«Wir interessieren uns für alle Bauteile, die besonders leicht sind“ (Archivversion) «Wir interessieren uns für alle Bauteile, die besonders leicht sind“

General Motors’ Vizepräsident Peter H. Hanenberger gab Auskunft darüber, warum Motorradtechnik auch für Pkw nützlich sein kann

Sie haben Ihre Entwicklungs-Ingenieure angewiesen, Motorrad-Technik zu studieren und zu analysieren. Warum?Weil die Konstrukteure von Automobil-Motoren von der Triebwerkstechnik, wie sie in der Motorradindustrie üblich ist, gelernt haben und noch lernen können. Die Vierventiltechnik, gerade bei hubraumkleinen Motoren, wurde als Großserie zuerst im Motorrad realisiert. Bemerkenswert ist außerdem die hohe Literleistung moderner Motorrad-Motoren und ihre vergleichsweise niedrigen mechanischen Geräusche, die auf sehr geringe Fertigungstoleranzen schließen lassen. Auch das Auspuffgeräusch ist in Relation zum insgesamt sehr kurzen System und zur Größe der Schalldämpfer erstaunlich niedrig. Schließlich interessieren uns auch die kompakten Abmessungen der Zweirad-Triebwerke und die filigrane und trotzdem robuste Ausführung einzelner Bauteile.Welche Bauteile betrifft das konkret?Das betrifft beim Motor in erster Linie den Ventiltrieb sowie Kolben und Pleuel. Ansonsten interessieren wir uns für alle Bauteile, die besonders leicht sind, darunter vor allem die Bremsanlagen.Gibt es auch Bauteile und Baugruppen beim Motorrad, die nicht nur Gewicht, Bauraum oder Produktionskosten sparen, und über die trotzdem im Automobilbau nachgedacht werden sollte?In diesem Bereich gilt unser Augenmerk in erster Linie dem sequentiell zu schaltenden Getriebe, dessen Betätigung wir uns auch elektrisch oder elektronisch vorstellen können, den in allen Bereichen niedrigen Bedienungskräften sowie der Konstruktion und dem Querschnitt der Reifen.Wie fruchtbar ist diesbezüglich die Zusammenarbeit mit dem Motorradhersteller Suzuki, bei dem GM mit fünf Prozent beteiligt ist?Die intensivere Zusammenarbeit mit der Firma Suzuki hat gerade erst begonnen.Können Sie sich auch die umgekehrte Entwicklung vorstellen? Was können die Motorradbauer von den Auto-Leuten lernen?Die Motorradbauer können bei den Automobil-Konstrukteuren Dinge lernen, die einen günstigeren Benzinverbrauch und eine effizientere Abgasreinigung mit sich bringen. In diesem Rahmen sehe ich die Verwendung von Einspritzanlagen und Katalysatoren sowie eine günstigere Aerodynamik.Wird der Kleinwagen der Zukunft ein Zwitter aus Auto und Motorrad sein?Diese Annäherung sehe ich nicht. Sie wäre auch im Hinblick auf Fahrspaß und Erlebnisdimension nicht wünschenswert. Ich bin der Meinung, daß Auto wie Motorrad separat weiterentwickelt und optimiert werden sollten.Haben Sie einen drei- oder gar zweirädrigen Opel oder GM in Ihrer Entwicklungsabteilung herumstehen? Immerhin hat Opel bis 1932 Einzylinder-Motorräder produziert.Wir verfügen im Werk noch über ein paar Opel Zweirad-Oldtimer. Fahrzeuge der von Ihnen beschriebenen Art gibt es bei uns jedoch nicht.

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