In MOTORRAD 3/2016: Motorradtransporte: Wie bekommt man die Maschine in attraktive Zielgebiete?

Ratgeber Motorradtransport Zug, Spedition, Flugzeug oder Schiff

Gründe für den Transport des eigenen Motorrades gibt es reichlich. Wer im europäischen Ausland Urlaub plant und die lange Anreise auf eigener Achse scheut, kann die Dienstleistungen von Speditionen oder Autozüge in Anspruch nehmen. Die Verbringung in andere Erdteile sollte man Unternehmen mit Erfahrung in der Motorrad-Logistik anvertrauen.

Foto: Herder
In MOTORRAD 3/2016: Motorradtransporte: Wie bekommt man die Maschine in attraktive Zielgebiete?
In MOTORRAD 3/2016: Motorradtransporte: Wie bekommt man die Maschine in attraktive Zielgebiete?
Anzeige

Autozug und Spedition

Motorrad-Urlaub im sonnigen Süden? Keine Lust auf oder Zeit für die verschleißträchtige Fernfahrt mit dem eigenen Bike? Dann wird die Anreise per Shuttle-Service interessant. Sie beruht auf der Geschäftsidee einer Reihe von Spediteuren oder Reiseveranstaltern, die Motorräder mit Leichttransportern samt Hängern, mit LKWs oder Kleinbussen zum Ziel zu bringen. Der Motorradfahrer fährt entweder im Bus mit oder fliegt zum Ziel. Interessant sind die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten. Darüber hinaus macht diese Variante speziell bei Gruppenreisen oder Veranstaltungen Sinn. Eine weitere Möglichkeit ist die Verladung des Motorrades auf einen Autozug. Nachdem die deutsche Bahn aus Kostengründen die meisten ihrer früher so hilfreichen Verbindungen eingestellt hat, gibt es aber in den Nachbarländern durchaus noch Möglichkeiten, das Motorrad recht weit in sonnige, südliche Gefilde bringen zu lassen. Interessant für Motorradfahrer aus dem Norden: Die Deutsche Bahn unterhält 2016 noch zwei Verbindungen von Hamburg nach München und nach Lörrach. An 135 Tagen im Jahr soll der Autozug mit einem Schlafwagen, fünf Liegewagen und sieben Fahrzeugtransportwagen rollen: von März bis Oktober an drei Tagen, während des übrigen Jahres ein- oder zweimal pro Woche. Hinzu kommen Sondertermine über Weihnachten und Neujahr.

Alle Infos: www.dbautozug.de. 2017 will die Bahn leider auch diese Strecken einsparen. Grund: Die Nachfrage konzentriere sich auf die Sommermonate, rund 90 Prozent der 200000 Passagiere pro Jahr seien Sommerurlauber. Und dieses fast reine Saisongeschäft könne nicht für schwarze Zahlen sorgen, so die Bahn. 

Doch es gibt Trost: Ein interessantes Angebot kommt von der holländischen „Treinreiswinkel“ in Verbindung mit Euro-Express. Die Niederländer schicken 2016 von Mitte Mai bis Ende September jede Woche einen Autozug von Düsseldorf nach Verona in Italien. Das Ganze zu attraktiven Konditionen: Zum Beispiel kostet ein „One-way-Ticket“ am 21. Mai 2016 für eine Person samt Motorrad 148 Euro. Alle Infos unter http://www.bahnreiseladen.de/autozug/italien/autoslaaptrein-dusseldorf-verona

Österreich bietet interessante Verbindungen von Feldkirch nach Villach oder Graz. Oder von Wien beispielsweise nach Verona, Livorno, Düsseldorf oder Hamburg. Buchungen und Infos unter www.oebb.at

Es gibt sogar einen Zug (ca. 36 Stunden) von Edirne in der Türkei bis ins österreichische Villach (www.optimatours.de). Auch Frankreich unterhält ein attraktives Netz: www.b-europe.com. Verlässliche Infos über Strecken in Italien und Spanien sind momentan schwer zu bekommen und werden Gegenstand eines erneuten Artikels sein.

Wer davon träumt, mit der eigenen Maschine die außereuropäischen Traumstrecken dieser Welt zu befahren, sollte eine Spedition kontaktieren. Am besten eine, die auf Motorradtransporte spezialisiert ist (siehe Firmenporträt und Kasten mit Adressen). Ein solcher Transport macht natürlich nur dann Sinn, wenn die Reise etwas länger dauern soll und eventuelle Mietgebühren für ein Motorrad im Zielgebiet die Transportkosten übersteigen würden. 

Für das richtige Verzurren eines Motorrads auf Fähren hat die Reederei DFDS Seaways ein anschauliches Video ins Netz gestellt.


Anzeige

Luftfracht

Luftfracht gilt als problemlose und rasche Transportmöglichkeit. Wenn die Kosten eine untergeordnete Rolle spielen, kann das Motorrad an fast jeden Ort der Welt versendet werden. Zunächst sollte man von mehreren Speditionen Angebote anfordern, denn die Art und Weise des Transportes kann so unterschiedlich ausfallen wie die Preisgestaltung. Wichtig ist, dass man bei der Anfrage die Abmessungen und das Gewicht seines Fahrzeuges kennt. 

Einige Unternehmen verfügen bereits über verschieden große Spezialpaletten für Motorräder, auf denen die Maschine ohne große Demontage verzurrt werden kann. Falls kein Festpreis oder ein besonderes Angebot existiert, wird der Betrag aus dem Volumengewicht der kompletten Fracht errechnet. Die Formel lautet: Länge × Breite × Höhe (in Zentimetern) geteilt durch 6000. Dieser Wert wird schließlich mit dem Kilopreis multipliziert (size-count-formula). Dazu addieren sich die Gebühren für das Be- und Entladen, den Zoll, ein Gefahrengutachten und eine mögliche Transportversicherung. Im Zielland können am Flughafen weitere kleine Gebühren anfallen.

Wer sich die Mühe macht, sein Motorrad teilweise zu zerlegen (Vorderrad und Lenker demontieren) und es mit einer entsprechend kompakten Palette oder Kiste aufgibt, kann aufgrund des geringeren Volumens Geld sparen. Tipp: Vor der Arbeit mit dem Spediteur der Wahl eventuelle Anforderungen an die Verpackung absprechen. Man kann das Motorrad von Verpackungsunternehmen einpacken lassen oder eine Kiste selber bauen (Anleitungen gibt es im Netz). Eine gute Lösung sind mitunter auch die Transportkisten lokaler Motorradhändler, um die man sich aber frühzeitig kümmern sollte.

Quarantäne in Australien und Neuseeland

Länder wie Australien oder Neuseeland betreiben hohen Aufwand, um Schädlinge aus ihren Ländern fernzuhalten. Kisten aus Holz werden daher samt Inhalt in einem Quarantäne-Bereich der Zielorte mit giftigem Gas behandelt. Was manche Kistenbauer zu Metallkonstruktionen greifen lässt (in denen auch immer häufiger Neumotorräder zum Händler speditiert werden). Mitunter müssen die Metallrahmen auch noch verkleidet werden, was man am besten mit Sperrholz macht. Dieses wird unter so hohen Temperaturen hergestellt, dass es den Behörden im Hinblick auf Schädlingsbefall unverdächtig erscheint.

Seefracht

Die Seefracht gilt als günstigere Alternative zur Luftfracht. Doch meistens ist diese Variante mit erheblich mehr Arbeits- und Organisationsaufwand verbunden – und man muss auf sein Motorrad bereits sechs bis acht Wochen vor Reisebeginn verzichten. Seefracht ist mit und ohne Verpackung als Containergut möglich. In jedem Fall muss die Kiste oder das Motorrad nach Bremen oder Hamburg gebracht werden. Viele Spediteure verlangen für den unverpackten Containertransport das Abklemmen der Batterie und eine Entleerung des Tanks. Ist das Bike verpackt, helfen Speditionen, die umso teurer sind, je weiter die Abholung im Süden Deutschlands erfolgt. Wer sein unverpacktes Motorrad nicht selbst fahren will, kann auf die eingangs erwähnten Klein- oder Großtransporteure zurückgreifen, die mitunter einen Transport quer durch Deutschland für rund 100 Euro anbieten, wenn sie ihre jeweiligen Fahrzeuge vollbekommen.

Meistens kann man in die Motorrad-Transport-Kisten auch noch Ausrüstung und Koffer integrieren, doch auch das sollte mit dem Spediteur der Wahl abgeklärt werden. Selbst wer sein Bike unverpackt einem Container anvertraut, kann eventuell Aus-rüstung wie Helme, Stiefel, Kombi, Ersatzteile, Werkzeug, Reifen, Reservekanister mitliefern und auf Sitzbank, Gepäckträger oder in die Seitenkoffer packen. 

Kosten für den Motorrad-Transport

Kommen wir zu den Preisen: Im Rahmen eines Spezial-Angebotes der Firma In Time aus Hamburg für Valparaiso/Chile würde eine Mittelklasse-Reise-Enduro inklusive aller Gebühren (ohne Transportversicherung) mit günstigen 950 Euro für die „one way“-Passage per Containerschiff zu Buche schlagen. Flugtransporte kosten gern über einen Tausender mehr, doch die Preise variieren je nach Jahreszeit, Spedition und Anforderungen. Hier lohnt es sich, frühzeitig mit der Recherche zu beginnen. 

Der Preis für die Seefracht setzt sich neben den reinen Frachtkosten aus den Hafenkosten und den Ausschiffungskosten zusammen. Letztere können je nach Zielhafen 500 bis 1000 Euro betragen und stellen somit den größten Posten in der Rechnung. Zusätzlich muss man im Zielland mit Zollgebühren, Steuern und Lagergeldern rechnen. Während es sich im Fall von Chile, den USA oder Australien um feste und somit kalkulierbare Beträge handelt, können besonders in Dritte-Welt-Ländern schnell diverse diffuse Schmiergeldzahlungen dazu kommen, die im Voraus kaum zu berechnen sind. Hinzu kommt der zumindest theoretische Nachteil, dass der Container in Zwischenhäfen umgeschichtet werden könnte, was die Motorräder in seinem Inneren nicht immer schont. Doch ein Risiko besteht bei jeder Art von Transport, denn auch beim Beladen des Flugzeuges kann die Palette vom Stapler kippen etc. Glücklicherweise lassen sich für fast alle Transportarten spezielle Versicherungen abschließen, die gemessen am Frachtpreis kein Vermögen kosten. 

Generell empfiehlt es sich, die Transport-Erfahrungen anderer Motorrad-Reisender zu berücksichtigen. In der Datenbank des bekannten Fernreise-Forums HUBB kann man gezielt nach Erfahrungsberichten suchen: www.horizonsunlimited.com/tripplan/transport/shipping.php.

Die Gegebenheiten in den diversen Ländern ändern sich ständig und die besten Quellen für frische Infos sind andere Reisende. Grundsätzlich gibt es für westeuropäische Kunden einige sehr gute auf Motorrad-Transport spezialisierte Speditionen am Markt. Empfehlenswerte Adressen finden sich untenstehend. Einen Spezialisten möchten wir dieses Mal näher beleuchten: die Firma In Time aus Hamburg (siehe Kurzporträt).

Interview mit Olaf Kleinknecht

Um den Alltag eines Motorrad-Spediteurs besser verstehen zu können, haben wir Olaf Kleinknecht, Gründer der Hamburger Spedition In Time, ein paar Fragen gestellt: 

 ?  Was waren für Euch bislang die exotischsten Liefer-Ziele?

 !  Besonders exotisch, weil mit ex-tremer Vorbereitung verbunden, war ein Individualtransport nach Japan. Auf der Weltkarte exotisch waren Ouagadougou und Dar Es Salaam. Durchaus exotisch war aber auch der Container voller Motorräder aus dem 11500 Kilometer entfernten Wladiwostok.

 ?  Was war die größte logistische Herausforderung im Laufe deiner Experten-Karriere?

 !  Der Transport der Motorräder einer deutschen Reisegruppe für eine Reise durch China von Schanghai nach Peking. Angefangen von der Verladung der 15 Motorräder in Exclusiv-Containern bis zur Auslösung in China sowie dem Rücktransport nach Deutschland.

 ?  Was war das skurrilste Erlebnis im Zusammenhang mit Motorrad-Transporten?

 !  Ein Motorrad-Transport für einen deutschen Kunden nach Australien und zurück. Normalerweise Routine, doch der Kunde sprach kein Wort Englisch. Zusammen mit unserem deutsch sprechenden Partner in Australien haben wir aber vor Ort einen reibungslosen Ablauf des Transportes organisieren können, und der Kunde kam rundum zufrieden zurück.

 ?  Was war das schönste und was das schrecklichste Erlebnis?

 !  Das schönste war für mich eine Kundin, die ihrem Freund einen aufwändigen Motorrad-Transport schenkte. Schrecklich war dagegen die Organisation eines Rücktransportes  von Peru nach Deutschland. Der Kunde musste aus persönlichen Gründen seine Reise abbrechen und vorzeitig zurückkehren. Das Motorrad verblieb in Callao und die dortigen Zollbehörden wollten es nicht mehr rausrücken. Es hat mich neun Monate und zahllose nächtliche Telefonate gekostet, um das Bike aus den Fängen des peruanischen Zolls zu lösen. Wir sind nur ganz knapp einer Konfiszierung entgangen. Ungeachtet der immensen Mehrkosten hat der Kunde natürlich nur den vereinbarten Frachtpreis bezahlt.

 ?  Kannst du uns einige Ziele nennen, die richtig schnell erreichbar sind?

 !  Der schnellste Weg von Deutschland nach New York per Schiff dauert etwa neun Tage. Im Flugzeug geht es am schnellsten per „Fly and Ride“ nach Cancun/Mexiko innerhalb von drei Tagen, der Rückweg ist ähnlich schnell. Generell dauert der Rückweg aber länger als der Hinweg. So braucht ein Motorrad per Schiff nach Chile hin etwa fünf Wochen, zurück sieben Wochen. Per Flugzeug nach Chile geht es innerhalb von fünf Tagen, zurück dauert es gerne mal sieben bis 14 Tage.

 ?  Was war der teuerste Transport, den du bisher abgewickelt hast?

 !  Das war kein Motorrad, sondern ein fünf Tonnen schwerer Dodge-Pickup, der unbedingt im Flieger von Miami nach Amsterdam musste.

 ?  Was ist deine Empfehlung an Kunden, die gerne andere Erdteile befahren möchten?

 !  Die für mich besten Ziele sind Valparaiso in Chile und Auckland in Neuseeland. An beiden Destinationen haben wir langjährige Partner, die sich immer weit über das normale Maß hinaus um unsere Kunden kümmern. Die Infrastruktur in beiden Häfen entspricht westeuropäischem Standard.

 ?  Was ist euer meistgebuchtes Ziel?

 !  Das ist saisonal unterschiedlich. Eine beständige Größe ist Südamerika, insbesondere Chile. Aus diesem Grund werden wir auch 2016 wieder unsere Sonderaktion Valparaiso auflegen.

 ?  Weißt du schon was über weitere Spezial-Angebote von In Time?

 !  Bei Individualreisenden ist es schwierig, eine größere Anzahl von Kunden zum gleichen Zeitraum zu bündeln. Dennoch haben wir weitere Ziele für Sonderaktionen in Planung. Denkbar ist Kanada, Neuseeland oder Namibia. Wir werden auch wieder Sammelcontainer nach Chile und einen Frühbucherrabatt anbieten. Bei Buchung bis 31.03. gibt es einen Rabatt von zehn Prozent auf den Grundpreis, bei Buchung bis 30.06. fünf Prozent.

Motorrad-Spedition In Time

Die Firma In Time wird von Olaf Kleinknecht im Jahr 1997 ins Leben gerufen. Der Gründer setzt auf den Transport von kommerziellen Handelswaren per Schiff und Flugzeug. Bereits 1998 beginnt der seit langem begeisterte Motorradfahrer, sich auf interkontinentale Motorrad-Transporte zu spezialisieren. Er kann sich neben seiner beruflichen Kompetenz im Speditionsgeschäft gut in die Sorgen und Nöte des transportunerfahrenen Kunden hineinversetzen, der sein geliebtes Motorrad fremden Menschen für einen eventuell heiklen Transport anvertrauen muss. „Es ist für unser Dienstleistungsverständnis unerheblich, ob jemand eine nagelneue BMW GS versenden möchte oder mit einer zwanzig Jahre alten Yamaha um die Welt reist. Wir nehmen jedes Anliegen ernst und behandeln jeden Transport mit derselben Sorgfalt, als wäre es unser eigenes Motorrad.“

Nur ein schönes Versprechen? Anscheinend nicht, denn In Time genießt ein gewisses Ansehen unter den Kunden, was sich durch positive Einträge in diversen Foren niederschlägt. Neben der individuellen Beratung ist für Olaf Kleinknecht die Kostentransparenz ein wichtiger Baustein, um seinen Ruf als verlässlicher Transportpartner nicht zu verlieren. Die Kunden erhalten einen Endpreis inklusive aller Nebengebühren. Nicht selbstverständlich, denn andere Anbieter lassen aus Nachlässigkeit oder Unkenntnis schon mal verschiedene Pos- ten aus. 

Neben den gängigen und beliebten Destinationen in Amerika, Australien und Afrika bietet In Time auch Transportlösungen beispielsweise für Indien, die Mongolei und Nepal an. Für noch exotischere Reiseziele werden auf Wunsch individuelle Konzepte erarbeitet. Olaf Kleinknecht: „Falls wir keinen verlässlichen Partner haben oder generieren können, machen wir keine falschen Versprechen, sondern geben Tipps, wie das Motorrad sicher nach Hause kommt.“ Eine Aussage, die viele Fernreisende beruhigen dürfte.

Infos und Adresse: 
In Time Forwarding & Courier e. K.
Flughafen Frachtzentrum Geb. 148,
22335 Hamburg,
Telefon 0 40/59 35 92 40
www.intime-ham.com

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel