zum thema (Archivversion) Aprilia am Scheideweg

Die Situation bei aprilia spitzte sich in den letzten Monaten zu: Die Verkäufe im Motorrad- und im Rollerbereich stagnierten oder gingen zurück, das gewaltige Investitionsprogramm, das sich Aprilia-Boss Ivano Beggio vorgenommen hatte, verschlang dagegen Unsummen.
Die Aussichten für ein gutes Ende der Finanzmisere sind
momentan eher düster (siehe Meldung auf Seite 13). Beggio fehlen etliche Millionen Euro, um die Produktion aufrecht
zu erhalten. Keine Produktion bedeutet keine gelieferte Ware,
also keine Umsätze – ein Teufelskreis.
Dabei sah es bis vor kurzem gar nicht schlecht aus.
Die Produktionsanlagen im Werk bei Scorze gehören zu den
modernsten der Welt. Ein nagelneues Entwicklungszentrum
mit hervorragenden Möglichkeiten wurde erstellt. Mit Moto
Guzzi kaufte sich Beggio eine Traditionsmarke, die nur darauf wartete, wieder erweckt zu werden. Und mit Laverda ließ er
einen zweiten Namen aufleben.
Vielleicht war das einfach zu viel des Guten. Moto Guzzi sanieren, Laverda neu aufstellen, Aprilia weiterentwickeln,
Grand-Prix-Sport betreiben, irgendetwas musste unter den
zahlreichen Aktivitäten leiden. Bei Aprilia waren es ganz klar die Handelsorganisation und das Ersatzteilwesen. Die Motorräder selbst überzeugten stets mit hoher Qualität und guten Fahr-
eigenschaften. Aber das allein genügt nicht mehr. Heute geht es
ums Verkaufen, um die Kundenpflege, um die Markenbindung.
Da hätte es mehr Engagement gebraucht.
Hoffentlich kann sich Aprilia retten. Für Moto Guzzi interessiert sich Ducati, und Aprilia wird wohl zumindest einen Teilhaber bekommen. Sicherlich würde nicht nur ich es bedauern, wenn aus Noale keine kernigen Maschinen mehr kämen.

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