Zehn-Jahres-Treffen der Biker Union (Archivversion) 10 Jahre Vollgas

Zehn Jahre Biker Union! Noch ein Grund mehr, auch in diesem Jahr wieder eine Riesen-Fete vom Stapel zu lassen. Und das bei jedem Wetter!

Am Revers des Staubmantels prangt ein roter Button: »Security«. Dann kommen Schultern, breit wie ein Garagentor, und ganz oben ein freundliches Gesicht: »Ich bin der Herbert«, lächelt es aus knapp zwei Metern Höhe herunter. Das ist gut so, denn wenn Herbert mal aufhört zu lächeln, wird es garantiert ziemlich ungemütlich. Herbert, so informiert uns eine weitere Anstecknadel, ist »President of the Sky Riders« aus Weilheim und sorgt für Ordnung.Ordnung muß schließlich sein, wenn eine Riesenhorde Biker ein Wochenende lang mit einigen Hektolitern Bier kombiniert wird. Die Biker Union (BU) lud zu ihrem 10. Jahrestreffen, das nun schon zum fünften Mal mit einer gigantischen Drei-Tages-Fete auf der Natur-Rennstrecke am »Schleizer Dreieck« einhergeht. »Bei unserem ersten Treffen 1987«, kommentiert BU-Vorstandsmitglied Jürgen Zilz, »war nur eine Handvoll Leute dabei - heute sind es ein paar mehr.« Rund 12000 fanden auch dieses Jahr wieder den Weg zu Deutschlands mittlerweile größtem Motorrad-Treffen.Herbert und seine Kumpels haben die Sache trotzdem im Griff. Ruhig, aber unmißverständlich erklären sie jedem potentiellen Störenfried, wo der Spaß aufhört und der Ernst beginnt, und so überlassen auch die Übermütigsten das Radaumachen weitgehend ihren Motorrädern: Den lieben langen Tag vergnügt man sich mit dem planmäßigen Produzieren von Fehlzündungen, was zwar schlecht für den Motor, aber immer wieder gut für einen Lacher der umstehenden Ohrenzeugen ist. Biker sind halt lebensfrohe Menschen.Deshalb lassen sie sich ihre Party auch nicht durch ein bißchen Regen vermasseln - die halbe Nacht lang schüttet es wie aus Eimern und den Tag darauf vergleichsweise mäßig, aber regelmäßig. Den definitiven Kommentar spricht ein Neuankömmling, als er triefnaß von seiner Harley herabklettert: »Petrus ist Autofahrer.«Wahrscheinlich ist Petrus auch Wohnwagen-Besitzer. Den quadratkilometergroßen Zeltplatz hat er jedenfalls ohne Gnade in eine Schlammwüste verwandelt, was aber so schlimm auch wieder nicht ist, weil zum Schlafen ohnehin kaum Zeit bleibt.Kalle aus Kassel kann da als repräsentativ gelten: Die Freitagnacht dauerte für ihn bis Samstag morgen um fünf. So lange ging ein Programm aus grundsolider Rockmusik und weniger soliden Darbietungen von anfangs leicht und später gar nicht mehr bekleideten jungen Damen über die Bühne. Danch hat er sich eine Stunde aufs Ohr gelegt - dann war seine Schlafstatt durchgeweicht und außerdem schon wieder ein Stakkato aus 1000 Auspuffrohren in der Luft.Jetzt steht Kalle an der Zielgeraden der Rennstrecke und läßt sich von einem französischen Stunt-Fahrer demonstrieren, was man mit dem Motorrad alles nicht machen darf. Zum Beispiel auf dem Lenker sitzen und ein Wheelie machen. Das Publikum rast und zeigt rückhaltslos seine Bewunderung: »Also, ich würd’ beim ersten Versuch auf die Fresse fliegen«, würdigt ein Fachmann die Vorführung, und ein anderer Experte erkennt sogleich den höheren Nutzen der ausgefeilten Fahrtechnik: »Den kriegt keiner mehr, wenn dem die Bullen hinterherfahren.«Die Ordnungshüter machen aber auch gar keinen Versuch. Statt dessen schweben sie im Hubschrauber über den Dingen herum und beschränken sich ansonsten darauf, die Alkoholkontrollen an den Zufahrtstraßen zu verschärfen, was leider mehr als notwendig ist. Zwar mahnen die Leute von der Biker Union jeden, der das Gelände verläßt, erstens nüchtern, zweitens nur mit Helm und drittens vorsichtig zu fahren, doch nicht alle hören ihnen offenbar zu. Wer allerdings die Schuld trägt, als am Freitag abend ein Kawasaki-Fahrer mit einem Lieferwagen zusammenstößt und noch am Unfallort stirbt, ist bis heute nicht geklärt.Die Veranstalter, das weiß auch Jürgen Zilz, trifft daran keine Schuld. »Wir können eben«, meint er traurig, »nur innerhalb des Geländes für Sicherheit sorgen.« Am liebsten aber, so scheint es, würde er jeden Besucher persönlich daran erinnern, daß er ihn auch im nächsten Jahr gesund wiedersehen möchte.

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