Werkstatt-Test: Yamaha (Archivversion) Die Mängel am Testmotorrad

Der Auftrag für die Yamaha-Mechaniker lautete stets gleich. Sie hatten an einer XJ 600 N, Baujahr 1994, Kilometerstand knapp 24000, den fälligen großen Kundendienst durchzuführen. Zuvor wurde die Yamaha bei einer DEKRA-Niederlassung jeweils mit exakt den gleichen Mängeln präpariert, die ein Mechaniker, der nach Wartungsplan arbeitet und etwas Sorgfalt walten läßt, zwangsläufig finden muß.Außerdem war das rechte hintere Blinkerglas zu ersetzen, um dr:periodmrdHefte9909MR323k3.docen Händlers zu prüfen. Der Inspektionspreis wurde nicht bewertet, da es regional starke Unterschiede bei den Stundenlöhnen gibt. Die angegebenen Preise beziehen sich nur auf die Inspektion. Zusätzliche Arbeiten wurden herausgerechnet, damit die Preise vergleichbar bleiben. Folgende Fehler waren zu finden:Bremsflüssigkeit: Der Flüssigkeitsstand im vorderen Hydraulikbehälter wurde bis unter die Minimum-Markierung abgesenkt. Im Extremfall kann es zum völligen Versagen der Bremse kommen. Bremslichtschalter: Die Steckverbindung zum hinteren Bremslichtschalter wurde gelöst. Ohne funktionierendes Bremslicht besteht erhöhte Gefahr, in einen Auffahrunfall verwickelt zu werden.Lenkkopflager: Die Einstellmutter des Lenkkopflagers wurde viel zu stramm angezogen, so daß das Lager regelrecht klemmte. Dadurch kommt es zu Fahrwerksunruhen und äußerst problematischem Kurvenverhalten, außerdem wird das Lager binnen kurzer Zeit zerstört.Schubstrebe Hinterradbremse: Die Verschraubung zwischen hinterem Bremssattel und seiner Abstützstrebe zum Rahmen hin wurde gelöst, der Sicherungssplint entfernt. Geht die Schraube verloren, kann das Hinterrad blockieren.Reifenluftdruck: Der Druck in den Pneus war weit unter die Toleranzgrenze abgesenkt. Dadurch verschlechtert sich die Fahrstabilität dramatisch, auch Unfälle durch Laufflächenablösung können die Folge sein.Scheinwerfereinstellung: Der Scheinwerfer strahlte weit in Richtung Gegenfahrbahn und nach oben. Der Gegenverkehr wird geblendet, die Sicht bei Nachtfahrten ist stark eingeschränkt.Kettenspannung: Die Kette wurde viel zu stark gespannt, der Durchhang im belasteten Zustand war gleich Null. Im Fahrbetrieb werden dadurch die Lager am Getriebeausgang und am Kettenradträger des Hinterrads extrem stark belastet. Reißen der Antriebskette ist nicht auszuschließen. Krümmerschrauben: Die Schrauben am Flansch des zweiten Krümmers von links waren locker. Im Rahmen des großen Kundendienstes muß dieser Mangel auffallen, bei einer Probefahrt ist er sogar hörbar.Zündkerzen: Der Zustand der Zündkerzen war schlecht, bei einer Kerze wich der Elektrodenabstand stark vom vorgeschriebenen Wert ab. Das führt zu unsauberem Motorlauf und erschwertem Anspringen.Sicherungen: Von den eigentlich drei Reservesicherungen fehlten zwei. Die Sicherung, die für Blinker, Bremslicht und Hupe zuständig ist, war durch eine solche mit einem zu niedrigen Wert ersetzt. Werden mehrere Verbraucher gleichzeitig genutzt, kann sie durchbrennen.Kupplungsspiel: Das Spiel am Kupplungshebel wurde auf Null reduziert. Bereits beim Anfahren ist zu merken, daß der Hebel keinen Leerweg hat. Im Fahrbetrieb kann die Kupplung schleifen, es kommt zu übermäßigem Verschleiß.Öl-/Filterwechsel: In den Motor wurde vor jedem Werkstattbesuch altes Öl eingefüllt, der Ölstand war außerhalb des Toleranzbereichs. Die Tester prüften, ob das Öl gewechselt wurde und ob die Werkstatt die korrekte Menge eingefüllt hatte. Auch der bei der Inspektion vorgeschriebene Wechsel des Ölfilters wurde geprüft.

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