Grundlagen Bekleidungs-Materialkunde Leder
Im Falle eines Falles ist Lederbekleidung immer noch die beste Versicherung. Doch bevor Leder schützen kann, ist sehr viel Arbeit fällig.
Leder-Rohware ist ein Abfallprodukt. Rinder-, Ziegen- und Hirschhäute fallen nämlich bei der Fleischproduktion an. Die Haut besteht zu 65 Prozent aus Wasser. In der Gerberei wird in vielen Schritten (Entfleischen, Enthaaren, Spalten, Gerben, Entwässern, Abschleifen, Färben, Trocknen, Walken, Zurichten) aus der empfindlichen Haut robustes Leder. Eine Rinderhaut vom Schlachthof wiegt 40 Kilogramm, das sechs Quadratmeter große Fertigleder nur noch knapp 5. Für eine normale Lederjacke werden rund 50 Teile vernäht, ein Paar Sporthandschuhe bringt es auf 140. In einer aufwendigen Lederkombi stecken bis zu 200 Teile und 7,5 Stunden Arbeitszeit. Davon sind gut vier Stunden Näharbeit. Das erklärt, warum die meisten Anbieter - auch namhafte Marken - in Fernost oder Osteuropa nähen lassen: Das Lohnniveau ist dort noch niedrig, wobei die im Zuschnitt und der Näherei Beschäftigten gesuchte Facharbeiter sind, die im Verhältnis zu den meisten ihrer Landsleute relativ gut verdienen. Das robustete Gebrauchsleder ist übrigens Känguruleder.
Ledersteckbrief: Kombi
Lederarten: überwiegend vollnarbiges Rind, seltener Ziege (eher für klassische Lederbekleidung), Känguru (nur Sportkombis)
Stärken: 1,0 bis 1,5 Millimeter
Herkunft: Top-Qualitäten aus Europa (Italien, Österreich), Asien (Korea) und Australien, mittlere und niedrige Qualitäten aus Südamerika und Asien (Argentinien, Brasilien, China, Pakistan, Indien)
Konfektion: überwiegend Osteuropa und Asien
Leder-Steckbrief: Stiefel
Lederarten: überwiegend Rind (teilweise zugerichtetes Spaltleder), Ziege (in Teilbereichen), Känguru (für Sportstiefel)
Stärken: 1,5 bis 1,7 Millimeter (leichte Sportstiefel), 1,9 bis 2,5 Millimeter (Touren),
2,5 bis 3,5 Millimeter (Offroad)
Herkunft: Top-Qualitäten aus Europa (speziell Deutschland, Italien), mittlere und niedrige Qualitäten zumeist aus Asien (China, Pakistan)
Konfektion: Europa und Asien
Leder-Steckbrief: Handschuhe
Lederarten: Rind, Ziege und Känguru (eher für Sporthandschuhe), seltener Hirsch
Stärken: 0,7 bis 1,0 Millimeter (bei wasserdichten Tourenhandschuhen häufig Mix aus Textil und Leder)
Herkunft: alle Qualitätsstufen überwiegend aus Asien (China, Pakistan), teurere Ware aus Europa (Deutschland, England) und Australien
Konfektion: überwiegend Osteuropa und Asien (China, Pakistan)







