Dakar-Sieger Marc Coma im Interview

"Man muss die Motorradfahrer schützen."

Marc Coma (39) gewann fünf Mal die Dakar. Für die kommende Rallye wechselte der Spanier überraschend ins Organisations-Komitee des französischen Dakar-Veranstalters ASO.

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Dakar-Sieger Marc Coma im Interview

Fümf war Trümpf: Nach fünf Dakar-Siegen wechselt Marc Coma ins Management von Dakar-Veranstalter ASO.  

Foto: KTM  

Sie haben im März und April noch die ersten beiden Läufe zur Cross Country-WM in Abu Dhabi und Qatar gewonnen. Nun kam Ihr Rücktritt als Rennfahrer und das Debut in der Rallye-Organisation doch sehr überraschend.
Für mich auch. Ich hatte eigentlich nicht geplant, meine Karriere zu beenden. Doch ein Angebot wie das des Dakar-Veranstalters ASO bekommt man nicht alle Tage.

Beschreiben Sie uns Ihren Job bei ASO.
Ich bin verantwortlich für die Streckenführung und den geordneten Ablauf der Rallye. In der Praxis bin ich der zweite Mann hinter dem Organisationschef Etienne Lavigne und vor Ort Chef von 540 Mitarbeitern.

Was sich so kurz umreißen lässt, ist in der Realität eine höchst verantwortungsvolle Position. Manche illustre Vorgänger wie zum Beispiel Rallye-Ikone Hubert Auriol sind an dieser Aufgabe schon gescheitert. Ihr unmittelbarer Vorgänger, der Franzose David Castera fühlte sich nach eigenen Angaben auch völlig ausgepowert.
Dass dieser Job einfach ist, hat keiner gesagt. Doch ich liebe Herausforderungen. Mir war immer klar, dass ich auch nach meiner aktiven Zeit nicht zuhause eine ruhige Kugel schieben werde.

Und jetzt arbeiten Sie bei ASO in Paris?
Ja, aber nur zum Teil. Wir waren in diesem Sommer zwei Monate in Südamerika, um die Route festzulegen und mit den Regierungen zu sprechen. Vor allem die politische Seite ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Man spricht mit den höchsten Stellen. Und man lernt, wie kompliziert die Organisation einer Veranstaltung dieser Größe ist. In Argentinien zum Beispiel wurde die Regierung bei der letzten Wahl abgewählt. Wir mussten alle bisherigen Vereinbarungen mit dem neuen Präsidenten Macri erneut durchgehen. Als Spanier habe ich in den Verhandlungen allerdings einen großen Vorteil: Ich bin Muttersprachler. Das erleichtert die Kommunikation ganz eindeutig.

Sie haben nun auch unmittelbaren Einfluss auf die sportliche Entwicklung der Dakar. Wird sich unter Ihrer Führung etwas ändern?
Zunächst mal glaube ich, dass die Dakar sportlich wirklich anspruchsvoll genug ist. Die Kombination aus dem Gelände, der Höhe in den Anden und die Ansprüche an die Navigation stellen die Dakar klar über alle anderen Wüstenrallyes. Da braucht man nicht nachzuschärfen. Vielleicht sogar das Gegenteil.

Das heißt, die Rallye soll leichter werden?
Auf keinen Fall. Aber auch nicht schwerer – auch wenn das von manchen Teams aus dem Auto-Bereich gefordert wird. Doch aus einem stabilen Überrollkäfig heraus lässt es sich leichter fordern als aus dem Motorradsattel. Die Motorradfahrer sind ungeschützt, dem Wetter ausgesetzt und ein Sturz kann das Ende bedeuten. Man muss die Motorradfahrer schützen.

Ist die Dakar eher ein Auto- oder eine Motorradrallye?
Natürlich beides, aber ich glaube den Geist der Rallye bestimmen die Motorradfahrer. Auf dem Motorrad wird mehr gelitten, die Risiken sind erheblich größer. Aber auch die öffentliche Anerkennung. Und man darf nicht vergessen. Einige der besten Autofahrer wie Peterhansel, Roma und Despres sind ehemalige Motorrad-Rennfahrer. Ja, ich glaube der Spirit der Dakar wird durch die Motorräder geprägt.

Aus deutscher Sicht hat die Dakar offensichtlich an Strahlkraft verloren. Bei der Ausgabe 2016 treten nur zwei deutschsprachige Motorradfahrer an.
Ja, das stimmt. An der wirtschaftlichen Situation kann es wohl nicht liegen. Da steht Deutschland ja ganz gut da. Vielleicht ist die deutsche Mentalität da etwas speziell. Trotzdem werden wir uns um dieses Thema kümmern. Aber eins ist auch klar: Die Dakar ist kein von Nordeuropäern geprägtes Rennen mehr. Aus ihr ist eine globale Veranstaltung geworden. Und da ändern sich eben manche Dinge.

Werden Sie beim Start in Buenos Aires eine Träne verdrücken, wenn Sie Ihre Regentschaft kampflos abgeben müssen?
Dazu werde ich wahrscheinlich keine Zeit haben. Aber ehrlich gesagt wären weitere Siege alles andere als selbstverständlich gewesen. Neben den arrivierten Fahrern drängen nun junge Piloten wie Walkner, Price, Méo, Renet oder Brabec in die Rallye. Ich bin mir nicht sicher, ob ich denen hätte standhalten können. Ich bin jetzt 39. Ich glaube, ich habe den richtigen Zeitpunkt gefunden, um aufzuhören.


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