Zerbi, Francesco: Interview (Archivversion) «500er sollen 500er bleiben“

Superbike-Promoter Maurizio Flammini reklamiert die großen Viertakter für sich.

Herr Flammini, bedrohen die von der Industrie ab 2001 gewünschten High Tech-Viertakter im Grand Prix die Existenz der Superbike-WM?Das wäre sehr dumm für den gesamten Motorradrennsport. Denn was hätte neben der hervorragend funktionierenden Superbike-WM eine zweite Serie mit technisch verwandten Viertakt-Maschinen für einen Sinn? Das würden die Fans nicht verstehen. Und ganz abgesehen davon, 1000er Viertakt-Prototypen würden die Kosten explodieren lassen, wären extrem gefährlich und kaum noch fahrbar mit ihren weit über 200 PS. Wer sollte solche Motorräder überhaupt bauen? Honda würde das sicher machen, Yamaha vielleicht, aber wie sieht`s bei Kawasaki und Suzuki aus? Nein, wir müssen alle zusammen eine Lösung finden, welche die Existenz von Grand Prix und Superbike-WM garantiert und den Erfolg beider Serien weiter vergrößert.Wie müßte so ein Reglement aussehen?Der Grand Prix hat ein wunderbares, in über 50 Jahren gewachsenes Markenzeichen. Das ist die Bezeichnung »500 cm³«. Und in diesem Markenzeichen liegt meines Erachtens auch der Schlüssel für die Viertakt-Zukunft im GP. Die 500er sollen 500er bleiben. Selbst wenn sie 550 oder 590 cm3 hätten, wäre das für mich immer noch 500er. Solche Maschinen mit reinrassiger Viertakt-Renntechnik wären noch fahrbar, technisch extrem und daher auch hochinteressant. Sie wären wahrscheinlich sogar immer noch einen Tick schneller als von Serienmaschinen abstammende 750 cm³-Superbikes, aber das wäre mir egal. Die Top-GP-Klasse kann ruhig auch weiterhin die schnellste Motorradklasse sein. Aber sie darf nicht mit mörderischen Monster Bikes die Gefahr des Niedergangs des gesamten Sports in sich tragen.Und um die Kosten für die 500er Viertakter in erträglichen Grenzen zu halten, könnte man auch noch über Verbrauchs- und Gewichtsgrenzen reden.Was würde passieren, wenn es doch zu den sogenannten Monster-Bikes und infolgedessen zur Verschmelzung der beiden existierenden WM-Serien kommen würde, deren Verträge mit dem Weltverband FIM jeweils noch bis zum Jahr 2006 laufen?Das wäre der Super-GAU, den es zu vermeiden gilt. Und ich bin da auch sehr optimistisch, weil wir es in fast allen Instanzen mit vernünftigen Menschen zu tun haben, die wissen, was auf dem Spiel steht. ? Wenn es aber dennoch so weit kommen sollte? Dann werden wir einen formidablen Wirtschaftskrieg um die Rechte für die übrigbleibende Serie erleben. Und ich kann ihnen versichern, daß die Flammini Group mit ihrem neuen Partner Octagon Motorsports, hinter dem ja mit IPG-Inter Public eine der weltweit größten Gesellschaften in der Werbe- und Marketingbranche mit über 20 Milliarden Umsatz steht, für diesen Fall bestens gerüstet wäre.Aber wir dürfen es gar nicht so weit kommen lassen. Denn schon heute zeigt sich: Eine starke GP-Szene hilft auch der Superbike-WM und umgekehrt. Der wöchentliche Wechsel zwischen Grand Prix und Superbike-WM hält das Interesse der Fans wach und ist wichtig für die TV-Präsenz des Motorradsports. Und das sollte so bleiben.

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