18.01.2012
Erschienen in: 03/ 2012 MOTORRAD

Bremsflüssigkeit wechseln Die Bremsanlage mit neuer Flüssigkeit befüllen

Weicher Druckpunkt, schwammige Bremse. Höchste Zeit, die Bremsanlage mit neuem Saft zu befüllen und sauber zu entlüften. In Teil zwei verraten wir alles über den Wechsel der Bremsflüssigkeit.

Bremsflüssigkeit wechseln

Wichtig: Bremsflüssigkeit sollte regelmäßig gewechselt werden.  

Foto: Schermer  

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Beim Thema „Bremsen“ gibt es keine Kompromisse: Die 100-prozentige Leistungsfähigkeit und Sicherheit der Bremsanlage muss auf jedem Meter Fahrstrecke zur Verfügung stehen. Zu einer gut funktionierenden Bremsanlage gehört neben ausreichend dicken Bremsbelägen auch der regelmäßige Austausch der Bremsflüssigkeit. Die wesentlichen Fakten zur Bremsflüssigkeit haben wir in der Ausgabe zuvor zusammengetragen.

Spätestens alle zwei Jahre soll die Bremsflüssigkeit erneuert werden. Man sieht es an ihrer Farbe: Frische Bremsflüssigkeit ist meistens hellgelb, sie kann aber je nach Hersteller und Typ auch beige, hellblau oder hellrot eingefärbt sein. Mit zunehmendem Alter wird sie grau bis schwarz. Das ist ein untrügliches Zeichen, dass sie alt und verbraucht ist. Bremsflüssigkeit ist „hygroskopisch“, das heißt, sie nimmt Wasser auf. Je älter sie ist, desto mehr Wasser hat sie aus der Luft aufgenommen. Dadurch ist ihre Temperaturstabilität gesunken, sie beginnt entsprechend früher zu „kochen“.

Bei Hitze bilden sich regelrechte Dampfblasen, und die Gefahr ist groß, dass die Bremsen bei extremem Einsatz - etwa bei Passabfahrten oder im Rennstreckenbetrieb, wo die Bremse sehr heiß wird - plötzlich versagen. Denn die Dampfblasen sind komprimierbar, lassen sich zusammendrücken, weswegen der vom Bremshebel aufgebaute Druck nicht an die Bremskolben weitergegeben wird. Ergebnis: Der Bremshebel lässt sich fast bis zum Griffgummi durchziehen, die Bremswirkung ist gleich null.

Schnelle Fahrer oder pässebegeisterte Biker wechseln die Bremsflüssigkeit sogar alle zwölf Monate, da sie durch den ständigen Wechsel von Erhitzen und Abkühlen besonders stark belastet wird.

Nachstehend erklären wir die mit einfachen Mitteln durchzuführende Handwerkermethode mit Schlauch, durchsichtigem Behälter und Ringschlüssel.

Anmerkung 1:

Im Regelfall wird bei Bremsanlagen ohne oder mit ABS beim Wechsel die gesamte Bremsflüssigkeit erneuert, indem beim Durchpumpen der neuen Bremsflüssigkeit die alte einfach ausgedrückt wird. Wenn Sie nicht sicher sind, ob das auch bei Ihrer Maschine so ist, sollten Sie vorab Ihren Händler fragen.

Anmerkung 2:

Ältere BMW-Motorräder mit ABS haben mehrere Bremskreise, nämlich den jeweiligen Radbremskreis und den zugehörigen ABS-Bremskreis. Auch können die Bremsen vorne und hinten miteinander gekoppelt sein: zum Beispiel bei Hondas mit der CBS-Bremsanlage. Aber auch ältere Guzzis aus den 1970/80er-Jahren besitzen zum Teil eine so genannte „Integralbremse“. Besitzern solcher Maschinen raten wir dringend, den vorgeschriebenen Bremsflüssigkeitswechsel beim Markenhändler machen zu lassen, weil dafür Spezialwerkzeuge erforderlich sind, verschiedene Maßangaben und Arbeitsschrittabfolgen beachtet werden müssen und nach getaner Arbeit auch der Fehlerspeicher der Bordelektronik ausgelesen werden muss.

Anmerkung 3:

An einigen Maschinen ist ein Entlüftungsventil an der Handbremspumpe angebracht; man findet dies zum Beispiel bei modernen Maschinen mit Radial-Bremspumpe.

Anmerkung 4:

Die Anziehdrehmomente der Entlüftungsventile in den Bremssätteln und der Handbremspumpe sind je nach Hersteller verschieden. Bitte besorgen Sie sich diese aus den Werkstatt-Handbüchern, bevor Sie mit der Arbeit anfangen.

Standardwerte sind:

  • Entlüftungsventile im Bremssattel mit SW 7 oder 8 mit maximal 8 Nm festziehen.
  • Entlüftungsventile mit SW 11 mit 15 bis 18 Nm festziehen.
  • Das Entlüftungsventil in der Handbremspumpe wird mit 3 bis 4 Nm festgezogen.

WEITER ZU SEITE 2: Das Wechseln

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