Zerbi, Francesco: Interview (Archivversion) «Keine Monster-Bikes“

FIM-Präsident Francesco Zerbi ist gegen großvolumige Viertakt-Prototypen.

Herr Zerbi, ab 2001 sollen bei den 500er Grand Prix nur noch Viertakter rennen. Warum?Nun, ob es tatsächlich schon 2001 dazu kommt, oder ein wenig später, ist zweitrangig. Und außerdem geht es nicht um wollen. Wir müssen uns im Sport auch nach der Realität, dem Motorad-Markt richten, denn der ist Basis für den Rennsport. Und dort dominieren die Viertakter längst. Wir können nicht mehr zurück.Würde die Einführung der Viertakt-Regel die Verschmelzung von Grand Prix und Superbike-WM bedeuten?.Im Gegenteil. Das müssen wir sogar verhindern. Wir müssen durch das Reglement dafür sorgen, daß die beiden erfolgreichen Serien weiter existieren können.Aber die technischen Regularien für eine große Viertakt-Grand Prix-Klasse, die derzeit in der Szene diskutiert werden, würden zu Maschinen führen, die den Superbikes ziemlich ähnlich wären.Um dies zu verhindern, müssen wir sehr genau aufpassen, wie das Regelwerk schießlich aussehen wird. Aber einiges verbietet sich von selbst. Motorräder mit 1000 cm³ nach einem freien Prototypen-Reglement mit reinrassiger Renntechnik hätten über 300 PS und wären weit über 350 km/h schnell. Solche Monster wären kaum fahrbar, höchst gefährlich und auf Dauer sehr kontraproduktiv für das Image aller Motorradfahrer. Wir werden die Top-Klasse im Viertakt-GP-Sport über Hubraum-Begrenzung und Maximalverbrauch limitieren müssen, denke ich.Wie könnte eine solche Klasse aussehen?Da müssen natürlich auch die Techniker gehört werden. Wir werden am 23. März in Genf und dann im Rahmen des japanischen GP im April wichtige Meetings mit allen beteiligten Instanzen haben, und nach Japan auch eine Entscheidung fällen.Was passiert mit den Klassen 125 und 250 cm³?Das ist eine wichtige Frage, die bisher ebenso ignoriert wird wie der Bereich Moto Cross-WM, der ja auch betroffen ist. Sollte es tatsächlich zu der 1000er Monster-Formel kommen, hätten die kleinen Klassen keine Existenzberechtigung mehr. Mit einem vernünftigen Überbau können wir uns auch über entsprechend sinnvolle kleinere Kategorien unterhalten. Die 125er zum Beispiel haben am Markt auch als Viertakter eine große Bedeutung. Langfristig gehört sicher den Viertaktern die Zukunft im Motorradsport.Wird es eine Übergangszeit geben, in der Zweitakter und Viertakter, etwa in einer Handikap-Formel gegeneinander antreten können?Das wäre sehr unglücklich. Besser ist eine klare, langfristige Vorbereitung und dann ein klarer, harter Wechsel.Auch die jetzige Diskussion um die Viertakt-Regel verläuft sehr ungeordnet und zeigt, daß im Motorradrennsport jede Institution versucht ihr eigenes Süppchen zu kochen. GPMA, Dorna, IRTA und FIM scheinen sehr unterschiedliche Interessen und Ziele zu haben.Nun, man muß erst mal einiges klarstellen. Die GPMA als Vereinigung der Grand Prix-Maschinen-Hersteller repräsentiert in der Praxis weniger die Hersteller als Gesamtheit, sondern eher dieTechnikabteilungen der Firmen. Denen fehlt mitunter der Überblick auf die Gesamtsituation. Dorna als GP-Promoter muß aufpassen. Sie erleben seit längerem einen Stillstand, und das ist immer die Gefahr einer Rezession. So ist es schwer verständlich, daß man seitens Dorna am Zweitakt-Konzept festhalten will. Das ist kurzsichtig, und würde Dorna und den gesamten Sport mittelfristig in eine große Krise treiben. Den Kopf in den Sand zu stecken wäre jetzt ebenso falsch als die Monster-Bikes einzuführen, die von der GPMA vielleicht favorisiert werden.

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