Wild-Card-Fahrer Brookes düpiert in Phillip Island Supersport-Top-Favorit Curtain (Archivversion) LAST-MINUTE-TRICK

Der Australier Kevin Curtain, der für das Team Yamaha Deutschland fährt, hatte den richtigen Riecher: »Vier Aussies in der ersten Startreihe von Phillip Island, das wird ein ganz heißer Tanz. Vor allem aber müssen wir auf Joshua Brookes aufpassen. Der hat als Wild-Card-Fahrer nichts zu verlieren.« Trotz heftigster Gegnerschaft auch der beiden anderen lokalen Helden, dem Ten-Kate-Honda-Duo Karl Muggeridge/Broc Parkes, hatte der alte Fuchs Curtain auf Startplatz zwei hinter Muggeridge nur ein Ziel – den Sieg.
Tatsächlich konnte außer dem enorm erfahrenen WM-Tabellenführer Jürgen van den Goorbergh aus dem Yamaha-Italia-Team niemand mit dem Aussie-Quartett mithalten, leider auch nicht Curtains Teamkollege Christian Kellner, der seine R6 mit einem Schaltdefekt abstellen musste.
»Gegen Rennmitte habe ich meine Strategie umgestellt«, erinnerte sich Curtain, »ursprünglich wollte ich einfach in
der Spitzengruppe mitrollen, um spät entscheidend zuzuschlagen. Aber da vorn
war einfach zu viel los. So habe ich etwas
forciert.« Der Yamaha-Fahrer sprengte die Führungsgruppe, lediglich der unbekümmerte »Josh« Brookes konnte die Attacke mitgehen. Bereits in der letzten Runde schien der Plan des Phillip-Island-Intimus Curtain aufgegangen zu sein. Da war er vorn, und in Phillip Island gewinnt ganz entgegen der landläufigen Meinung meist, wer als Erster auf die Zielgerade einbiegt. »Denn die Ziellinie kommt sehr spät, aber immer wieder früher als du denkst und gut zehn Meter vor der Startlinie. Die können entscheidend sein«, dozierte Curtain.
Das einzige Problem war, dass Josh Brookes selbst mit jungen 20 Jahren schon über ganz erhebliche Phillip-Island-Erfahrung verfügt und den verdutzten Yamaha-Helden ausgerechnet an der Schüsselstelle, der langsamen Rechts nach dem Lucky-Heights-Hügel, austrickste, als der Routinier innen ein Tick zu viel Platz ließ. Um 25 Tausendstelsekunden war Brookes auf der Ziellinie vorn.
Während der deutsche Nachwuchsmann Max Neukirchner seine Klaffi-Honda bravourös auf Rang acht ins Ziel jagte, blieb Kevin Curtain nur die gute Miene zum bösen Spiel. »Brooksy ist zum Glück noch nicht für die WM relevant. Was die Tabelle angeht, habe ich auf alle Gegner Boden gut gemacht.« Das Argument überzeugt, Curtains Blick beim Sprechen tat es nicht.
In den beiden Rennen zur Superbike-WM verteidigten die Aussies ebenfalls
ihre Bastion Phillip Island. Zwar mussten sie Pole Position und den Sieg im ersten Lauf an Ducati-Werksfahrer Régis Laconi abtreten. Doch der ursprüngliche Nummer-eins-Favorit verlässt Down under als Loser, im zweiten Rennen stürzte er mit über
vier Sekunden Vorsprung in Führung. Den
Sieg staubte der australische Superbike-
Neuling Garry McCoy ab, nachdem sein Landsmann und Ducati-999-Kollege Steve Martin wegen Motorschaden aufgeben musste. Punktsieger aber wurde Ten-Kate-Honda-Fireblade-Solist Chris Vermeulen, selbstverständlich auch Aussie, mit zwei sauberen zweiten Plätzen. mtr

www.worldsbk.com

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote