World Games 2005 (Archivversion) Bauernopfer

Für einige Wochen durften sich die
Trialfahrer wie Könige fühlen. Nie
zuvor wurde der sonst wenig beachteten Randsportart so viel Aufmerksamkeit geschenkt, wie in der Zeit vor dem 22. und 23. Juli 2005. An diesen beiden Tagen balgten sich die weltbesten Trialfahrer in der König Pilsener Arena in Oberhausen bei den so genannten World Games um die Vergabe der ersten Medaillen, die es von einer internationalen Sportvereinigung für Motorsportler zu gewinnen gab. Doch sie stritten nicht nur um das Edelmetall, der wirkliche Kampf wurde fern der Hindernisse und Sektionen ausgetragen. Hinter den Kulissen war das Ziel dieser Präsen-
tation die Aufnahme des Motorradsport-Weltverbands FIM in die International World Games Association (IWGA). Damit verbunden: mehr Anerkennung und finanzielle Förderung für den Motorradsport.
Dass sich die FIM gerade Indoor-Trial als Werkzeug für dieses Vorhaben ausgesucht hat, wundert wenig. Diese Disziplin ist zuschauerfreundlich, mit überschau-
barem Organisationsaufwand durchführ-
bar und vor allem medien-, insbesondere fernsehtauglich. Ideale Voraussetzungen also, um eine Mitgliedschaft in der World-
Games-Vereinigung zu erlangen?
Von sportlicher Seite schon, Trialfahrer sind es schließlich gewohnt, Hindernisse zu meistern. Und so meisterten sie auch den kurzfristigen und überraschenden Aufstieg vom Bauern zum König innerhalb der FIM-Disziplinen. Doch auf sportpolitischer Seite scheint es keine Trialfahrer oder
-Fans zu geben. Da hilft es wenig, dass
die beiden Indoor-Trials mit knapp 10000
Zuschauern zu den bestbesuchten Ver-
anstaltungen der World Games 2005 zählten. Zwar zeigte sich IWGA-Vizepräsident
Roland Hilfiker von der Darstellung der FIM sichtlich angetan, dämpfte aber dennoch die Erwartungen.
»Was eine IWGA-Mitgliedschaft angeht, wurde die FIM bereits im Dezember 2004 informiert, dass eine Aufnahme zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Frage kommen kann. Die IWGA hat einen Aufschub der Aufnahmegesuche internationaler Sportverbände ausgesprochen und wird nun versuchen, die sportlichen Inhalte der World Games ab 2009 mit der nötigen
Umsicht zu definieren. Bereits vor den Spielen in Duisburg wurde von den Verantwortlichen festgestellt, dass ein Wachstum ins Grenzenlose das Konzept der World Games gefährden würde und es vorab gilt, eine klare und zukunftsträchtige Politik zu etablieren«, so Roland Hilfiker mit tragenden Worten.
Im Klartext: Trial beziehungsweise der Motorsport ist im olympischen Zirkel durchgefallen. Und das ohne überzeugende Argumente, sondern aus prinzipiellen Gründen. In besagter Zukunftspolitik der IWGA wird die FIM also vorerst keine Rolle spielen. Da bereits die Vorstufe IWGA
offensichtlich ein unüberwindbares Hindernis für die FIM darstellt, müssen selbst
die größten Optimisten ihren Traum vom Motorradsport bei den Olympischen Spielen zunächst einmal fallen lassen wie ein faul gewordenes Ei. hg

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