X-Race in Misano/Italien (Archivversion) Ganz nah dran

Ein Riesenfest beschloß in Italien die Motorradsport-Saison. Mit Stars und Sternchen aus allen Disziplinen. Auf zwei oder vier Rädern. Auf der Straße und auch im Gelände - zudem alles hautnah und zum Anfassen.

Wo gibt’s das schon? Ein Grand Prix-Fahrerlager, das wirklich allen offensteht, egal ob Pilot, Techniker, Journalist oder Rennsportfan. Doch kaum drin, wird man fast von einem Roller umgenietet. Der Fahrer kommt einem bekannt vor und entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Luca Cadalora. In seinem Schlepptau befindet sich Ex-GP-Pilot Randy Mamola; die beiden sind zwischen zwei Rennen unterwegs, um die vielgerühmte MV Agusta näher unter die Lupe zu nehmen, die mitten im Fahrerlager im offenen Hospitality-Zelt von Lederkombi-Gigant Dainese steht.So geschehen beim X-Race, einer großen Fete zum Abschluß der Rennsaison, die Anfang November in Misano an der italienischen Adria-Küste über die Bühne ging. Veranstalter Loris Reggiani, früher selbst erfolgreicher Rennfahrer und heute Manager von Shooting-Star Marco Melandri, hatte vier verschiedene Kurse ins Gelände um die GP-Piste gezaubert: einen Super Moto-Parcours, eine Moto Cross-Strecke, einen Auto-Rallye-Parcours und eine Kartbahn. Rennen gab es denn auch zuhauf, vom internationalen Super Moto-Lauf über die italienische Dragster-Meisterschaft, Cross-Marken-Cups und Kart-Langstreckenrennen bis hin zu den frenetisch gefeierten Höhepunkten: den Rennen um den X-Race-Cup für den vielseitigsten des angetreteten Fahreradels. So maßen sich denn Rennsport-Asse wie Valentino Rossi, Marco Melandri, Loris Capirossi, Pierfrancesco Chili, Marcellino Lucchi und die Brüder Aoki sowie die Altstars Randy Mamola, Marco Lucchinelli und Kevin Schwantz beim Softcross und beim Kartrennen, mit 600er Fiats auf der Rallye-Strecke und mit Formel Campus-Rennwagen von Renault auf der Asphaltpiste. Besonders unterhaltsam fand das Publikum naturgemäß den sturzbedrohten Cross-Kampf der Giganten. Der amtierende Cross-Weltmeister Alessio Chiodi hielt sich brav zurück und fuhr seinen Straßenkollegen nicht gleich von vornherein davon. Die Youngsters Rossi und Melandri gingen gemeinsam zu Boden, Kevin Schwantz hielt sich bravourös, während Randy Mamola wegrutschte – aber wie in alten Zeiten den Lenker auch im Fallen nicht losließ und immerhin noch als Drittletzter ins Ziel kam. Den Cup gewann am Ende Publikumsliebing Valentino Rossi, sehr zur Freude der zahlreichen jungen Mädchen, die in wahren Schwärmen Autogrammjagd auf ihn machten. Bei allen Rennen war das Publikum hautnah dabei, denn die Veranstalter beschränkten Zäune und Sperren auf die echten Gefahrenzonen, ansonsten war der Zugang überall frei, die mehr als 20000 Besucher daher aus gutem Grund begeistert. Die angetreten VIP-Piloten standen ihnen in Sachen Spaß an der Freude nicht nach – daß sie den Wettkampf ohne WM-Streß genossen, war allen anzusehen. »Es ist phantastisch hier«, meinte Aprilia-Pilot Marcellino Lucchi, der in diesem Jahr im stolzen Alter von 41 seinen ersten Grand Prix gewonnen hatte. »So etwas hat wirklich gefehlt.” Ein erschöpfter, aber zufriedener Loris Reggiani kündigte die Fortsetzung im nächsten Jahr an – dann hoffentlich mit etwas mehr deutscher Beteiligung.

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