Youngtimer-Test: BMW R 80 G/S Mama G/S

Die BMW R 80 G/S schrieb Geschichte und tut es noch heute. Die Faszination für die erste Enduro mit Mehrzylindermotor ist 30 Jahre nach Produktionsstart ungebrochen.

Dieses Motorrad ist wie ein Infekt, seit 1980 schwappt die Begeisterung von
Bayern aus über ganz Deutschland. BMW landete mit der R 80 G/S punktgenau in einer bislang unbesetzten Nische: eine Maschine für Gelände und Straße gleichermaßen. Trotz der beachtlichen Sitzhöhe von 860 Millimetern, geraten auch kleine Biker nicht ins Fußeln. Beim Anfahren fällt die leichtgängige, sahnige Kupplung auf. Die 50 PS des Boxers wirken zwar etwas mager, garantieren jedoch einen flotten Strich - nicht zuletzt ein Verdienst der gelungenen Getriebeabstufung. Freudig nimmt die G/S die ersten Kehren der ansteigenden Landstraße, in Schräglage bleibt sie neutral. Es wirkt fast so, als könne man freihändig fahren. Bei forcierter Gangart jedoch verwindet sich die Gabel und gerät daher ins Stuckern. Ein Gabelstabilisator wäre hier sinnvoll, auch wegen der Einzelscheibe vorn, die zudem mit Fading zu kämpfen hat. Die Trommelbremse am Hinterrad arbeitet hingegen zuverlässig. Auf langen Geraden lässt sich die BMW manierlich aufdrehen und bleibt auch bei hohem Tempo stabil auf Kurs. Nimmt man allerdings in Schräglage das Gas weg, sackt die Bayerin zusammen und beginnt zu pendeln. Auch im Gelände ist die flexible G/S zuhause: Wie eine Bergziege erklettert sie abseits der Straße geröllhaltige Anstiege. Erst in langsamen, kniffligen Passagen, wünscht man sich eine kürzere Übersetzung. Auf extrem zerfurchtem Untergrund ist das Heck kaum zu bändigen - Ursachen sind die weiche Feder und die zu geringe Dämpfung. Die R 80 G/S ist ein schnörkelloses Multitool, das inzwischen teuer gehandelt wird. Auch die aktuelle Nachfolgerin, die R 1200 GS ist ein tolles Motorrad - aber wer braucht angesichts dieses zeitlos schönen Urahns schon ABS, Bordcomputer und ein elektronisch einstellbares Fahrwerk? (mk)
? Extrem handlich? Angenehme Sitzposition? Liegt neutral in Schräglage? Stabil bei hohem Tempo? Boxer-Motor mit gleichmäßiger
Leistungsentfaltung? Gute Getriebeabstufung
? Fahrstuhleffekt? Schwache Vorderbremse
erfordert viel Handkraft? Zu geringe Zugstufendämpfung? Gabel verwindet sich
1465 mm
860 mm
19,8 Liter
196 kg
Buell XB12X Ulysses
Ab 2006 war der 94 PS starke Langhuber mit Zahnriemenantrieb auf dem Markt. Die Enduro ist leicht und bietet hohen Sitzkomfort. Preis: 11 799 Euro
Honda Varadero 1000
Seit 1999 schicken die Japaner die Honda Varadero ins Rennen. Der Zweizylinder bewegt seine 267 Kilogramm sänftengleich. Preis: 11 190 Euro
Yamaha XTZ 750 Super Ténéré
1989 war der Zweizylinder-Motor der Super Ténéré mit 70 PS der stärkste und manierlichste Enduroantrieb. Abzug beim Fahrwerk. Preis: 6432 Euro
Die G/S liebt es, selbst kleinste Lücken im Stadtverkehr zu nutzen. U-Turns sind für den Klassiker ein Kinderspiel. Die schlanke Maschine gibt sich deutlich handlicher als die immer schwerer gewordenen Nachfolger der GS-Reihe. Die schlichten Formen ziehen die Blicke von Motorrad-Kennern auf sich.
In Kurven verhält sich die leichtfüßige BMW neutral, solange man am Gas bleibt. Auch bei hohem Tempo fährt
sie spurgenau. Dem Auf und Ab beim
Gasgeben und -wegnehmen verdankt
sie den Spitznamen "Gummikuh. Eine Doppelgelenkschwinge behob dieses Problem bei den Nachfolgemodellen.
Der Geräuschpegel ist nur mit Ohrenstöpseln zu ertragen. Die Fahrstabilität geht bei niedrigem Tempo in Ordnung, bei hohem Tempo raubt sie auf der Autobahn den Fahrspaß. Der Zweiventil-Motor entfaltet seine Leistung harmonisch, wirkt nach heutigen Maßstäben aber recht träge.
Motor
Der Boxer dreht eher verhalten bis zum Limit bei 7000/min. Die Leistungsentfaltung ist harmonisch, gelegentliche Lastwechselschläge nerven.
Fahrwerk
Komfortable Fahrwerksabstimmung und hohe Fahrstabilität bei niedriger Geschwindigkeit. Bei hohem Tempo beginnt die Maschine zu pendeln.
Bremsen
Die Einzelscheibenbremse am
Vorderrad erfordert viel Kraft
bei wenig Wirkung. Eine zweite
Scheibe wäre gut.
Ausstattung
Ein gutes Motorrad braucht
keinen Schnickschnack. Extras wie Drehzahlmesser und Gepäckbrücke gab es nur gegen Aufpreis.
Komfort
In den Sattel der G/S steigt man dank angenehmer Sitzposition gern. Die feuerrote Sitzbank ist auch auf langer Fahrt bequem. Kein Windschutz.
Einsteigertauglichkeit
Die G/S fährt sich angenehm und unkompliziert. Die verwindungsfreudige Gabel und die lasche Bremse taugen jedoch weniger für Anfänger.

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