zum thema (Archivversion) Rossi Superstar

Sonntagmorgen, 7 Uhr, Hunderttausende hängen
vor dem TV-Schirm. Das MotoGP-Rennen wird live aus Australien übertragen, sichert sich Valentino Rossi beim
vorletzten Lauf erneut den Weltmeistertitel? Der Start, Rossi wird eingeklemmt, fährt eine unmögliche Linie, um den Anschluss
nicht zu verlieren, staubt neben die Piste, obwohl er bei so einem Manöver erst vor kurzem in Qatar gestürzt war, und bleibt an dem davonstürmenden Honda-Piloten Sete Gibernau dran.
Schon nach einer Runde ist mein Puls auf 180, was riskiert
dieser Rossi, wie hält der rein? Unglaublich, wie er seinen Renner ausquetscht. Jagt seinen Gegner wie ein Bluthund, schiebt sich vorbei – und wird selbst wieder überholt. Dann die letzte Runde: Dreimal wechselt die Führung, oh Gott, warum will er denn auch noch gewinnen, er müsste für den Titel nur Zweiter werden...
Doch Rossi ist kein Mann der abgebrühten Punkterechnerei, er
will siegen, immer. Und es klappt. Zum sechsten Mal Weltmeister, zum vierten Mal in der Königsklasse, und das direkt nach dem Wechsel von Honda auf Yamaha. Bravo! Bravissimo!
Puh, ich bin schon morgens gerädert, aber auch euphorisiert. Was für ein Schauspiel dank Rossi. Seinen Wechsel von der Abo-
Siegmaschine Honda RC 211 V auf die hoffnungslos unterlegene Yamaha M1 hatte mancher als Fehler betrachtet. Dabei war es ganz klar eine Entscheidung für den Motorradrennsport. Die Auseinandersetzung des Menschen Rossi mit der Erfolgsmaschinerie von Honda, sein freiwilliger Schritt zurück, um zu beweisen, dass er der Beste
ist und nicht sein Motorrad, das fesselt Millionen in aller Welt.
Damit tut Valentino Rossi mehr für die Motorrad-Szene als manche noch so ausgefeilte Marketing-Aktion. Möge er der Szene noch lange erhalten bleiben. Und vielleicht einmal auf einer MotoGP-Maschine von BMW sitzen.

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