MOTORRAD

Honda bei der Dakar 2016

Honda will den Sieg

Nach drei vergeblichen Versuchen will Honda bei der Dakar 2016 endlich den Sieg einfahren. Teamchef des HRC-Rallyeprojekts ist der Deutsche Wolfgang Fischer. Ein Interview.

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HRC-Teamchef Wolfgang Fischer

Hat gut lachen: Honda-Teamchef Wolfgang Fischer (links) beim Interview-Besuch in der MOTORRAD-Redaktion.  

Foto: mps  

Die Rallye Dakar wird bei der Auflage 2016 ohne einen einzigen deutschen Teilnehmer gestartet. Wie wird man dann ausgerechnet als Deutscher Teamchef des Honda-Werksteams?
Ich arbeite schon lange in der Motorrad-Offroad-Motorsport-Szene. In den Jahren 2006 bis 2009 leitete ich das Engagement von BMW im Offroad-Sport und Enduro-WM, danach für Husqvarna das Dakar-Projekt. Vor diesem Hintergrund trat vor zwei Jahren Honda an mich heran, das Dakar-Engagement für die Japaner zu koordinieren.

HRC, die Honda Racing Corporation ist Teil des Honda-Werks. Arbeiten Sie also in Japan?
Nein, die Maschinen werden bei HRC hergestellt und von meiner Firma Speedbrain in Stephanskirchen bei Rosenheim betreut. Wir sind mit 6 festen Mitarbeitern und zahlreichen Freelancern die je nach Bedarf hinzukommen ein kleines, aber sehr effektives Team.

Das heißt, die Honda-Werksmaschinen für die Dakar sind in Deutschland stationiert?
Ja, die Basis für die Rennvorbereitung und die Logistik ist Deutschland. Die Motorräder werden von hier aus dann weltweit bei der Cross Country-WM und verschiedenen Tests eingesetzt.

Honda Dakar Bike 2016

Honda CRF 450 Rally: 450 ccm Hubraum, 60 PS stark, 180 km/h schnell, 30 Liter Spritvorrat, Ride-by-wire-Motorsteuerung, Traktionskontrolle.  

Foto: Honda  

Können Sie uns ein paar technische Eckddaten der Honda-Rallyemaschine aufzählen?
Die Technik unserer Honda entspricht dem klassenüblichen Standard. Das heißt, unser 450er-Motor leistet über 60 PS. Das Motorrad hat mit über 30 Litern Sprit an Bord eine Höchstgeschwindigkeit je nach Untergrund von bis zu 180 km/h.

Aber nur Honda setzt Ride-by-wire-Technik ein.
Das stimmt. Wir verwenden als einziger Hersteller im Offroad-Bereich ein elektronisches Motormanagement inklusive Traktionskontrolle. Vor allem die elektronische Motorsteuerung ist für uns sehr wichtig. Sie soll helfen, die Leistungsentfaltung so effizient wie möglich zu machen und vor allem Sprit zu sparen.

Honda holte in den achtziger Jahren insgesamt fünf Siege bei der Dakar. Im Jahr 2013 feierte der weltgrößte Motorradhersteller sein Comeback. Das Engagement – so wurde proklamiert – sei auf 5 Jahre befristet. Nun steht der Start zum vierten Versuch bevor. Der Erfolgsdruck wächst, oder?
Nun, eine Befristung des Engagements ist derzeit nicht absehbar. Dazu muss man sagen, dass Honda im ersten Jahr nur mit einer modifizierten Enduro, der CRF 450 X antrat. Dieses Motorrad war im Rallyesport nicht konkurrenzfähig. Daraus hat Honda gelernt um für die Dakar 2014 eine ganz neue Maschine auf die Räder zu stellen. Insofern wird die Dakar 2016 realistisch gesehen erst der dritte Anlauf sein.

Trotzdem wird Honda auf den Sieg nicht mehr lange warten wollen.
Natürlich ist der Sieg immer unser Ziel. Aber eine Rallye birgt viele Unwägbarkeiten. Man braucht auch das nötige Quäntchen Glück, aber vor allem in allen Bereichen ausgereifte und erprobte Lösungen. Und das dauert bei Innovationen eben etwas. Die Dakar ist extrem komplex, und man hat halt nur einen Schuss im Jahr. Unsere Fahrer konnten das Rennen in den letzten beiden Jahren anführen und etliche Etappensiege erreichen, aber durch Stürze oder Technikprobleme eben noch nicht gewinnen.

Honda-Fahrer Barreda 2016

 

Foto: Honda  

Ihr Kapitän Joan Barreda ist wohl der schnellste Fahrer im Feld. Seine Qualitäten konnte der Spanier aber letztlich nie ausspielen. Im Gesamtklassement warfen ihn immer wieder Stürze oder technische Probleme zurück. Wird er wieder als Nummer-Eins-Fahrer im Honda-Team antreten?
Ja. Joan kann die Dakar gewinnen und ist ein unheimlicher Fighter. Daran zweifelt niemand. Er muss nur lernen ruhig zu bleiben, wenn die Dinge einmal nicht so laufen. Daran arbeiten wir permanent. Und mit Paulo Goncalves haben wir noch einen Trumpf im Ärmel was die Konstanz betrifft. Paulo war im vergangenen Jahr Zweiter.

Für die Dakar 2016 werden die Karten neu gemischt. Der Vorjahressieger Marc Coma auf KTM ist zurückgetreten. Ist der Sieg nun besser planbar?
Nein. Die Rallyeszene hat sich deutlich verjüngt. Es gibt neue junge und hungrige Fahrer wie Walkner und Price, Newcomer aus der Enduro-WM wie Méo und Renet und routinierte Haudegen wie Faria, Viladoms oder Helder Rodrigues. Das Fahrerniveau ist extrem hoch, doch als erstes muss über die 8000 Kilometer Distanz die Wüste ohne gravierende Probleme besiegt werden um ganz oben stehen zu können.

29.12.2015 |  Artikel drucken | Senden | Kommentar

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