Zweiradmechaniker: Ein Tag im Leben des Steffen Walz (Archivversion) FULL HOUSE

Jeden Sommer das gleiche Bild: Horden von Motorradfahrern stehen bei den Werkstätten Schlage, gieren nach einem Termin für ihr bestes Stück. Natürlich sofort.

Und jedes Jahr staunt die Bikerschaft darüber, dass die schraubende Zunft die Flut von Aufträgen nicht über Nacht meistern kann. Der Unmut wächst, das Quecksilber steigt, die Kiste steht rum, und schuld ist, »natürlich«, die Werkstatt. Dabei weiß eigentlich jeder, was sein Moped braucht, um rechtzeitig einsatzbereit zu sein: einen gründlichen Check und liebevolle Pflege WÄHREND der Eiszeit.Der Hang zum verspäteten Rundumschlag verblüfft umso mehr, als Werkstätten zunehmend einen Winterservice anbieten. Neben der puren Unterstellmöglichkeit – »wir lagern Ihre Maschine in einer trockenen und gesicherten Halle bis auf Abruf« – werben die Händler mit preiswerten Komplettpaketen: Überwinterung inklusive Batteriewartung, General-, Motor- und Vergaserreinigung, Rostentfernung, Rostschutz, Konservierung aller Lackteile, Lager-, Bremsen-Kettenpflege und und und. Der Abholservice gehört bei solchen Angeboten schon fast zum guten Ton.Manche Betriebe gehen noch einen Schritt weiter, versuchen die Kundschaft für die besonders schwierige Situation des Zweiradgewerbes zu sensiblisieren – »im Sommer die Hölle, im Winter tote Hose« – und locken mit Rabatten für Inspektionen und andere Arbeiten, die in der Hochsaison erheblich teurer zu Buche schlagen: Reifenwechsel, Tuning, Umbauten aller Art.Nichtsdestotrotz lässt sich der landläufige Biker nur schwer zum Winterkunden bekehren. Während sich die Mechaniker in der kalten Jahreszeit nach wie vor um die Aufträge prügeln, gibt es ab Ostern Gerangel um die Brückentage und lange Gesichter bei der Planung des Sommerurlaubs.In Werkstätten, die sich schwerpunktmäßig mit Restaurierungen beschäftigen, kann es allerdings genau umgekehrt ausschauen. Vielleicht weil sich Alteisen-Besitzer grundsätzlich intensiver mit ihren Bikes beschäftigen. Der Chef einer Guzzi-Schmiede nahe Bremen jedenfalls macht grundsätzlich im Sommer die Schotten dicht, denn »da is nix los, nech, da sind die Jungs alle unnerwegs«. Sein Glück. Denn wie das Gros der Zweirad-Mechaniker schrubbt er selber gern auf dem Motorrad um die Kurven, und zwar am liebsten wenn die Sonne lacht und der Asphalt trocken ist.

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