Zum Thema (Archivversion) Hat der Diesel eine Chance?

Motorräder mit Dieselmotor mögen für viele ein Widerspruch in sich sein. Wer braucht schon einen schweren, lauten und lahmen Motor, um glücklich zu sein?
Eigentlich niemand. Aber der Dieselmotor entwickelte sich in den letzten Jahren mit rasender Geschwindigkeit weiter. Aufwendige und elektronisch geregelte Hochdruck-Einspritztechnik, Turbolader mit variabler Schaufel-Geometrie und Vierventil-Zylinderköpfe machten den ehemals lethargischen Selbstzünder zum durchzugsstarken Bullen mit enormem Spaßfaktor.

Dennoch schien der Diesel für mich, allein durch seine geringere spezifische Leistung und Drehfreude, bei Motorrädern kein Thema zu sein. Bis ich die Neander 1400 fuhr. Was eine hochmotivierte Truppe komplett durchgeknallter Enthusiasten
da auf die Räder stellte, verdient Hochachtung. Und lässt den Diesel plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen.
Denn dieser Motor hat Druck, wiegt nicht die Welt und läuft sogar noch einigermaßen ruhig. Zudem funktioniert dank moderns-
ter Bosch-Diesel-Einspritztechnik die Motorabstimmung besser als in manch teurem Edelitaliener.
Entscheidend für mich: Das besondere und Diesel-typische Fahrerlebnis stellt sich auch auf dem Bike ein. Bei 2500 Umdrehungen dahingleiten und mit einem sanften Dreh am rechten Lenkerende gewaltige Drehmomentberge abrufen. Das kann, außer dem riesigen 2,3-Liter-Motor der Triumph Rocket III, kein Motorradtriebwerk bieten, das sorgt für eine extrem gelassene Fahrweise.
Dabei stehen die Neander-Leute noch ganz am Anfang und allein auf weiter Flur. Denn kein Großserienhersteller interessierte sich bisher für Dieselaggregate im Motorradbau. Dies wird sich
nun vielleicht bald ändern.

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