Zum Thema (Archivversion) Der Sound ist die Seele

Es mag schon viele Jahre her sein, aber ich erinnere mich noch so, als ob es gestern gewesen wäre. Mein Nachbar kaufte sich eine nagelneue Honda CB 500 Four und fuhr jeden Abend um zehn volle Brause durch unser Dorf. »Wahnsinn!« freute ich mich jedes Mal, wenn er bei geschätzten 11000 Umdreh­ungen schaltete. Das war die ohrtechnische Revolution im Zeitalter asthmatischer VW Käfer und Opel Rekord.
Dieses aggressive Bellen, dieses heisere Schreien aus den vier Tüten der Honda vertrieb den spießigen Mief aus unserem Kaff. Klar war, das brauchte ich auch. Mit 18 kaufte ich sofort eine Maschine. Mangels Kohle zwar nur eine abgefeilte RD 250, doch immerhin soundstark genug, um bei den Kumpels was zu gelten.
Motorräder klingen längst nicht mehr so kernig wie in den 70er und 80er Jahren, und das ist auch gut so. Gleichwohl zaubern die Entwickler trotz inzwischen restriktiver Lärmgesetze immer noch entzückende Frequenzspektren in unsere Gehörgänge. Wer einmal eine Triumph Daytona 675 in den fünfstelligen Drehzahlbereich gedreht hat, weiß, wovon ich schreibe. Auch die Vierzylinderfraktion versteht es, das Ansauggeräusch nahezu ungedämpft unter den Helm zu reichen, ohne die Umwelt über Gebühr zu strapazieren.
Für mich gehört der Klang einer Maschine zu deren DNA, ja, der Sound ist die Seele. Ein bollernder Einzylinder ist eben ruppig, ein säuselnder Sechser sanft. Und wenn ein Drilling schreit wie eine rollige Katze, dann passiert im Fahrerhirn mehr, als wir jemals mit Zahlen und Fakten ausdrücken können.
Ab Seite 108 versucht MOTORRAD dennoch, das Thema Motorradsounds einmal ganz analytisch anzugehen. Erklärt, warum ein Vierer anders klingt als ein V2, ein Boxer ähnlich wie ein Paralleltwin.
Warum eine fette Harley allerdings immer noch klingt, obwohl der Motor schon gar nicht mehr läuft, diesem Geheimnis müssen Sie schon selber nachgehen ... In diesem Sinne ergiebiges Lauschen wünscht

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