Werkstatt-Test (Archivversion)

Zur Kasse bitte.....

Kostenexplosion im Gesundheitswesen? Wer vergleicht, kann sparen, das zeigt der Test der Yamaha-Werkstätten. Preis und Leistung stehen nicht unbedingt in direktem Zusammenhang.

Yamaha bekleckerte sich bei vergangenen Werkstatt-Tests nicht gerade mit Ruhm. Besorgniserregend sah es gar vor fünf Jahren aus: Durchschnittsnote »mangelhaft«, mit Abstand schlechteste Marke im Test. Immerhin geht es aufwärts, so das Ergebnis neuerlicher Visiten von MOTORRAD. Doch auch beim aktuellen »Befriedigend« tun weitere Heilmaßnahmen not, die Leistungen einiger Werkstätten geben keinen Anlaß zur allgemeinen Entwarnung. Wenigstens fiel in der Testrunde 1999 keine Werkstatt komplett durch. Drei Niederlassungen mit der Bewertung »ausreichend« zeigen aber, daß der Patient noch nicht über den Berg ist. Bedenklich stimmt, daß dreimal solch einfach auszumachende Fehler wie das zu feste Lenkkopflager und die zu stramme Kette nicht auffielen. Fast schon peinlich ist, daß lediglich eine Werkstatt bemerkte, daß der Scheinwerfer weit über den Horizont strahlte. Völlig rätselhaft gestaltete sich die Erledigung des Zusatzauftrags, bei dem die Werkstätten nach einem von den Testern beschriebenen Fehler forschen sollen. Lediglich zwei Betriebe wurden fündig, und deren Mechaniker hätten den Fehler wohl auch dann entdeckt, wenn der Kunde nichts gesagt hätte. Bei den anderen lahmte der XJ 600-Vierzylinder auch nach der Inspektion merklich, verschluckte sich beim Gasgeben und müffelte nach dem Anlassen penetrant aus dem Auspuff - ein schwache Leistung.Unergründlich erscheint die Preisgestaltung bei Yamaha. Zweimal wurde für unter 400 Mark sauber gearbeitet, zwei weitere Male für über 700 Mark nur mäßig. Die beste Werkstatt lag mit 580 Mark im Mittelfeld. Für das zweitbeste Ergebnis wurde die zweitniedrigste Rechnung geschrieben, für das schlechteste Ergebnis die zweithöchste. Gut, das MOTORRAD verglichen hat.
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Zweirad-Mildner 08056 Zwickau (Archivversion) - Im wesentlichen gut

Fehler Punkte
Bremsflüssigkeit 20
Bremslichtschalter 20
Lenkkopflager 20
Zugstange Hinterradbremse 20
Vergaserdüse 20
Probefahrt 20
Reifenluftdruck 10
Scheinwerfereinstellung 0
Kettenspannung 0
Terminverläßlichkeit 10
Krümmerschrauben 5
Zündkerzen 5
Kupplungsspiel 5
Sicherungen 0
Öl-/Filterwechsel 5
Blinkerglas 5

Summe 165

gut
Bei der kleinen Yamaha- und Simson-Vertretung am Rande von Zwickau läuft zunächst alles vorbildlich. Eine Dame nimmt den Auftrag an und notiert die Telefonnummer des Kunden. Er soll schließlich noch auf den Chef warten, damit dieser mit ihm zusammen das Motorrad durchschauen kann. Bei der Beschreibung der Motorprobleme hört der Meister aufmerksam zu.Am nächsten Tag ist die Yamaha bereits am frühen Nachmittag fertig. Der XJ 600-Fahrer wird freundlich im Laden empfangen, bezahlt schon mal, ihm wird ein Karton mit Altteilen gezeigt. »Vielleicht wollen Sie die ja mitnehmen oder zumindest sehen, was getauscht wurde.« Die Dame vom Vortag holt einen Zettel hervor: »Hier hat der Chef ein paar Sachen aufgeschrieben, die er gemacht hat. Aber warten wir eben auf ihn.«Schließlich kommt der Meister mit einem Lappen in der Hand aus der Werkstatt. Er begleitet den Kunden in den Hof und wischt die regennasse Sitzbank trocken. »Na, die ist ja überhaupt nicht gelaufen«, erzählt er. »Erst mal habe ich die Vergaser synchronisiert, das hat aber nichts gebracht.« Er zeigt auf einen Vergaser: »Da war die Hauptdüse rausgefallen, kein Wunder, daß die nicht lief.« Auch sonst wurde hier für 374 Mark recht gründlich gearbeitet. Schade nur, daß der verstellte Scheinwerfer, die zu stramme Kette und die falsche Sicherung übersehen wurden. Und beim Aufpumpen der Reifen tat der Meister etwas zu viel des Guten.

Motorrad-Burmeister 19053 Schwerin (Archivversion) - Ein bißchen abgedüst

Fehler Punkte
Bremsflüssigkeit 20
Bremslichtschalter 20
Lenkkopflager 20
Zugstange Hinterradbremse 20
Vergaserdüse 0
Probefahrt 20
Reifenluftdruck 20
Scheinwerfereinstellung 0
Kettenspannung 0
Terminverläßlichkeit 10
Krümmerschrauben 0
Zündkerzen 5
Kupplungsspiel 5
Sicherungen 0
Öl-/Filterwechsel 5
Blinkerglas 5

Summe 150

befriedigend
In dem Laden nahe des Schweriner Sees geht es um die noch winterliche Jahreszeit offenbar ruhig zu. Der Werkstatt-Mann hört sich geduldig die Probleme des XJ 600-Fahrers mit dem schlechten Motorlauf an und beruhigt ihn: »Ja, wir stellen die ja sowieso ein, dann kriegt sie ja auch neue Zündkerzen, und dann läuft dein Moped schon wieder.«Am nächsten Tag kommt nach dem Bezahlen gleich der Meister: »In der Werkstatt, in der du zuletzt warst, die wollten dich wohl umbringen. Das Lenkkopflager war völlig vermurkst, die Bremsstrebe hinten war lose, und da fehlte auch ein Sicherungssplint. Dann war vorn zu wenig Bremsflüssigkeit drin, und der Bremslichtschalter war auch noch kaputt. Aber jetzt ist alles wieder in Ordnung. Außerdem lief die wirklich schlecht, deshalb haben wir zusätzlich mal gründlich die Vergaser gereinigt.«Was der Meister darunter versteht, warf bei der DEKRA-Durchsicht Rätsel auf. Die fehlende Hauptdüse bemerkte bei dieser Arbeit nämlich niemand. Außerdem übersah die Werkstatt die stramme Kette und den schielenden Scheinwerfer. Daß der Vierzylindermotor noch immer aus einem Krümmeranschluß röhrte und eine Sicherung im Stromkreis die falsche Farbe hatte, fiel ebenfalls nicht auf. Dennoch: Für eine ansonsten komplette Durchsicht sind 310 Mark ein günstiger Preis. Die unter dem Strich drittbeste Werkstatt arbeitete damit am billigsten.

Werkstatt-Test: Yamaha (Archivversion) - Die Mängel am Testmotorrad

Der Auftrag für die Yamaha-Mechaniker lautete stets gleich. Sie hatten an einer XJ 600 N, Baujahr 1994, Kilometerstand knapp 24000, den fälligen großen Kundendienst durchzuführen. Zuvor wurde die Yamaha bei einer DEKRA-Niederlassung jeweils mit exakt den gleichen Mängeln präpariert, die ein Mechaniker, der nach Wartungsplan arbeitet und etwas Sorgfalt walten läßt, zwangsläufig finden muß.Außerdem war das rechte hintere Blinkerglas zu ersetzen, um dr:periodmrdHefte9909MR323k3.docen Händlers zu prüfen. Der Inspektionspreis wurde nicht bewertet, da es regional starke Unterschiede bei den Stundenlöhnen gibt. Die angegebenen Preise beziehen sich nur auf die Inspektion. Zusätzliche Arbeiten wurden herausgerechnet, damit die Preise vergleichbar bleiben. Folgende Fehler waren zu finden:Bremsflüssigkeit: Der Flüssigkeitsstand im vorderen Hydraulikbehälter wurde bis unter die Minimum-Markierung abgesenkt. Im Extremfall kann es zum völligen Versagen der Bremse kommen. Bremslichtschalter: Die Steckverbindung zum hinteren Bremslichtschalter wurde gelöst. Ohne funktionierendes Bremslicht besteht erhöhte Gefahr, in einen Auffahrunfall verwickelt zu werden.Lenkkopflager: Die Einstellmutter des Lenkkopflagers wurde viel zu stramm angezogen, so daß das Lager regelrecht klemmte. Dadurch kommt es zu Fahrwerksunruhen und äußerst problematischem Kurvenverhalten, außerdem wird das Lager binnen kurzer Zeit zerstört.Schubstrebe Hinterradbremse: Die Verschraubung zwischen hinterem Bremssattel und seiner Abstützstrebe zum Rahmen hin wurde gelöst, der Sicherungssplint entfernt. Geht die Schraube verloren, kann das Hinterrad blockieren.Reifenluftdruck: Der Druck in den Pneus war weit unter die Toleranzgrenze abgesenkt. Dadurch verschlechtert sich die Fahrstabilität dramatisch, auch Unfälle durch Laufflächenablösung können die Folge sein.Scheinwerfereinstellung: Der Scheinwerfer strahlte weit in Richtung Gegenfahrbahn und nach oben. Der Gegenverkehr wird geblendet, die Sicht bei Nachtfahrten ist stark eingeschränkt.Kettenspannung: Die Kette wurde viel zu stark gespannt, der Durchhang im belasteten Zustand war gleich Null. Im Fahrbetrieb werden dadurch die Lager am Getriebeausgang und am Kettenradträger des Hinterrads extrem stark belastet. Reißen der Antriebskette ist nicht auszuschließen. Krümmerschrauben: Die Schrauben am Flansch des zweiten Krümmers von links waren locker. Im Rahmen des großen Kundendienstes muß dieser Mangel auffallen, bei einer Probefahrt ist er sogar hörbar.Zündkerzen: Der Zustand der Zündkerzen war schlecht, bei einer Kerze wich der Elektrodenabstand stark vom vorgeschriebenen Wert ab. Das führt zu unsauberem Motorlauf und erschwertem Anspringen.Sicherungen: Von den eigentlich drei Reservesicherungen fehlten zwei. Die Sicherung, die für Blinker, Bremslicht und Hupe zuständig ist, war durch eine solche mit einem zu niedrigen Wert ersetzt. Werden mehrere Verbraucher gleichzeitig genutzt, kann sie durchbrennen.Kupplungsspiel: Das Spiel am Kupplungshebel wurde auf Null reduziert. Bereits beim Anfahren ist zu merken, daß der Hebel keinen Leerweg hat. Im Fahrbetrieb kann die Kupplung schleifen, es kommt zu übermäßigem Verschleiß.Öl-/Filterwechsel: In den Motor wurde vor jedem Werkstattbesuch altes Öl eingefüllt, der Ölstand war außerhalb des Toleranzbereichs. Die Tester prüften, ob das Öl gewechselt wurde und ob die Werkstatt die korrekte Menge eingefüllt hatte. Auch der bei der Inspektion vorgeschriebene Wechsel des Ölfilters wurde geprüft.

Werkstatt-Test: Yamaha (Archivversion) - Zusatzauftrag

Beim Zusatzauftrag beschreiben die Tester ein bestimmtes Symptom und beauftragen die Werkstatt mit der Ursachenforschung. Bei der Yamaha lag die Hauptdüse eines Vergasers lose in der Schwimmerkammer. In der Praxis kann dies passieren, wenn die Düse nach Arbeiten am Vergaser nicht fest eingedreht wurde, so daß sie sich allmählich lockert und herausfällt. Eine kleine Ursache mit spürbarer Wirkung: Einer der vier Zylinder der XJ 600 lief entschieden zu fett, was nach dem Anlassen sogar zu riechen war. Die Tester klagten bei der Fahrzeugübergabe zudem über schlechte Gasannahme und mangelnde Leistung. Zusätzlich gaben sie den Werkstätten Hinweise, indem sie den erhöhten Kraftstoffverbrauch erwähnten. Sinn des Zusatzauftrags ist es, schwarze Schafe unter den Werkstätten zu entlarven. Für einen Betrieb mit Hang zu unkorrektem Arbeiten ergäbe sich eine gute Gelegenheit, den einfachen Mangel kurzerhand zu beheben und durch die Berechnung überflüssiger Arbeiten oder unnötiger Ersatzteile zusätzlich Geld zu kassieren. Ein Verhalten, das vom Kunden normalerweise kaum zu überprüfen ist. Bei der vorigen Runde des Werkstatt-Tests konnte MOTORRAD einen solchen Fall nachweisen. Die Werkstatt hatte ein Neuteil berechnet, das gar nicht eingebaut worden war, das alte Teil war nicht einmal zur Kontrolle ausgebaut worden. Ein eindeutiger Fall von Betrug.

Werkstatt-Test: Yamaha (Archivversion) - Bewertung der Werkstätten

MOTORRAD hatte die Test-Yamaha mit zwölf Fehlern präpariert, die im Rahmen eines nach Herstellervorschrift durchgeführten Kundendiensts hätten auffallen müssen. Der Wartungsplan führt natürlich noch eine Reihe weiterer Arbeiten auf, diese flossen aber nicht in die Bewertung ein.Da viele Mängel erst beim Fahren entdeckt werden können, achteten die Tester auch darauf, ob eine ausreichend lange Probefahrt durchgeführt wurde. Ab einer Fahrstrecke von vier Kilometern gab es die maximale Punktzahl. Um die Ersatzteilversorgung zu prüfen, wurde jeweils vier Tage vor dem Kundendiensttermin ein Blinkerglas bestellt. Auch die Termintreue bewertete MOTORRAD. Zeitüberschreitungen ergaben Punktabzüge. Übersehene, sicherheitsrelevante Mängel müssen stärker auf das Ergebnis durchschlagen. Das führt zu folgendem Bewertungsschema:ZusatzauftragVergaserdüse 20 PunkteSicherheitsrelevante MängelBremsflüssigkeit 20 PunkteBremslichtschalter 20 PunkteLenkkopflager 20 PunkteSchubstange Bremse 20 PunkteReifenluftdruck 20 PunktePotentiell riskante MängelKettenspannung 10 PunkteScheinwerfereinstellung 10 PunkteWeitere MängelKrümmerschrauben 5 PunkteZündkerzen 5 PunkteKupplunsspiel 5 PunkteSicherungen 5 PunkteÖl-/Filterwechsel 5 PunkteZusätzliche BewertungskriterienProbefahrt 20 PunkteTerminverläßlichkeit 10 PunkteErsatzteilversorgung (Blinkerglas) 5 PunkteErreichbare Gesamtpunktzahl: 200 PunkteEine Werkstatt, die einen sicherheitsrelevanten Mangel übersieht, kann maximal 180 Punkte und damit kein »sehr gut« mehr erreichen. Andererseits sollte eine Werkstatt als ungenügend bewertet werden, wenn die Mechaniker zwar die sicherheitsrelevanten Mängel entdeckten, die weniger gefährlichen jedoch allesamt übersahen, keine Probefahrt machten und obendrein den abgesprochenen Termin nicht einhielten. So ergibt sich folgendes Benotungsschema. bis 100 Punkte: ungenügend101 bis 120 Punkte mangelhaft121 bis 140 Punkte ausreichend141 bis 160 Punkte befriedigend161 bis 180 Punkte gut181 bis 200 Punkte sehr gutWie repräsentativ ist der Werkstatt-Test?Das Bewertungsschema ist von der Redaktion festgelegt. Es dient zur Beurteilung des Händlers im geschilderten Einzelfall. Eine generelle Aussage darüber, ob dieser Händler bei anderen Kundendienstaufträgen ebenso gut oder schlecht arbeitet, läßt ein stichprobenartiger Test nicht zu. Ebensowenig kann von den Leistungen einzelner Werkstätten auf die Qualität des gesamten Service-Netzes geschlossen werden. Dennoch: Für nicht behobene sicherheitsrelevante Mängel gibt es keine Entschuldigung.

Werkstatt-Test: Yamaha (Archivversion) - Tip

Wer einen Handwerker braucht, tut gut daran, die Preise verschiedener Firmen zu vergleichen. Warum sollen das nicht auch Motorradfahrer machen? Holen Sie vor einem Kundendienst bei Werkstätten in der Umgebung ein Angebot ein. Jeder Händler sollte aus seiner Erfahrung heraus am Telefon den Preis für einen Kundendienst beziffern können, sofern keine weiteren Arbeiten anstehen. Und vielleicht läßt sich die Inspektion für Wessis mit einem Kurztrip in eines der neuen Bundesländer verbinden. Schlechter arbeiten die Werkstätten hier offensichtlich nicht, aber tendenziell preisgünstiger. Dem Aufschwung Ost täte das gut.

Kommentar (Archivversion) - Groschen und Dukaten

Leistung, so sagt einem der gesunde Menschenverstand, hat ihren Preis. In der Realität sieht das aber oft anders aus. Mancher muß für sein karges Gehalt mächtig ranklotzen, andere mogeln sich durch und verdienen fürstlich. Betrachtet man die Ergebnisse von Yamaha aus diesem Blickwinkel, ist das Ergebnis doppelt traurig. Die billigste Niederlassung arbeitete besser als die beiden doppelt so teuren. Diese Kluft ist auch mit den allgemeinen Preisunterschieden zwischen neuen und alten Bundesländern nicht zu erklären. Außerdem ist die XJ 600 ein typisches Einsteigermotorrad, das recht wartungsfreundlich ist. Man wird das Gefühl nicht los, als wollten sich manche Händler schnellstmöglich eine goldene Nase verdienen. Wie man es auch wendet: Über 700 Mark - das entspricht 13 Prozent des Neupreis - für einen Kundendienst sind zu viel. Der Importeur sollte seinen Händlern bei der Preisgestaltung mal ein bißchen auf die Finger schauen. Sonst kann sich manch einer nämlich nie ein neues Motorrad leisten.

Mot-Shop Heinze 38112 Braunschweig (Archivversion) - Echte Könner

Fehler Punkte
Bremsflüssigkeit 20
Bremslichtschalter 20
Lenkkopflager 20
Zugstange Hinterradbremse 20
Vergaserdüse 20
Probefahrt 20
Reifenluftdruck 10
Scheinwerfereinstellung 0
Kettenspannung 10
Terminverläßlichkeit 10
Krümmerschrauben 5
Zündkerzen 5
Kupplungsspiel 5
Sicherungen 5
Öl-/Filterwechsel 5
Blinkerglas 5

Summe 180

gut
Der erste Eindruck kann mächtig täuschen. Mit der Bemerkung: »Ja, ja, mit Choke stinken die immer«, tut der Mann hinterm Tresen den Hinweis auf den Benzingeruch nach dem Anlassen ab. Bereits drei Stunden später klingelt dann beim Tester das Telefon: »Ihre Zylinderkopfdichtung ist wohl undicht. Es kann gut sein, daß der Motor deshalb so schlecht läuft. Sollen wir die einfach wechseln?« Der XJ 600-Fahrer stimmt lieber dem Alternativvorschlag zu: »Wir können auch alles richtig sauber machen, und dann beobachten Sie das erst mal.«Tatsächlich stößt die Werkstatt dann doch noch auf die wahre Ursache des bockigen Motorlaufs. »Ist ein Wunder, daß die überhaupt noch lief mit der Düse«, bemerkt der Chef, als der Kunde bezahlt hat. »Und dann war da auch sonst einiges zu machen. Steht alles auf der Rechnung. Deshalb müssen Sie auch ein bißchen mehr bezahlen als sonst bei der 24.000er.«Der Inspektionspreis von 580 Mark ist angesichts der erbrachten Leistung akzeptabel. Das Ergebnis kann sich nämlich sehen lassen. Der Mot-Shop Heinze lieferte von allen getesteten Yamaha-Werkstätten das beste Ergebnis ab. Der Mechaniker übersah lediglich den verstellten Scheinwerfer und korrigierte den Luftdruck im Hinterrad etwas oberflächlich. Wäre nicht, wohl aus Routine, überflüssigerweise die fast noch nagelneue Ventildeckeldichtung gewechselt worden, hätte der Kundendienst nur knapp über 500 Mark gekostet.

Motorradhaus Winckler 44135 Dortmund (Archivversion) - Jede Menge Kohle

Fehler Punkte
Bremsflüssigkeit 20
Bremslichtschalter 20
Lenkkopflager 0
Zugstange Hinterradbremse 0
Vergaserdüse 0
Probefahrt 20
Reifenluftdruck 20
Scheinwerfereinstellung 0
Kettenspannung 10
Terminverläßlichkeit 10
Krümmerschrauben 5
Zündkerzen 5
Kupplungsspiel 5
Sicherungen 0
Öl-/Filterwechsel 5
Blinkerglas 5

Summe 125

ausreichend
Anscheinend wird im Ruhrgebiet Kohle mittlerweile auch aus Geldbeuteln gefördert. »Bei der 24000er Inspektion müssen Sie mit rund 750 Mark rechnen«, wird dem XJ 600-Besitzer mitgeteilt, als er in der Werkstatt angeruft, um zu erfahren, wann das Motorrad fertig sei und wieviel Geld er mitbringen müsse.Daß die Rechnung letztlich doch etwas niedriger ausfiel, ist nur ein schwacher Trost. Obwohl bei Winckler wenig Betrieb war, arbeitete der Mechniker recht oberflächlich. Trotz einer Probefahrt von über fünf Kilometern fiel ihm das zu stramme Lenkkopflager nicht auf, ebensowenig die fehlende Motorleistung. Daß die Abstützung des hinteren Bremssattels sich jederzeit hätte in Wohlgefallen auflösen können, hätte er mit einem Blick sehen müssen, auch, daß der Scheinwerfer gnadenlos verstellt und eine falsche Sicherung eingesetzt war.Und der junge Mitarbeiter, der den Yamaha-Fahrer zur Kasse bat, machte sich noch nicht einmal die Mühe, die Rechnung richtig zu lesen. »Die Zylinderkopfdichtung wurde auch gemacht. Die war kaputt«, reimt er sich zusammen, »deshalb ist dein Motorrad so schlecht gelaufen.« Tatsächlich ist auf der Rechnung aber lediglich eine Ventildeckeldichtung aufgeführt. 716 Mark waren für das schlechteste Ergebnis aller Yamaha-Werkstätten zu zahlen. Mit 125 Punkten rettete sich die Dortmunder Niederlassung haarscharf am »Mangelhaft« vorbei.

2-Rad-Center Hallmann 59067 Hamm (Archivversion) - Die Hammer-Methode

Fehler Punkte
Bremsflüssigkeit 20
Bremslichtschalter 20
Lenkkopflager 0
Zugstange Hinterradbremse 20
Vergaserdüse 0
Probefahrt 20
Reifenluftdruck 20
Scheinwerfereinstellung 0
Kettenspannung 0
Terminverläßlichkeit 10
Krümmerschrauben 5
Zündkerzen 5
Kupplungsspiel 0
Sicherungen 0
Öl-/Filterwechsel 5
Blinkerglas 5

Summe 130

ausreichend
Das 2-Rad-Center Hallmann im westfälischen Hamm präsentiert sich als Radlerparadies, selbst auf dem Rechnungskopf ist ein Drahtesel abgebildet. Zur Motorradabteilung geht es links an dem großzügigen Fahrradsalon vorbei in den Hinterhof. In der Werkstatt schrauben drei Mechaniker an verschiedenen Motorrädern, der Chef nimmt schließlich den Auftrag an.Am nächsten Tag steht die XJ 600 bereits am frühen Nachmittag zum Abholen bereit. Der Chef empfängt den Tester: »Da war ja doch einiges dran.« Er erklärt, daß der Bremsflüssigkeitsstand zu niedrig war, die Bremsstrebe lose, der Bremslichtschalter außer Funktion und das Ventilspiel zu eng. »Läuft sie denn jetzt wieder richtig?« fragt der Tester und denkt an die lose Hauptdüse in der Schwimmerkammer. Die Antwort des Meisters läßt eher auf Ratlosigkeit schließen: »Die Vergaser saßen nicht richtig fest. Daran wird´s gelegen haben. Und der Benzinschlauch war porös. Deshalb hat die nach Benzin gerochen.«Wenigstens fiel die Rechnung vergleichsweise moderat aus. Für die geleistete Arbeit sind 429 Mark dennoch nicht wenig. Die fast fünf Kilometer lange Probefahrt war wohl eher eine Vernügungstour für den Mechaniker: Das falsch eingestellte Lenkkopflager bemerkte er ebensowenig wie das fehlende Kupplungsspiel. Auch den verdrehten Scheinwerfer und die knallstramme Kette übersah die Hammer Werkstatt.

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