Zündbox: Jörg Dressel fordert mehr Umweltbewußtsein (Archivversion) Zündbox

Der Müncher Jörg Dressel ist 27 Jahre jung, fährt seit zwei Jahren Motorrad und fordert mehr Umweltbewußtsein von den Bikern.

Wir brauchen doch keinen Kat! Natürlich sind wir alle für Umweltschutz - aber die anderen müßten dringend was dafür tun. Wir Motorradfahrer fühlen uns nicht verantwortlich. An den hohen Abgasemissionen unserer geliebten fahrbaren Untersätze ist die Politik schuld, die keine strengen Abgaswerte vorschreibt, die Industrie, die die Kisten baut, nur wir Biker nicht. Schließlich gibt es gute Gründe, warum wir sie fahren: der volkswirtschaftliche Nutzen, der Erhalt von Arbeitsplätzen und und und. Nur was machen unsere Kinder, wenn sie mit den Umweltschäden kämpfen, die wir hinterlassen haben? Aber da liegen wir ja nach einem erfüllten Bikerleben glücklich in der Kiste, und nach uns die Sintflut.Die Abgasgrenzwerte für Motorräder sind nicht so streng wie die für Pkw. Alle reden vom Drei-Liter-Auto. Unsere Maschinen sind leichter, transportieren weniger Personen und Gepäck, aber sie saufen das Doppelte. Und die Fahrten, die wir mit ihnen machen, sind oft nicht wirklich notwendig, sondern dienen nur unserem Privatvergnügen. Genau das ist umweltfeindliches Verhalten.Obendrein führen wir uns bezüglich des Anti-Ozon-Gesetzes auf wie aufgescheuchte Hühner. Dabei sind die Grenzwerte für Fahrverbote im Interesse der Räder, die für die Wirtschaft rollen, so lasch ausgefallen, daß wir kaum mal drei Tage im Jahr das Motorrad stehenlassen müssen. Wäre das so schlimm? Viel haben wir selbst in der Hand. Wir können die Hersteller und Händler fragen, warum ihre Maschinen keinen Kat haben und warum sie soviel verbrauchen. Und wir können sie im Laden stehen-lassen. Aber dazu fehlt uns das Bewußtsein. Motorräder mit Kat sind (mit Ausnahme der neuen BMW-Modelle) nicht gefragt. Die Bayern liefern ihre Bikes aber nicht deshalb serienmäßig mit Kat aus, weil wir so umweltbewußt sind, sondern um ihr eigenes grünes Image zu pflegen.Wir sollten uns darüber klar sein, daß jeder einzelne von uns seinen Anteil am Umweltschutz hat. Diesen Anteil kann niemand auf andere abwälzen und verlangen, daß alle anderen vor ihm handeln. Damit wir uns recht verstehen, das ist keine Aufforderung, das Motorrad stehenzulassen. Es soll eine Anregung sein, uns selbst mal kritisch zu hinterfragen und nachzudenken, bevor wir auf den Bock steigen und bevor wir die nächste Maschine kaufen.

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