Wir tun was! Aber genug? (Archivversion) Wir tun was! Aber genug?

Die Töne in der Motorradszene werden rüder. Die der Bikes und jetzt auch die der Biker. Da schreibt Leser Fritz Nokelski aus Diekholzen genervt: So langsam kann ich das Wort »Streckensperrung« nicht mehr hören. Wem verdanken wir denn diese Behinderung? Unseren zehn Prozent an Krawallbrüdern, denen auch Sie (gemeint ist die Zeitschrift MOTOTRRAD) nicht den Kampf ansagen. Wenn der Auspuff nicht stimmt, Anzeige erstatten!«Und Leser Rust aus Düren setzt erbost noch eins drauf, wenn er in seinem Brief polemisiert »... ich halte mehr von regelmäßiger Anwesenheit der Polizei. Und die, die meinen, dennoch rasen zu müssen und gleichzeitig die restlichen Biker durch ihr besch... Verhalten in Mißkredit bringen, müßten vom Staat derart den Kopf gewaschen kriegen, daß kein Helm der Welt mehr paßt!«Einzelstimmen chronischer Nörgler in Deutschlands Motorradszene? Nestbeschmutzer gar, die den falschen Gegner aufspießen? Ich meine: nein. Sieben Jahre betreibe ich jetzt den Job des Chefredakteurs von MOTORRAD mit heute 900 000 Lesern pro Ausgabe. Und da bekommt man ein ganz gutes Gefühl für die Strömungen in der Szene, in der eben auch Emotionen ihren Platz haben, ja haben müssen. Traurige Wahrheit ist heute, daß immer mehr Strecken vor allem in reizvoller Landschaft von Sperrungen betroffen oder bedroht sind. Ein Trend, der so nicht weitergehen und dem man mit einer noch so gutgemeinten IVM-Aktion »Laut ist out« in Wahrheit nicht wirkungsvoll das Wasser abgraben kann.Damit kein Zweifel aufkommt: Ich halte Streckensperrungen generell für rechtswidrig, weil so durch die Hintertür das Millionenheer der motorisierten Verkehrsteilnehmer in eine gute Kaste (die Autofahrer) und in eine böse Kaste (die Motorradfahrer) eingeteilt wird. Wo Verbote locker verhängt und wirkungsvolle Kontrollen als zu anstrengend empfunden werden, beginnt die blanke Willkür, wird auch die große Mehrheit der Unschuldigen »bestraft«. Und das Argument, Motorradfahrer führen ja nur zu ihrem Vergnügen, Autofahrer dagegen oft aus guten Gründen - etwa beruflich -, halte ich in diesem Zusammenhang auch für ziemlich doof. Denn die meisten Streckensperrungen für Biker gelten nur an Wochenenden. Und welche Autofahrer - außer Pfarrern, Gastwirten oder Post- und Bahnbediensteten - fahren am Wochenende nicht zum Vergnügen?Unabhängig von diesen Vernunftgründen halte ich es aber für höchste Zeit, daß wir Motorradfahrer uns jener laut rasenden Hornochsen in den eigenen Reihen deutlich kritischer annehmen müssen als in der Vergangenheit. Denn die Umwelt reagiert heute empfindlicher - vor allem auf Lärm. Und wir wollen schließlich auch in zehn Jahren noch immer und überall Motorrad fahren. Es grüßt Sie herzlichstIhr

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