Zum Thema (Archivversion) Brauchen wir elektronische Fahrhilfen?

Ich sehe die Traditionalisten schon wieder zur Tastatur greifen: Jetzt hat MOTORRAD durch Druck auf
die Industrie dafür gesorgt, dass ABS auf breiter Front eingeführt wird, nun wollen sie auch noch eine Schlupfre-
gelung für alle. Entmündigung! Spaßbremse! Halten die
uns zu doof zum Fahren?
Worum geht es? BMW bietet eine Schlupfregelung (ASC)
in Großserie an. Das System verhindert ein unkontrolliertes Durchdrehen des Hinterrads beim Beschleunigen auf rutschigem
Untergrund (siehe Seite 46 ff.). Kostet 285 Euro Aufpreis, somit weniger, als sich einmal auf den Pinsel zu legen.
Noch Fragen? Ja. Wird der Sicherheitsgewinn uns nicht
hemmungsloser am Quirl drehen lassen? Werden wir unsere
Reflexe verlieren? Wie zuverlässig regelt das System in Kurven?
Welche Frage man sich auch stellt, die Antwort kommt aus einer ganz anderen Ecke. Bei den Autos setzten elektronische Fahrhilfen schon vor Jahren zum Siegeszug an. Inzwischen helfen sie dank aktiven Bremseneingriffs sogar noch viel wirkungsvoller. Und retten täglich Menschenleben. Wir Motorradfahrer können davon doch nur profitieren.
Sicher, das BMW-System kann lediglich als ein Anfang ge-
sehen werden. In Kurven beispielsweise kann die Regelung nur wenig ausrichten. Das ist aber auch nicht der typische ASC-Fall. Der trifft irgendwann nachts im Regen ein, wenn ein glitschiger Bitumenstreifen unerkannt zu überfahren ist. Dann wird man an ASC froh sein. Und den Ingenieuren, die sich darüber die Köpfe zerbrochen haben, dankbar sein. Für mich ist klar: Elektronischen Fahrhilfen gehört auch im Motorradbau die Zukunft, dem BMW-Schritt müssen weitere folgen. Übrigens: Die MotoGP-Helden Rossi & Co haben das schon lange erkannt. Dort fährt keiner mehr ohne.

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