Zulassungsbescheinigung Teil I und Teil II: Neue Kfz-Papiere erklärt (Archivversion)


Wer künftig ein gebrauchtes Motorrad ummeldet, sollte bei der Zulassungsstelle darauf achten, dass Eintragungen von Teilen und Reifen, die im alten Kfz-Schein unter Ziffer 33 aufgelistet wurden, unter Ziffer 22 in die neuen Papiere übernommen werden. Der Industrie-Verband Motorrad (IVM) rät zur intensiven Kontrolle. Christoph Gatzweiler, Ressortleiter Technik beim IVM: »Eine Kopie von Fahrzeugschein und -brief ist
sicherlich hilfreich. Denn Anbauabnahmen oder Teilegutachten, die der Halter nach
einer unvollständigen Übertragung nicht mehr besitzt, könnten die
Eintragung später erschweren oder unmöglich machen.« Zumindest in der Vergangenheit sind Eintragungen von Teilegutachten nicht übernommen worden. Also auch in diesem Fall vorsichtshalber eine Kopie machen oder den entwerteten Brief wieder mitnehmen.
Bei Umbauten hat sich nichts geändert: Wie bislang müssen in der Regel Teile mit EG-Betriebserlaubnis oder ABE nicht eingetragen
werden. Eine Kopie der ABE dabeizuhaben ist allerdings Pflicht. Bei
der EG-Betriebserlaubnis genügt die Kennung auf den Teilen. Andere Umbauten, die nur mit Teilegutachten versehen sind, müssen dagegen
bei einer Prüforganisation vorgeführt werden und in die Zulassungsbescheinigung Teil I eingetragen werden. Und zwar sofort, wenn der Umbau steuerliche oder versicherungsrechtliche Änderungen nach
sich zieht. Beispielsweise eine Drosselung oder Hubraumerweiterung. Ansonsten beim nächsten Gang zur Zulassungsstelle. Wer die
Änderung noch nicht eingetragen hat, muss die Anbauabnahme der Prüforganisation mit sich führen.

In den meisten neuen Zulassungsdokumenten findet sich unter Ziffer 15.1. und 15.2. jeweils nur noch eine Reifengröße samt Geschwindigkeits- und Belastungsindex, ein Hinweis auf eine Fabrikatsbindung fehlt. In diesem Fall kann der Halter statt der Erstausstattung alle andere Pneus mit der gleichen Spezifikation fahren. Die Markenbindung ist in Deutschland freiwillig, und viele Hersteller sehen inzwischen davon
ab. In einem Zusatz auf der Rückseite der Zulassungsbescheinigung Teil I steht zudem, dass auch andere mit EG-Typgenehmigung oder
Allgemeiner Betriebserlaubnis genehmigte Bereifungen montiert
werden können, ohne dass dies im Teil I angegeben werden muss.
Das ist zwar schön. Stiftet aber Verwirrung.
Weitere Reifengrößen können zum Beispiel im Certificate of Conformity (CoC) aufgeführt sein, das die Übereinstimmung mit der EG-Typgenehmigung beweist und bei neuen Motorrädern mitgeliefert werden muss. Wer will, kann zur Sicherheit das CoC-Papier als Kopie mitnehmen, wenn nur dort die Reifengrößen stehen, die aufgezogen sind, nicht aber in der Zulassungsbescheinigung Teil I. Dazu besteht
jedoch keine Pflicht (siehe Tabelle).
Will ein Biker andere Reifengrößen als die im CoC-Papier oder
Zulassungsdokument angegebenen fahren, braucht er wie bisher
auch eine Anbauabnahme bei einer Prüforganisation und sollte
bei nächster Gelegenheit die Reifen ins Zulassungsdokument Teil I,
Ziffer 22, eintragen lassen.
Der oben erwähnte Hinweis auf andere Bereifungen in der EG-
Typgenehmigung hilft Motorradkäufern nicht weiter. Schon weil das
rund 150 Seiten starke Dokument nicht ausgehändigt wird. Über
die zulässigen Pneus informieren die Freigabe- und Unbedenklich-keitsbescheinigungen von Reifen- und Motorradherstellern, die
häufig als Download im Internet
angeboten werden. Einige Hersteller wie Yamaha und Triumph nennen
Reifenfabrikate samt Größen in ihren Fahrerhandbüchern.
Kompliziert wird es, wenn im Teil I auf eine Fabrikatsbindung hingewiesen wird, aber nicht die Marke, sondern nur die Größe angegeben ist. Dann hilft auch kein Blick in das Certificate of Conformity (CoC), weil dort ebenfalls nur Größen vermerkt sind. In diesem Fall können sich die Besitzer von neuen Motorrädern einzig auf die
Angaben der Hersteller verlassen und sollten sich vom Händler eine Freigabebescheinigung für die Reifen geben lassen.
Der IVM drängt jetzt beim Bundesverkehrsministerium darauf, dass
die Markenbindung mit der Nennung konkreter Fabrikate, sofern vom
Hersteller vorgegeben, wieder in die Zulassungsbescheinigung Teil I aufgenommen wird. Zudem empfiehlt der IVM Käufern von neuen Motor-
rädern, ihren Händler nach einer Liste mit Reifenfreigaben zu fragen.

Die neuen Regelungen erschweren –
zumindest in einer Übergangsfrist – Kontrollen. Durchaus möglich, dass nicht jeder Verkehrspolizist weiß, was ein CoC-Papier ist, oder dass oft keine Reifenfabrikate in EG-Typgenehmigungen stehen.
Thomas Tietz, Polizeihauptmeister bei
der Verkehrsüberwachung im Polizeipräsidium Stuttgart, setzt auf jahrelange Erfahrung und rät dazu, Kopien von Freigabebescheinigungen und im Fall des Falles vom CoC-Papier mit sich zu führen:
»Wenn wir erst vor Ort erforschen müssen, was legal ist, kann das einen langen Aufenthalt in der Kontrollstelle nach sich ziehen.« Wie sich die Polizei tatsächlich verhält, wird sich erst bei Saisonbeginn im Frühjahr zeigen. Andere glauben: »Da blickt keiner mehr durch. Mit Reifenkontrollen ist’s vorbei.“

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