World Ducati Weekend (Archivversion) Sie sahen rot

Ducati rief und die Fans eilten herbei. Rund um Rimini an der Adria feierten über 5000 Ducatisti sich und die Marke.

Die Liebe zur Marke kennt keine Grenzen. Zumindest keine Landesgrenzen. Zahlreich strömten die Fans aus aller Herren Länder herbei, als die Bologneser Marke ihre Anhänger zur Riesenparty nach Misano an die Rennstrecke einludt. Das World Ducati Weekend am zweiten Juniwochenende strafte alle Zweifler Lügen, die da glaubten, es gäbe ein heilloses Chaos. In der Tat hatte es im Vorfeld einige Irritationen gegeben. Die Bologneser hatten den Ducati Club Austria gebeten, Rennläufe nach Vorbild der Speedweek zu organisieren, konnten sich aber mit deren Vorstellungen von straffer Durchführung und Sicherheitsbestreben nicht anfreunden. Also doch Chaos? »Wir wollten möglichst viele Teilnehmer auf die Strecke lassen. Deswegen sind wir vom Renngedanken wieder abgekommen«, sagt Franco, schwingt sich auf seine 916 und winkt seiner kleinen Truppe von Ducatisti, allesamt auf ihren privaten, meist knallroten V2 angereist, sich hinter ihm auf die Strecke einzufädeln. Francesco ist einer der vom Werk engagierten Guides, die die heißen Jungs grüppchenweise auf der Rennstrecke anleiten. Aber nur eine Runde lang, dann ist freies Blasen angesagt. Klar, daß dabei etliche auf die Nase fielen. Doch niemand kam zu Schaden. Und um zermürbte Verkleidungen und anderen Materialverbrauch kümmerte sich eine eigens angeheuerte Schraubercrew. War die Duc wieder flott, ging’s abends ab auf die Meile. Vor den Kneipen an der Adria bildeten sich wahre rote Fanclubs, die in Jubel ausbrachen, wenn sich eine Ducati bollernd näherte; Japanbike-Fahrer ernteten dagegen schon mal Pfiffe. Bis tief in die Nacht dröhnte der trockene Pompon der V2 durch die Straßen.Stefan aus Hamburg, einer von 700 angereisten Deutschen, schaut dagegen fast ein wenig traurig auf die Kohlefasertöpfe seiner SPS: »Gegen den Formel 1 vom Tuero hat meine Duc ja fast Flüstertüten.« Der Unternehmensberater meint den Formel 1-Challenge, der am Samstag nachmittag noch den letzten Königswellenbeschwörer an die Strecke lockte. Dort übertönte der Ford Minardi des argentinischen Fahrers Esteban Tuero die vier Ducs der Werkspiloten Casoli, Fogarty, Chili und Corser zwar bei weitem. Dafür ließ der Vierradpilot den Zweiradfahrern auf dem Circuit den Vortritt und heulte mit seinem Formel 1-Boliden gemütlich hinter den V2-Rennmaschinen hinterher. Ihren »Sieg« feierten die Ducati-Piloten hernach mit umjubelten Wheelies entlang der Zielgeraden. That`s Showbusiness. Damit nicht genug: Auf der Ducati University lernten die Fans Technik in mehreren Sprachen, es gab einen Teilemarkt, Livebands auf der Riesenbühne und doch noch ein Rennen - auf Minibikes. Derweil hatte andernorts das WDW einen eher besinnlichen Anfang genommen: mit der Eröffnung des neuen Werks-Museums im nahen Bologna. Auf 1000 Quadratmetern präsentierte Ducati einen perfekten historischen Abriß von der Einzylinder-Marianna bis hin zu den Superbike-Boliden der heutigen Tage. Die Fans konnten in kleinen Gruppen durch die heiligen Hallen wandeln, deren offizielle Eröffnung erst Mitte Juli stattfindet, und der lebenden Legende Dottor Fabio Taglioni die Ehre erweisen.Das Treffen beschloß ein zwölf Kilometer langer Motorrad-Corso, der sich am Sonntag von Rimini nach Bologna schlängelte, wo die Fangemeinde noch ein Konzert der Simple Minds goutierte. Die Musik der Rockstars machte Ducati-Boß Federico Minoli ganz freudselig: »Es war ein großes, friedliches und vergnügtes Fest, wir danken allen Ducati-Fahrern, denn es war eine Ehre, sie zu Gast zu haben. Nächstes Jahr sehen wir uns wieder.“

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