Zündbox: Mike Schümann ärgert sich über ungewollte Benzingespräche (Archivversion)

Mike Schümann, 29, regt sich über Motorradfahrer auf, die ihn ungefragt vollabbern. Der Regensburger hat eine BMW R 100 GS.

Ich hasse Benzingespräche. Schon allein das Wort genügt, und mir wird schlecht. Ich denke dann immer daran, wie mir irgendein wildfremder Guzzi-Fahrer unbedingt erzählen mußte, wie supertoll er doch seine Dellorto-Vergaser umbedüst hat. Und das alles nur, weil er beim Tanken zufällig hinter mir stand. Dann war da noch dieser BMW-Heini, den ich mein Leben lang noch nie gesehen hatte. Der wollte mir triumphierend und vor allem ungefragt weißmachen, daß sein Reifen X beim Anbremsen von Linkskurve Y glatte 3,8 Prozent weniger Aufstellmoment verursacht als mein Reifen Z. Das interessiert mich doch nicht das Schwarze unter den Fingernägeln.Manchmal habe ich den Verdacht, daß eine ganze Menge Motorradfahrer die Weisheit gleich kotflügelweise eingeschaufelt haben. Kadett-Fahrer besserwissern sich schließlich auch nicht an jeder Ampel die Ohren über ihre gehäkelten Klorollen ab. Dann gibt es zu allem Überfluß noch dieses saudumme »Wir sind doch eine große Familie« -Geseier. Da tun alle scheinheilig kumpelhaft und versprechen sich ewigen Beistand bei Pannen. Dabei muß so mancher erst in der Gebrauchsanweisung nachsehen, wo bei seinem eigenen Bike überhaupt das Bordwerkzeug ist. Die Art von Hilfe ist echt geschenkt. Und wehe, es geht ans Lästern. Dann finden nämlich alle Sportfahrer urplötzlich und schon immer Chopper total bescheuert, und die Ducati-Fraktion zieht so ätzend über die Japaner-Fahrer her, als ob die ihnen ihre Desmodromik heimlich mit Sushi zugestopft hätten. Drum bleibt mir vom Leib mit Eurer vielgepriesenen »Biker-Solidarität«. Die gibt´s schon längst nicht mehr, also braucht auch keiner mehr davon herzubeten.So richtig grauenhaft finde ich das Gegockel unter Tourenfahrern. Bei denen ist nämlich jeder der Held. Es scheint ihnen ein Bedürfnis, ja schon ein Zwang, sich immer wieder gegenseitig zu erzählen, wie sie mit nur einem XT-Kolben 150 000 Kilometer heruntergespult oder eine durchgeblasene Zylinderkopfdichtung mitten in Timbuktu mit einem Melittafilter repariert haben.Damit wir uns nicht falsch verstehen: Über das zu reden, was Spaß macht, ist die normalste Sache der Welt. Doch so manches Biker-Geschwätz ist nichts anderes als pure Selbstdarstellung auf Stammtischniveau. Bei solchen Benzingesprächen dreh´ ich den Hahn auf Off.

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