Hinterradbremse 0 Punkte
Motoröl-/Filterwechsel 5 Punkte
Beifahrerfußraste 5 Punkte

Gesamturteil: 175 Punkte
Es gießt wie aus Kübeln, als der Mechaniker im bayrischen Fürstenfeldbruck zu einer Probefahrt aufbricht. Eine halbe Stunde Wartezeit, bis dahin hat der Blaukittel fast zehn Kilometer abgespult und die Rechnung über 334 Mark ausgestellt. Was nicht stimmte: der Leerweg am hinteren Bremslichtschalter und die Kette zu stramm. Währenddessen hätte ein Blick ins Handbuch genügt, um den richtigen Reifenluftdruck zu erfahren.

Erwin Schubert, 59425 Unna (Archivversion) - Patent


Bremsflüssigkeit 20 Punkte
Bremslichtschalter hinten 20 Punkte
Lenkkopflager 20 Punkte
Reifenluftdruck 5 Punkte
Bremssattel vorn 20 Punkte
Probefahrt 5 Punkte
Terminverläßlichkeit 10 Punkte
Scheinwerfereinstellung 10 Punkte
Antriebskette 10 Punkte
Ventileinstellung 10 Punkte
Kupplungsspiel 5 Punkte
Krümmerschrauben 5 Punkte
Motoraufhängung vorn 0 Punkte
Bateriesäure 5 Punkte
Zündkerze 5 Punkte
Leerweg Hinterradbremse 5 Punkte
Motoröl-/Filterwechsel 5 Punkte
Beifahrerfußraste 5 Punkte

Gesamturteil: 165 Punkte
gut
Im Westfälischen weiß man sich zu behelfen. Weil das mit der Bestellung einer Fußraste wohl nicht hingehauen hat, ließ Vertragshändler Erwin Schubert einfach eine Raste bei einer Neumaschine abmontieren. Zügig ließ es der Mann aus Unna auch mit der Probefahrt angehen. 500 Meter waren genug. Die Fehler wurden bis auf die Motorbefestigung alle gefunden. Beim Luftdruck lautete die Devise: besser zu viel als zu wenig.

Skora Motorrad-Service, 75365 Calw (Archivversion) - Gutes Näschen

Bremsflüssigkeit 20 Punkte
Bremslichtschalter hinten 20 Punkte
Lenkkopflager 20 Punkte
Reifenluftdruck 5 Punkte
Bremssattel vorn 20 Punkte
Probefahrt 20 Punkte
Terminverläßlichkeit 10 Punkte
Scheinwerfereinstellung 10 Punkte
Antriebskette 10 Punkte
Ventileinstellung 10 Punkte
Kupplungsspiel 5 Punkte
Krümmerschrauben 5 Punkte
Motoraufhängung vorn 5 Punkte
Bateriesäure 5 Punkte
Zündkerze 5 Punkte
Leerweg Hinterradbremse 5 Punkte
Motoröl-/Filterwechsel 5 Punkte
Beifahrerfußraste 5 Punkte

Gesamturteil: 185 Punkte
sehr gut
Birgit Skora schickt den Tester nach Entgegennahme von 293 Mark gleich zum Chef. »Wer hat denn daran geschraubt? Die hatte so viele Kleinigkeiten. Das ist, wie wenn man den MOTORRAD-Werkstatt-Test liest«, fährt der Schwarzwälder den verdatterten MOTORRAD-Mann an. Vielleicht ob dieses Verdachts arbeitete der Mechaniker sehr eifrig: alle Fehler gefunden. Nur beim Reifenluftdruck meinte er es doch etwas zu gut.

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