Windkanal im Zubehör-Laden (Archivversion) Frischer Wind

Ein engagierter Braunschweiger Motorrad-Zubehörhändler hat in seinem Laden einen kleinen Windkanal für seine Kunden eingerichtet.

Das Klagen der Händler über das
Ausbleiben der Kunden ist groß. Da macht die Motorradbranche keine Ausnahme. Holger Blume, 39, klagt nicht. Er versucht, mit pfiffigen Ideen die Leute in seinen Laden zu locken. Im Riders Point, Daimlerstraße 5 in Braunschweig, kann man Motorradhelme nach Herzenslust ausprobieren. Nicht sie sich einfach nur über den Kopf stülpen, sondern in einem kleinen Windkanal hat der Kunde die Möglichkeit, bei Windgeschwindigkeiten von rund 105 km/h die unterschiedlichen Modelle zu vergleichen. Und: »Auch für Bekleidung wie Leder- oder Textiljacken nutzen die Kunden den Kanal«, weiß Blume. »Damit lässt sich nämlich die Flatterneigung ebenfalls hervorragend überprüfen.«
Inmitten der kleinen Kabine, über deren Tür ein großes Leuchtschild mit der Aufschrift »Windkanal« prangt, befindet sich ein Stahlgerüst, auf das Holger Blume eine Motorradsitzbank und einen Lenker montiert hat. Die Bedienung der Windturbine erfolgt über einen an den rechten Lenkerarmaturen angebrachten Druckknopf. Sobald der Kunde den Knopf loslässt, stoppt das Gebläse wieder.
Der Autor hat den Service für die Kunden bei einem Besuch in Braunschweig ausprobiert und seinen behelmten Kopf
in den Wind gesteckt. Bereits wenige Sekunden nach Betätigen des Starters bläst es in der Kabine ganz schön heftig. Direkt vor dem Ausgang der im Durchmesser
0,5 Meter messenden Röhre strömt die Luft erstaunlich gleichmäßig. Logisch, dass der kleine Windkanal nicht mit dem ebenfalls in Braunschweig stehenden High-
tech-Kanal von Helmhersteller Schuberth mithalten kann, doch für vergleichende
Zwecke der Kunden taugt Blumes Kabine sehr wohl. So lassen sich dort in aller Ruhe
und ohne dass die Aufmerksamkeit wie
bei einer Probefahrt durch den Straßenver-kehr abgelenkt wird verschiedene Helme beispielsweise auf ihre Belüftungsfunk-
tion oder auftretende Pfeifgeräusche beim Kopfdrehen untersuchen.
Die Idee zu dem Windkanal im Laden kam dem gelernten Maschinenschlosser, der schon seit Anfang der 90er Jahre einen eigenen Motorrad-Zubehörshop betreibt, während einer Händlerschulung, im Rahmen derer unter anderem Helmanproben im Windkanal auf dem Programm standen. »Das müsste doch in kleinerer Ausführung auch in einem Laden möglich sein«, dachte sich Holger Blume.
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Strömungstechnik der TU Braunschweig hat Blume seine Idee verwirklicht. Seit Februar dieses Jahres steht die komplett gekapselte Kabine in einer Ecke seines Shops und erfreut sich reger Nutzung.
Bis allerdings das richtige Gebläse, die ideale Windgeschwindigkeit und räumliche Anordnung der Kabine samt optimierter Führung des Luftstroms gefunden war, verging reichlich Zeit. MOTORRAD findet, dass der Aufwand sich gelohnt hat. Die Kunden profitieren ganz entscheidend von dem exklusiven Service-Angebot.

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