zum thema (Archivversion) die schock-Rallye

Zuerst verunglückt Privatfahrer José Manuel PErez bei der Dakar, einen Tag später Rallye-Legende Fabrizio Meoni. Beide stürzen sich mit ihren KTM zu Tode. Erst vergangenen Herbst starb Richard Sainct, ebenfalls ein erfahrener Spitzenpilot, bei der Pharaonen-Rallye. Was muss noch passieren, bis die Verantwortlichen aufwachen?
Sicher, ein bestimmtes Risiko bleibt immer. Doch die heutigen Maschinen sind einfach viel zu schnell mit gut 75 PS und 700 cm3. Die Piloten einer Werks-KTM rasen mit mehr als 180 km/h gegen die Uhr auf teilweise über 500 Kilometer langen Wertungsetappen in offenem und unbekanntem Gelände. Das ist Leben auf Messers Schneide. Irgendwann ist bei diesem Speed die Konzentration zu Ende. Und dann knallt es. Manchmal tödlich.
Dabei zeigt die Formel 1, wie es geht. Werden die Renner zu schnell, bremst man sie ein. Und zwar rechtzeitig, so wie dieses Jahr wieder geschehen. Eine Hubraumbegrenzung im Rallyesport ist längst überfällig. Auch mit 450 cm3 kann man geile Bilder fürs Fernsehen produzieren. Und darauf kommt es ja heute hauptsächlich an.
Schlimm nur, dass die Kollegen von Eurosport sich lediglich auf Action verstehen. Die journalistische Aufbereitung der Todesstürze war an Niveaulosigkeit nicht mehr zu überbieten. Da hält man minutenlang mit der Kamera auf die weinenden Teamkollegen und den in seinem Blut liegenden Meoni. Und dann schaltet man noch den Werbeblock direkt dahinter, in dem ein debil grinsender Tankwart – hahaha – ein Kamel putzt. Haben die sie noch alle?
Einen derartigen Mist schaue ich mir jedenfalls nicht mehr an. Und als Hersteller oder Sponsor wäre ich bei so einer Schock-Rallye erst recht nicht mehr gerne dabei.

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