Zubehör der wilden Jahre (Archivversion) JUGEND-SÜNDEN

Wer in den 70er und 80er Jahren in sein wollte, kam an bestimmten Angeboten nicht vorbei. Ohne Gutachten und/oder Ersatzteile ist man heute damit aber out.

Nach langen Wochenenden oder Feiertagen ist Sprechstunde in der MOTORRAD-Redaktion. Die Leser hatten Zeit, sich mit ihrem Hobby etwas intensiver zu beschäftigen. Beliebter Einstieg bei Telefonaten: »Ich hab’ da mal ne Frage. An meiner Z 1000 (ersatzweise »Bol d’Or«) ist ein Auspuff von XY. Wo gibt’s denn da noch Gutachten?« Nachrüst-Verkleidungen gehen ähnlich gut; Raask-Fußrastenanlagen sind fast schon ein Anfragen-Klassiker, und die Bezugsquelle für Ersatzvisiere des legendären »Jeb’s Clay Regazzoni« wird hoch gehandelt.Um Ihnen, lieber Leser, unnötige Telefonkosten zu ersparen und uns, liebe Kollegen, noch mehr Zeit zum Schreiben zu schaffen, gibt es nachfolgend das »Who is where« der Zubehör- und Bekleidungsanbieter der Frühzeit. Fangen wir ganz oben an. Auf dem Kopf. Wer etwas auf sich hielt, trug einen Römer-Helm. Bereits seit 1872 verkaufte das Familienunternehmen aus Neu-Ulm Helme - vorwiegend für Kriegshelden. Mit dem Tod von Dr. Richard Römer im Jahr 1973 endete der Einfluß der Familie Römer, externe Geschäftführer wirtschafteten das Unternehmen bis 1989 in den Konkurs. Neue Gesellschafter sorgten dafür, daß der Name Römer nicht vom Markt verschwand. Für viele Modelle der 80er Jahre sind noch Visiere lieferbar, sogar Neupolsterungen sind machbar, Infos: Telefon 07 31/7 05 30. Wer nicht Römer fuhr, trug agv. Die Italiener wechselten den Importeur häufiger als mancher Motorradfahrer den Helm, können heute aber immer noch Visiere für ihre Klassiker liefern, teilweise als Original, zum Teil als englischen Nachbau. Anruf unter 0 71 82/5 50 genügt. Für den bereits erwähnten Jeb’s Clay Regazzoni gibt’s bei der Firma Zaulig (Telefon 0 70 43/92 04 19) mit etwas Glück Ersatz. Den später an der ECE-Norm gescheiterten »Jeb’s« brachte übrigens der Givi-Importeur Ullrich Holzhausen nach Deutschland. Anfang der 80er verkaufte er 12 000 Stück jährlich. Der Name seines heutigen Unternehmens JF Motorsport erinnert immer noch an diese Zeit: »JF« stand früher für »Jeb’s Friedberg«. Ähnlich einzigartig wie der Jeb’s ist auch der Inbegriff der Macho-Mütze: der amerikanische Simpson-Helm. Ihn gibt es immer noch nagelneu bei der Firma Ragun Racing (Telefon 0 71 95/7 55 77). Die eigentlich auf den Anlagenbau für die Glasindustrie spezialisierte Firma Hartung wurde durch ihre extrem leichten Helme bekannt. Ersatzteile, aber auch neue Helme sind unter Telefon 02 11/9 79 11 40 zu ordern. Ein Begriff ist auch noch der pausbackige Krauter-Helm. Manfred Krauter hatte 1987 etwas Streß mit seinem Buchhalter, ging anschließend nach Ulm, heiratete ein Mitglied der Römer-Dynastie und ist heute mit rund 25 Prozent Marktanteil einer der größten Fahrradhelm-Hersteller mit Produktionsstandort neue Bundesländer. Wer noch etwas für den Krauter-Motorradhelm braucht, schreibt an MOTORRAD oder kauft Visiere bei Römer. Für Althelm-Besitzer, deren Fabrikat nicht genannt wurde, empfiehlt sich übrigens der Besuch eines der 21 GoTo Helmstudios, denn die können erfahrungsgemäß alle noch verfügbaren Ersatzteile beschaffen. Die nächste Adresse verrät die Düsseldorfer Zentrale unter Telefon 02 11/98 95 95.Zwischen Kopf und Fuß hat sich unternehmensmäßig in den letzten Jahren nicht viel getan. Die Dinos der Bekleidungs-Szene sind immer noch im Geschäft: Harro, Erbo, Dainese (Rallye Sport), ixs (Hostettler) - diese Anbieter können garantiert weiterhelfen, wenn es um Reißverschlüsse, Druckknöpfe oder Reparaturen ihrer Produkte geht - Adressen stehen im MOTORRAD-Anzeigenteil. Furygan war in den 70er Jahren das, was Dainese heute ist: Trendsetter. Um die Franzosen war es etwas ruhig geworden, aber nach über zehn Jahren Sendepause sind sie seit Anfang des Jahres wieder da. Wo genau, verrät die französische Zentrale (Telefon 00 33/66 38 85 92 - frau spricht deutsch).Stiefel kamen in den wilden Jahren grundsätzlich von Alpinestars oder von Daytona. Für ältere Alpinestars-Treter kann der damalige und heutige Importeur Difi (Telefon 0 44 51/91 50) teilweise noch neue Sohlen liefern, Daytona-Oldies sind beim Hersteller, der Schuhfabrik Frey (0 87 21/84 25) in guten Schuster-Händen. Der ehemalige Anbieter des berühmten Thermo Boy macht heute in Heimtierbedarf. Die Namensrechte landeten in Düsseldorf bei der Paul A. Boy GmbH (Telefon 02 11/98 95 95), die entsprechenden Produkte im Polo-Katalog. Was aus dem Textilkombi-Anbieter und »Hinterherschleifer« Fackelmann geworden ist, konnten selbst intensive Recherchen nicht klären - vielleicht weiß ein Leser mehr. Die berühmt-berüchtigten ECO-Kunstlederkombis (»ECO-Flex) gibt es jedenfalls definitiv nicht mehr. Einen Zeitzeugen gibt es aber noch: Schwabenleder-Boß Claus Hämmer (0 71 81/96 70 10) war Verkäufer bei ECO, bevor er die Erbo-Gebietsvertretung Süd übernahm und dann 1978 seinen eigen Laden aufmachte. Nette Anekdote am Rand: Sandbahn-Weltmeister Egon Müller kassierte jährlich 4000 Mark dafür, daß er die waschbare ECO-Kombi fuhr.Weg vom Fahrer, hin zum Motorrad - im Telegrammstil eine Auswahl der »gesuchtesten« Verkleidungs-Hersteller: Habermann (Telefon 0 86 71/55 33), Gläser (0 53 24 22 64), Gerstenmaier/Wulf’s und Gimbel (beides 0 76 67/70 14), Krauser (0 82 33/7 41 20), ES (0 86 71/2 00 26), Pichler (0 87 21/9 69 00), Vetter/Windjammer (Firma Schebitz, 0 91 22/6 26 26). Für Rickman-Teile ist neuerdings die Firma Streithoff (04 21/45 57 35) zuständig.Zu einer sportlichen Verkleidung gehörte natürlich auch ein sportlicher Lenker - bitteschön: Tommaselli-Stummel importiert seit jeher (genauer: seit 1974) der Hamburger Großhändler Krawehl, Telefon 0 40/78 91 94 50. Wer nichts Italienisches sondern lieber etwas Urdeutsches wollte, montierte den Magura M-Lenker. Nach Gutachten und Neuteilen darf unter Telefon 0 71 25/15 30 gefragt werden. Für Rohrteile aller Art war und ist auch Fehling zuständig - Telefon 0 23 77/20 33.Von der Hand zum Fuß: Papiere für Raask-Fußrastenanlagen gibt’s für viele Modelle noch bei Hein Gericke (02 11/98 98-6 87/Herr Butzen oder -693/Herr Kraft). Dort werden vielleicht auch die Besitzer von Scheibel-Auspuffanlagen und diverser anderer Technik-Teile aus dem früheren Gericke-Programm mit Unterlagen versorgt. Wer vor Wind und Wetter geschützt wurde und Hände und Füße gut untergebracht wußte, brauchte eigentlich nur noch eine passende Sitzbank: Giuliari - was sonst? Ansprechpartner für den Inbegriff der Nachrüst-Sitzbank ist Fechter Drive, Telefon 0 70 23/60 72. Für BMW-Fahrer fehlten zum Ergonomie-Glück noch die Heinrich-Beinschützer. Der schwäbische Tüftler Karl Heinrich war mit seinen Verkleidungen, Tanks und Polyesterteilen berühmt geworden. Er produzierte bis 1980, um sein Erbe kümmert sich heute Theofried Jeckel, Telefon 0 61 26/41 77. Nicht nur an BMW wurden jede Menge Denfeld-Gummiteile verbaut. Denfeld ging zwar pleite, aber bei der Firma Schwarz (02 02/66 18 61) sind noch Teile zu bekommen. Kaum noch Teile gibt es für die Becker-Fettkettenkästen. Alles Größere wurde vor kurzem verschrottet. Mit Lagern, Dichtungen und Spezialfett kann die aus der Firma Franz Becker hervorgegangene Hepco & Becker GmbH (ja, die mit den Koffern - Telefon 0 63 34/9 21 60) aber immer noch aushelfen.Ein absolutes Muß waren Koni-Federbeine. Der gute Kundendienst ist bekannt, Näheres unter 0 26 23/6 02-41/Herr Kern. Gabel-Stabis stammten entweder von Weigl-Telefix (0 84 33/84 01) oder von Kern (0 76 44/64 13). Sportfahrer brauchten den Kröber-Drehzahlmesser, wer ihn immer noch braucht, ruft die Firma Pitsch an (0 26 06/15 38). Für die schnellen Jungs gehörten natürlich auch K & N-Luftfilter dazu. Racimex in Hamburg (0 40/79 31 01) ist der Ansprechpartner für die Beatmungshilfen. Die beliebten Piranha-Zündungen gibt’s bei der Firma Wüst (0 73 62/68 81).Spitzenreiter bei den Leser-Anfragen sind mit Abstand die Auspuffanlagen. Die beliebten Vier-in-keins-Nachrüst-Brüllrohre können anläßlich eines TÜV-Termins zum echten Problem werden. Besonders dann, wenn sich die Maschine mittlerweile in sechster Hand befindet und natürlich keine Papiere mehr existieren. Die Anbieter/Importeure: Jama, Marshall und Laser (Schuh, Telefon 0 68 51/89 01 15/Herr Cumbo), Cobra (Speed Products, 02 51/61 78 72), Devil (Kloos, 0 26 82/44 44), Lenhardt & Wagner (0 62 51/5 48 49), Micron (09 11/70 89 33), Motad (Difi, 0 44 51/91 50), Moriwaki (0 21 31/27 64 97), Remus (02 41/5 68 82 23), Sebring (0 75 31/6 20 83), Shark (Fechter Drive, 0 70 23/60 72), Termignoni (Hänsle, 0 78 22/93 45).Die 70er und 80er Jahre hatten natürlich noch jede Menge anderer Bekleidungs- und Zubehör-Highlights zu bieten. Mit anderen Worten: Diese Übersicht kann nur gnadenlos unvollständig sein. Doch darin liegt auch etwas Gutes, denn die MOTORRAD-Redaktion hat eigentlich ganz gern den direkten Draht zum Leser. Es gilt also auch weiterhin: Wenn nichts mehr geht, einfach mal anrufen. Wer doch lieber liest, sollte sich den MOTORRAD KATALOG gönnen. In dem stehen noch jede Menge weiterer wichtiger Telefonnummern.

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