Zum Thema (Archivversion) Motorrad Design 2020

Wenn Designer Motorräder gestalten, dann entsehen meist seltsam geformte Kästchen mit Rädern dran. So zumindest meine Erfahrung in den letzten Jahren. Umso positiver überrascht war ich, welche Qualitäten in den Entwürfen der Studenten der Pforzheimer Hochschule für Gestaltung steckten (siehe Blickpunkt ab Seite 52). Dabei war die Semesterarbeit, initiiert von Professor Lutz Fügener und mitbetreut von MOTORRAD, ein Experiment. Motorräder spielten bislang für die Studenten kaum eine Rolle.

Statt von Freiheit und Abenteuer zu träumen wie unsere Generation, wurden sie von Marken und den damit verbundenen Werbewelten von Kindesbeinen an beeinflusst. Logisch, dass sie in ihre Entwürfe Aussagen großer Marken wie Nike oder Dunlop aufgenommen haben. Eine neue Qualität bieten die Entwürfe dennoch. Setzen sie doch brillant um, was die Jugend heute mehr denn je bewegt: sich in Szene zu setzen, sich zu beschreiben und sich zu bekennen zu Welten, wie es Millionen von 15- bis 30-Jährigen im Internet tun.

Motoren, wie wir sie lieben, bleiben zumindest unseren Nachwuchsdesignern verborgen. Sie gar als Designelement zu verwenden – kein Thema. Der im Motorenkonzept liegenden gestalterischen Logik, die so zeitlos schöne Motorräder wie eine Moto Guzzi Le Mans, eine BMW GS oder eine Suzuki Bandit hervorbrachten, folgen sie nicht.

Aber das ist vielleicht auch gut so. Wer weiß, ob wir in zehn Jahren noch so selbstverständlich auf Benzin als Energieträger zurückgreifen können. Vielleicht fahren wir da schon elektrisch. Und dafür haben die Designer klasse Lösungen.

Herzlichst Ihr
Michael Pfeiffer

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