Zündfunke: Linksheimer-Epidemie (Archivversion) Linksheimer-Epedemie

Deutschland im Chaos. Neben Alzheimer, BSE und der Maul- und Klauen-Seuche ist jetzt auch noch der heimtückische Linksheimer ausgebrochen.

Wir haben es alle schon einmal gemacht. Sind an den notorischen Bummlern auf der linken Fahrspur rechts vorbei eglitten. Haben böse Blicke durchs Visier geschleudert und uns dann mit einem kurzen Gasstoß in Nullkommanix in die Ferne katapultiert. Freie Fahrt für freie Bürger. Selbst Toni Mangs Versuch, die Infizierten zu bekehren – er machte kurzerhand eine neue linke Spur auf – schlug fehl. In Deutschland grassiert Linksheimer. Jene heimtückische Krankheit, die Fahrzeugführer dazu veranlasst, scheinbar grundlos auf der linken Fahrspur zu bummeln. Ärzte sind sich uneinig, vermuten jedoch als Ursache linksdrehende Milchsäuren, die so genannten LC1-Kulturen. Gibt es übrigens auch in Yoghurten, die – Skandal! – in Tankstellen und Autobahnraststätten offiziell feilgeboten werden. Vielleicht sind aber auch alle Linksfahrer nur Linkshänder, oder es besteht eine überproportionale Aktivität der linken Gehirnhälfte. Diese steuert die emotionalen Entscheidungen des Menschen, das Empfinden für Liebe und Leid. Leiden Fahrer unter dem Tatbestand, sich dem Zwang des Rechtsfahrens unterwerfen zu müssen? Oder lieben sie die Macht, die linke Fahrspur nach Belieben beschleichen zu dürfen? Und sind nebenbei Mitglied bei den anonymen Verkehrspädogogen. Es kann aber auch sein, dass die Linksfahrer nur für einen England-Urlaub üben. Körperliche Merkmale geben keinerlei Aufschluss über das Krankheitsbild. So gehört der Großteil der männlichen Linksfahrer nicht zur Gruppe der Linksträger. Lediglich bei der Sitzhaltung ist ein Trend zu verzeichnen. Der gemeine Linksfahrer hockt am liebsten in Jagdflugzeug-Pilotenhaltung: das Lenkrad mit beiden Händen fest umklammert, den Blick stier nach vorn. Meditativ, angespannt, konzentriert. Das letzte Fünkchen Aufmerksamkeit für den nachfolgenden Verkehr verglüht mit dem Blick auf den Sendersuchlauf seines Radios. Die moderne Linksheimer-Forschung rätselt noch, untersucht seit neuestem technische Mängel an Linksheimer-Fahrzeugen: abgefahrene Reifen auf der linken Seite, eine Verstellung der Spur, Fahrwerksschwächen. Und die Wissenschaft fragt sich: Ist der deutsche TÜV zu lasch zu Autofahrern? Ja, richtig gelesen: nur zu Autofahrern. Denn unter Motorradfahrern ist Linksheimer bislang noch nicht aufgetreten. Biker scheinen nicht nur immun zu sein, sondern kämpfen auch aufopferungsvoll gegen die Volksseuche. Möglicherweise ist der Linksheimer nur eine Wahrnehmungsschwäche. Und ist – so spekulieren die Forscher - mit Hilfe von homöopathischen Eingriffen wie rechts zu überholen sogar therapierbar. Und Fahrlehrer sollten zur Eindämmung der Seuche bei ersten Symptomen sofort reagieren. Am besten mit dem Ausschluss von der Fahrprüfung.Bisher jedenfalls waren alle Versuche, die Kranken mit Hilfe von fahrdynamischen Wecktätigkeiten aus der Benommenheit ihres Dahinschleichens zu befreien, vergebens. Die Infizierten nutzen weiterhin die falsche Spur. Das ist nicht nur lästig, sondern auch gesetzeswidrig. Denn die StVO, die Bibel des Straßenverkehrs, spricht vom heiligen Gebot des Rechtsfahrens. Mahnt darüber hinaus: Du sollst dich so verhalten, dass kein anderer behindert oder belästigt wird. Schlussendlich gibt es nur drei Alternativen, den Verkehrsfluss auf deutschen Autobahnen wieder zu normalisieren. Erstens: Alle Erkrankten werden nach England deportiert. Angesichts von MKS und BSE sowie dem obligatorischen Linksverkehr werden sie dort kaum auffallen. Zweitens: Deutschland legalisiert das rechts Überholen in medizinisch begründeten Ausnahmefällen. Drittens: Alle notorischen Linksfahrer werden genauso hart bestraft wie diejenigen, die sich ihretwegen genötigt fühlen, rechts zu überholen. Das wäre nur konsequent.

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